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Vor 50 Jahren : Das große Leben und die Autos dazu

  • -Aktualisiert am

Zunehmende Verkehrsdichte: In Frankfurt entstand Deutschlands ältestes Parkhaus Bild: picture-alliance/ dpa

Wir drehen die Zeit zurück: Im Autojahr 1958 geht es aufwärts - mit Hubraum, Leistung, Luxus und Geschwindigkeit. Ein Rückblick auf die Automobillandschaft, wie sie vor einem halben Jahrhundert noch war.

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          Am 1. Januar 1958 treten die Römischen Verträge zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft in Kraft. Tags drauf nimmt in West-Berlin das Bundeskartellamt seine Arbeit auf, in Flensburg das Verkehrszentralregister (vulgo Verkehrssünderkartei). Die Bundesrepublik Deutschland avanciert mit 1,3 Millionen Einheiten dank der rund 600.000 VW zum zweitstärksten Automobilproduzenten der Welt. Zum Vergleich: In den Vereinigten Staaten sind es 4,2 Millionen. Selbst die Sowjetunion stellt mit 125.000 Automobilen mehr als doppelt so viele her wie Japan (51.000). In China wird das allererste Auto gefertigt.

          Das deutsche Wirtschaftswunder bläst zum Halali auf die Nachkriegs-Kleinstwägelchen. Die Produktion der Winzlinge mit weniger als 500 Kubikzentimeter Hubraum schrumpft um ein Drittel. Dennoch fertigt die Fahrzeug- und Maschinenbau GmbH Regensburg vom 2. Mai an den FMR Tg 500, eine vierrädrige Version des dreirädrigen früheren Messerschmitt- und nun FMR-Kabinenrollers. Ursprünglich soll der Flitzer Tiger heißen, stellt Hanns-Peter von Thyssen-Bornemissza in seinem Nachschlagewerk „Europäische Kleinwagen“ fest. Aber weil Krupp in Essen diesen Namen schon für Lastwagen hat schützen lassen, weichen die Regensburger auf das prosaische Kürzel aus.

          Altmeistern darf man Übertreibungen nachsehen

          Laut Prospekt bringt der 490-Kubik-Zweitaktmotor von Fichtel & Sachs mit Gebläsekühlung für jeden der beiden Zylinder dieses Gefährt auf 126 km/h. Zeitzeugen berichten aber, dass nahezu jedes Exemplar mindestens 130, wenn nicht 135 km/h erreicht. Unfälle schon bei geringeren Tempi bekommen den beiden hintereinander sitzenden Insassen des knautschzonenarmen Tigers aber gar nicht gut. Die Unternehmensleitung erwägt deshalb ernsthaft, ihn nur an Kunden zu verkaufen, die ihren Führerschein schon mehrere Jahre besitzen.

          Erfolgreiche kleine Automobile haben zum Ende des Jahrzehnts einen Hubraum von 600 Kubikzentimeter und mehr, so zum Beispiel der Prinz von NSU und der überraschend vorgestellte Sport-Prinz, dessen Karosserie Bertone gestaltet und zunächst auch herstellt. Sein Motor leistet 30 PS bei 5700/min, seine Höchstgeschwindigkeit gibt NSU mit 130 km/h an, und Altmeister Roger Gloor beschreibt ihn in seinem Werk „Nachkriegswagen“ so: „Die elegante saubere Linie mit Fließheck, den vorkragenden Kotflügelabschlüssen und großzügigen Fensterflächen hielt hinsichtlich Vollkommenheit einem Vergleich mit dem ebenfalls bei Bertone geschaffenen Alfa Romeo Giulietta Sprint durchaus stand!“ Altmeistern darf man Übertreibungen nachsehen. Zwar gibt es den Sport-Prinz noch nicht mit Wankelmotor, aber die NSU-Werke in Neckarsulm, und die Wankel GmbH in München freuen sich über die erste Lizenzvergabe: an die Curtiss-Wright Corp. „für alle technischen Bereiche und Verwendungszwecke“.

          „Die deutsche Automobilindustrie“

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