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Volvo Ocean Race : Gnadenlos am Gaspedal

Etats zwischen 20 und 30 Millionen

Für die Konstrukteure galt es, Rennmaschinen zu entwerfen, die unter allen möglichen Bedingungen gut funktionieren. „Allrounder“, wie Marcelino Botín, der Designer der Camper-Yacht, sagt. Fürs vorige Ocean Race hatte der Spanier das zweitplazierte Puma-Schiff gezeichnet, sein jetziges gilt als außergewöhnlich hinsichtlich der Rumpfform sowie der Anordnung des Schwenkkiels und der beweglichen Schwerter. Letztere hat er hinter den Mast versetzt, den Kiel dafür ein Stück nach vorn. Bei den Gegnern ist es durchweg umgekehrt. Vor allem, kündigt der Konstrukteur an, lasse sich sein Entwurf unter schwierigen Bedingungen noch härter vorwärtstreiben.

Botín vermutet, dass die Boote diesmal solider, weniger bruchanfällig sein könnten als in den vorigen beiden Rennen. Viele Regeländerungen für 2011/12 zielten auf höhere Sicherheit und niedrigere Kosten: Festlegungen zum maximalen Gewicht von Kiel und Boot insgesamt, Verringerung der Zahl der erlaubten Segel, enger gefasste Bestimmungen zu diversen Bauteilen, Beschränkung auf nur ein Boot je Team, Verbot von Umbauten zwischen Hafenrennen und Langstrecke und vieles mehr. Ericsson, der Sieger von 2008/09, soll sich seinen Triumph mit 80 bis 100 Millionen Euro erkauft haben. Die Etats der Teams, die ihre Boote gestern auf die erste Etappe geschickt haben, liegen angeblich zwischen 20 und 30 Millionen, mit der Ausnahme von Sanya, dessen Budget auf 12 Millionen geschätzt wird.

„Wir sind am Limit“

Deswegen reichte es bloß zu einem Gebrauchtboot aus dem vorigen Rennen. Der chinesische Staatsschlitten, hinter dem die Tourismuswerbung der Region Sanya auf der Ferieninsel Hainan („das Hawaii Chinas“) steht, ist der Außenseiter unter lauter Favoriten, wenngleich mit dem Neuseeländer Mike Sanderson ein Mann das Kommando hat, der 2005/06 die ABN Amro One zum Sieg führte. Auch dieses Rennen der international durchmischten Crews wird von Neuseeländern dominiert, die auf jedem Boot vertreten sind. Auf der Puma segelt mit dem Vorschiffsmann Michael Müller der einzige Deutsche mit, auf dem Abu-Dhabi-Racer ein einzelner Wüstensohn und auf der Sanya genau ein Chinese. Dafür waren zum Vorspiel, dem Hafenrennen von Alicante vor einer Woche, schon mehr als 60 Journalisten aus dem Reich der Mitte angereist.

Trotz all der Veränderungen, des schrillbunten Getöses drumherum ist das Volvo Ocean Race eine zutiefst ehrliche Angelegenheit, so packend wie eh und je und professioneller als je zuvor. Vom neuen Kontrollzentrum in Alicante aus, architektonisch eine Art Kennedy Space Center, wird es im Schichtbetrieb 24 Stunden am Tag überwacht. Alicante steuert jeglichen Kommunikationsfluss. Doch da draußen sind die Crews allein. Für Marcelino Botín gibt es im Segelsport keine brutalere Prüfung, denn nirgends sonst werde derart gnadenlos gekämpft, immer mit 100 Prozent. Und Chef-Organisator Frostad meint: „Wir sind am Limit angekommen. Härter dürfen wir es nicht mehr machen.“

Die Klasse Volvo Open 70

Länge über alles maximal 21,5 m, Breite 4,7 bis 5,7 m, Tiefgang maximal 4,5 m, Gesamtgewicht 14 bis 14,5 t, Kielgewicht 7,4 t (Finne mindestens 1,9 t, Bleibombe höchstens 5,5 t). Der Neigekiel kann wie ein Pendel hydraulisch zu beiden Seiten geschwenkt werden, um dem Druck des Windes in den Segeln stärker entgegenzuwirken und die Krängung zu verringern. Dadurch lassen sich auch bei stärkerem Wind große Segel nutzen.

Masthöhe über der Wasserlinie 31,5 m. Segel: Großsegel 175 m², Genua bis 200 m², Gennaker bis 500m². Je Boot sind 17 Segel erlaubt (bisher 24), davon je Etappe acht an Bord. Crew: 10 plus ein Mann für die Medienarbeit.

Konstrukteure: Marcelino Botín (Camper), Farr Yacht Design (Abu Dhabi, Sanya), Juan Kouyoumdjian (Groupama, Puma, Telefónica).

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