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Volvo S90 – extra lang : Länge und noch mehr als Luxus

Der lange Volvo S90 Bild: Schmidt

Jetzt auch in Deutschland zu haben: Der lange Volvo S90, der auf die schon nicht knappen 4,96 Meter Außenlänge noch zwölf Zentimeter draufpackt.

          3 Min.

          Klassische Limousinen sind out. Tatsächlich? Das mag für Deutschland gelten, in anderen Ländern ist das keineswegs so. Zum einen hat der Süden Europas noch immer ein Herz für Autos mit separatem Kofferraum, und in den Vereinigten Staaten sind sie ebenfalls sehr beliebt, wenn es kein SUV sein soll. Dort besetzen zwar Pick-ups und SUV mehr als die Hälfte des Marktes, aber bei den Personenwagen liegen die Limousinen weit vorn, Kombis gehen kaum. Sodann blicke man auf China, den größten Automobilmarkt der Welt, für den viele Hersteller sogar eigens Lang-Versionen ihrer Limousinen produzieren.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Zwar entdecken auch die Chinesen nach und nach das SUV, aber noch laufen Limousinen. Und zwar so gut, dass fast alle Hersteller ihre europäischen Angebote um eine vergrößerte Version für den chinesischen Markt ergänzen. VW macht das, Mercedes-Benz und auch Volvo, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

          Zurück nach Deutschland. Hier ist der schwedische Volvo S90, das Pendant zum schönen Kombi V90, mehr oder weniger ein Exot. Von 100 verkauften 90er-Personenwagen sind vielleicht fünf ein S90. Der deutsche Kunde denkt praktisch und hat Angst, dass der 500-Liter-Kofferraum, der zugegeben etwas flach ist, zu klein sein könnte. Dabei ist doch der S90 das fraglos schickere Auto. Er wird hierzulande zu Preisen ab 46 300 Euro angeboten, sieben Motorvarianten stehen zur Wahl, drei Diesel, drei Benziner und eine Hybrid-Lösung. Stets kommen Zweiliter-Vierzylinder-Motoren zum Einsatz, Volvo hatte sich schon vor geraumer Zeit entschieden, generell auf Fünf- oder Sechszylinder zu verzichten. Auch Allrad kann gewählt werden, und alle Versionen haben eine Achtgang-Automatik.

          Bisher in Deutschland nicht zu haben war der lange S90, der auf die schon nicht knappen 4,96 Meter Außenlänge noch zwölf Zentimeter draufpackt, die ausschließlich dem Fond zugute kommen. In Amerika wird ausschließlich dieser lange S90 angeboten, weniger will man den Kunden wohl nicht zumuten. Und es sitzt sich wahrlich fürstlich im Fond, als Reisender in der zweiten Reihe des S90 L möchte man nicht mehr zurück in die „kurze“ Limousine. Es ist kaum zu glauben, was die zwölf Zentimeter für einen Unterschied machen. Auch von außen betrachtet, steht dem S90 die 5,08 Meter sehr gut, und im amerikanischen Umfeld ist sie ohnehin kein Problem. Parkhäuser und Straßen sind für große Autos ausgerichtet.

          Es sitzt sich wahrlich fürstlich im Fond, als Reisender in der zweiten Reihe des S90 L möchte man nicht mehr zurück in die „kurze“ Limousine.

          Der S90 lang unterscheidet sich nur im Fond von der kurzen Version, das Format des Kofferraums und alles andere sind gleich. Das Gepäckabteil reicht für einen Koffer und drei große Reisetaschen plus Krimskrams. So ist das flache Gelass bestens ausgenutzt. Mit dem T6-Benziner AWD, der 310 PS aufbietet, kommt man in Amerika mit rund neun Liter Super auf 100 Kilometer aus. Zum Vergleich: Der D5-Diesel mit 235 PS und Allrad vom September 2016 benötigte 8,3 Liter Diesel auf 100 Kilometer im Durchschnitt. Es ist keine Überraschung: Trotz der in Amerika durch die Tempolimits erzwungene sanftere Fahrweise – wir fuhren nie schneller als 120 km/h – bleibt der Benziner dem Diesel unterlegen. Und noch ein Vergleich: In Amerika kostet der gefahrene Volvo S90 T5 L Inscription 58.600 Dollar, in Deutschland stehen schon für die kurze Variante in dieser hochwertigen Ausstattungslinie 4750 Euro mehr in der Preisliste. Es ist das alte Lied, in Amerika sind die Autos günstiger, das ist bei allen Herstellern so.

          Wer Gefallen am Volvo S90 gefunden hat und den Fondpassagieren etwas gönnen will, guckt jetzt in Deutschland nicht mehr in die Röhre. Der S90 L Excellence ist von sofort an die Top-Variante der S90-Baureihe. Noch konnte sich Volvo nicht entschließen, für die lange Limousine alle Motoren auch für den deutschen Markt anzubieten. Wer Lang will, muss vorerst zum T8 greifen, dem Plug-in-Hybrid mit insgesamt 390 PS Leistung und einer rein elektrischen Reichweite von gut 40 Kilometer.

          Eine leider sehr hohe Hürde für Lang-Liebhaber ist der Kaufpreis: Für üppige 108.460 Euro bekommt man aber eine besonders hochwertige und individuelle Ausstattung, unter anderem gibt es für den Fond Einzelsitze, Kristallgläser, ein riesiges Glasschiebedach und vieles mehr. Das Kofferraumvolumen schrumpft auf 435 Liter, wegen der Einzelsitze und des kleinen Kühlschranks für die Getränke.

          Nicht verschwiegen werden soll, dass der S90, ob lang oder kurz, als erster Volvo ausschließlich in China gebaut wird, in Daqing. Immerhin kommen 28 Prozent der Teile aus Schweden, die fein arbeitende Automatik ist von Aisin aus Japan. In unserer globalisierten Welt sollte der Fabrikstandort kein Kaufhindernis mehr sein.

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