https://www.faz.net/-gy9-7x8nz

Crashtest : Kommt ein Volvo geflogen

Luftig: Der Volvo XC90 ist abgehoben Bild: Foto Hersteller

Bei der Fahrzeugsicherheit waren die Schweden schon immer Vorreiter. Der neue SUV XC90 erhält das Sicherheitssystem „Run off Road“ nun serienmäßig. Dazu wurden auch drei weitere Crashtest-Verfahren entwickelt.

          2 Min.

          Volvo war und ist (zusammen mit Mercedes-Benz) der Vorreiter in passiver Sicherheit. Für das neue große SUV XC90, das im kommenden Jahr auf den Markt kommt, erhöhen die Schweden abermals den Schutz der Fahrzeuginsassen: Der XC90 kommt serienmäßig mit dem „Run off Road“ genannten Schutzsystem. Dessen Konzeption ist bisher einmalig, es soll die Passagiere bei gefährlichen und unkontrollierbaren Unfallsituationen behüten, vor allem, wenn das Fahrzeug von der Straße abkommt.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          In diesem Fall hält das System die Insassen fest in ihrer optimalen Sitzposition, außerdem beugt ein neuer, energieabsorbierender Bereich in den Vordersitzen Wirbelsäulenverletzungen vor. Diese träten häufig bei Unfällen dieser Art auf, sagt Volvo.

          Das Abkommen von der Straße detektiert ein ausgeklügeltes Sensorsystem. Dann werden die Gurte so lange fest angezogen, wie das Fahrzeug sich bewegt. Der energieabsorbierende Bereich im Sitz verformt sich mechanisch, um die vertikalen Kräfte abzufedern, die bei einem harten Aufprall des Fahrzeugs abseits der Fahrbahn entstehen.

          Ein Drittel aller schweren Verkehrsunfälle sind Alleinunfälle

          „Wir halten die Insassen in einer aufrechten Position und federn den Aufprall ab. Dadurch können wir die vertikalen Kräfte, die auf die Passagiere einwirken, um bis zu einem Drittel verringern“, sagt Lotta Jakobsson, Ingenieurin beim Volvo Cars Safety Centre.

          Autsch: Der XC 90 nach der Landung

          Bisher gibt es weder gesetzliche Regelungen noch Tests, die das Verhalten von Fahrzeugen bei dieser Art von Unfällen bewerten. „Bei unserem Bekenntnis zur Fahrzeugsicherheit geht es nicht darum, einen Test zu bestehen oder eine bestimmte Wertung zu erzielen“, erklärt Jakobsson. „Es geht immer darum herauszufinden, wie und warum Unfälle und Verletzungen geschehen, und dann Techniken zu entwickeln, die Unfälle und Verletzungen verhindern. “

          Das Abkommen von der Straße ist ein typisches Unfallszenario, das verschiedene Ursachen haben kann: Ablenkung, Müdigkeit oder schlechte Witterungsbedingungen. Die Hälfte aller Verkehrstoten in Amerika lasse sich auf solche Unfälle zurückführen; in Schweden handelt es sich bei einem Drittel aller Verkehrsunfälle mit Todesfolge oder schwer verletzten Personen um sogenannte Alleinunfälle, an denen nur ein Fahrzeug beteiligt ist. Zudem sind Unfälle durch Abkommen von der Fahrbahn höchst komplexe Situationen, in denen sich die Passagiere im Fahrzeug unkontrolliert bewegen. Die Rückhaltesysteme im Innenraum sind daher höchsten Anforderungen ausgesetzt.

          Der SUV macht auch im Pariser Autosalon eine gute Figur.

          Zur Vorbeugung gibt's den Spurhalte-Assistenten

          Volvo hat 1959 den Dreipunkt-Sicherheitsgurt erfunden und seit den siebziger Jahren das Risiko, in einem neuen Volvo schwer verletzt oder getötet zu werden, um mehr als zwei Drittel reduziert. Doch die Häufigkeit von Verletzungen im Brust- und Lendenwirbelbereich konnte nicht in gleichem Maße gesenkt werden – und es sind genau diese Verletzungen, die bei Unfällen durch Abkommen von der Fahrbahn sowie bei Mehrfach-Aufprällen vermehrt auftreten. Dass soll das neue System ändern.

          Für die Entwicklung von „Run off Road“ hat Volvo auf der Grundlage realer Unfalldaten drei neue Crashtest-Verfahren kreiert: „Graben“, „Durch die Luft“ und „Unwegsames Gelände“. Bei „Durch die Luft“ verlässt das Fahrzeug mit rund 80km/h die Fahrbahn, hebt ab und landet aus einer Höhe von etwa 80 Zentimetern (gemessen am tiefsten Punkt) auf einer glatten Oberfläche. Bei „Graben“ wird simuliert, wie das Fahrzeug in einen 80 Zentimeter tiefen Graben hineinfährt und gegen eine Böschung prallt. Der Test „Unwegsames Gelände“ simuliert ein Abkommen in einen Acker. Das Beste ist freilich, wenn der Unfall gar nicht erst passiert. Dafür hat der XC90 einen Spurhalte-Assistenten an Bord.

          Weitere Themen

          Künstliche Geräusche für Elektroautos Video-Seite öffnen

          Sounddesigner tüfteln : Künstliche Geräusche für Elektroautos

          Elektroautos klingen nicht nach echtem Auto, erzeugen keine Emotionen, sagen Autonarren. Sie sind zu leise und deshalb gefährlich im Straßenverkehr, sagt die EU. Deshalb müssen neue Modelle nun bei geringem Tempo lauter werden. Mit künstlichem Sound!

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.