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Volvo Ocean Race : Gnadenlos am Gaspedal

„Härter dürfen wir es nicht mehr machen“, sagen die Verantwortlichen - im Rausch der Geschwindigkeit: Puma-Boot beim Volvo Ocean Race 2008/09 Bild: Dave Kneale/Volvo Ocean Race

Es gibt nichts Schlimmeres und nichts Schöneres, behaupten jene, die schon mal dabei waren. Das Volvo Ocean Race 2011/12 hat gestern mit dem Start der ersten Etappe begonnen.

          6 Min.

          Es ist ein Riesenkommerz. Aber sie machen kein Hehl daraus, im Gegenteil. Mit entwaffnender Offenheit wird das Volvo Ocean Race als das dargestellt, was es ist - ein weltumspannendes Spektakel mit höchstmöglicher Vermarktung. Eine Plattform zur Präsentation von Produkten, zur Pflege von Kundenbeziehungen. Eine Verbindung von „Sails and Sales“, um es mit einem Brocken Englisch zu formulieren. Das ist nun mal die Sprache der Segelbranche.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Es treten an: der auf Mallorca ansässige Schuhhersteller Camper, der sich die Dienste des Rennstalls Emirates Team New Zealand gesichert hat, das spanische Telekommunikationsunternehmen Telefónica, der französische Versicherungskonzern Groupama, die Tourismus-Gesellschaft von Abu Dhabi, das Fremdenverkehrsamt der chinesischen Region Sanya sowie der Sportartikelhersteller Puma, der nicht unter deutscher Flagge antritt, wie viele vermuten, sondern unter amerikanischer. Ihre Rennmaschinen sind nicht einfach mit Reklame beklebt, so wie früher. Heute handelt es sich um von der Mastspitze bis zur Kielbombe durchgestylte Gesamtkunstwerke der Werbegrafik.

          Verwegene Typen

          Ken Read, knapp 50 Jahre alter Skipper bei Puma - die genaue Bezeichnung lautet „Puma Ocean Racing powered by Berg Propulsion“ -, sagt es frei weg: „Hier geht es darum, unsere Sponsoren zufriedenzustellen. Wir helfen Puma und Berg Propulsion, Sportschuhe und Propeller zu verkaufen. Am besten funktioniert das, wenn wir gewinnen. Deshalb nehmen wir es mit dem Segeln so ernst.“

          Sehr ernst. Verwegene Typen, spezialisiert auf ihre bestimmte Aufgabe an Bord, prügeln ein Dreivierteljahr lang Boote um den Globus, dass es kracht. Immer im Grenzbereich. Die Umstände, unter denen sie das tun, sind im Grunde ein Fall für Amnesty International und die Gewerkschaft. Sie sind rund um die Uhr im Dienst, eingepfercht, kameraüberwacht und meistens nass. Sie zittern vor Kälte, baden in Schweiß, riechen stark, haben einen Schlafrhythmus aus dem Lehrbuch des Folterknechts. Sie rühren gefriergetrockneten Tütenfraß mit heißem Wasser an, stopfen Powerriegel in sich hinein und magern dennoch auf jeder Etappe um etliche Kilo ab. Genau so wollen sie es. Wer das alles aushält und dabei noch segelt wie ein Gott, hat zu Recht den Status eines Rockstars der Seefahrt.

          „Mar Mostro“, das „Meeresungeheuer“

          Selbstverständlich ist an den in ein Korsett aus Konstruktionsregeln gezwängten 21-Meter-Booten der Klasse VO-70 nichts dran, was nicht unbedingt gebraucht wird. Es handelt sich um erschreckend karge Arbeitsplätze ohne jeglichen Schutz vor den Elementen, dunkle Höhlen ohne das geringste bisschen Komfort. Ein VO-70-Racer ist ein fürchterlich lautes Monstrum, das sich im Seegang abrupt bewegt, mal taucht, mal gleitet, Spitzengeschwindigkeiten von 40 Knoten (74 km/h) erreicht, wenn es auf Vorwindkursen lange, mächtige Wellen hinunter rodelt, raketenartig abhebt, wenn es hoch am Wind über einen heranrollenden Berg Wasser schießt. Die Landung könnte die letzte sein.

          Aufbruch in die Welt: die neue Flotte des Jahrgangs 2011/12 vor Alicante

          Der Weltrekord für die längste innerhalb von 24 Stunden zurückgelegte Strecke eines Einrumpfboots steht seit dem vorigen Volvo-Ocean-Rennen (2008/09) bei 596,6 Seemeilen. Die „Ericsson 4“ donnerte damals 24 Stunden lang mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 24,9 Knoten (46 km/h) durch den Atlantik. Für 99 Prozent der Segler auf diesem Planeten ist das unfassbar. Seit die Boote mit dem leistungssteigernden Schwenkkiel so radikal, so schnell sind, steigt das Risiko von Verletzungen, von Prellungen und Knochenbrüchen. Puma hat sein Boot „Mar Mostro“ getauft. „Meeresungeheuer“ wäre auch für die anderen ein passender Name.

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