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Volvo Ocean Race : Gnadenlos am Gaspedal

Planungen bis 2015 laufen

Sechs sind es insgesamt. Knut Frostad, Rennveteran und Geschäftsführer der von einem 100-Personen-Stab organisierten Veranstaltung, räumt ein, dass er gern zwei Boote mehr am Start gehabt hätte. Aber das Volvo Ocean Race ist nicht konkurrenzlos im Werben um Geldgeber. Erdumrundungen im Rennmodus gibt es einige - solo, zu zweit, mit voller Crew, mit Ein- oder Mehrrümpfern, nonstop, in Etappen -, bei welcher Art es sich um „die härteste“ von allen handelt, ist Ansichtssache. In diesen schwierigen Zeiten, meint Frostad, sei die Zahl Sechs ein Erfolg. Im Übrigen sei das Feld ausgeglichen wie nie in der Geschichte des Rennens, das 1973 als Whitbread Round The World Race begann und seit 2001 den Namen des schwedischen Konzerns trägt. Der ist nicht bloß Sponsor, sondern Besitzer der Veranstaltung. Abenteuer, Technik, Teamwork und das Streben nach Perfektion - das passe genau zum Unternehmen, meint Olof Persson, der Vorstandsvorsitzende der Volvo-Gruppe. Die Planungen für 2014/15 laufen schon.

Volvo hat die Sache in den zurückliegenden zehn Jahren fundamental umgekrempelt, mit dem Ziel, das ganze Drama, das sich überwiegend in entlegenen Winkeln der Welt abspielt, dem Publikum nahe zu bringen. Das elfte Crewmitglied an Bord ist der Medienmann. Der hat keine andere Aufgabe, als zu fotografieren, zu filmen, zu schreiben, alles per Satellit zu übermitteln, um Websites, Youtube, Twitter, Facebook und Fernsehen zu füttern, im Interesse aller Beteiligten. Teams, Sponsoren, Veranstalter und die Hafenstädte entlang der Strecke investieren nach vorsichtigen Schätzungen zusammen etwa 250 Millionen Euro, vermutlich ist die Summe beträchtlich höher. Für das Privileg, Etappenhafen zu sein, zahlt eine Stadt der Volvo-Organisation vorab bis zu fünf Millionen Euro. 82 Städte sollen sich beworben haben.

Kein Platz für Tradition

Traditionalisten mag stören, dass Regelwerk und Route immer wieder geändert werden, um bestimmte Märkte oder die Heimathäfen von Teilnehmern einzubeziehen. Waren es in den Anfangsjahren vier Etappen mit zusammen 27000 Seemeilen, sind es heute neun Etappen und 39000 Seemeilen. In jeder der beteiligten zehn Hafenstädte werden zwischendurch kurze, fernsehgerechte „In-Port Races“ veranstaltet, die in die Gesamtwertung einfließen.

Stets wird ein Race Village mit Pavillons zur Gästebewirtung, Eventzauber und Verkaufsbuden installiert. Fürs Rennen von 2008/09 meldet der Veranstalter: Werbeäquivalenzwert 166 Millionen Dollar, 1,3 Milliarden Fernsehzuschauer in 200 Ländern, 89 Millionen Zugriffe auf die Internetseite, vier Millionen Besucher in den Häfen, 10000 Gäste auf Einladung von Sponsoren, 220000 virtuelle Mitsegler beim begleitenden Online-Spiel. Diesmal wird mit mehr als einer Million gerechnet. Apps für iPhone, iPad und Android gibt’s natürlich gratis.

„Wir sind am Limit“

Der klassische Kurs der Weltumsegelung sah so aus: von Europa den Atlantik südwärts, am Kap der Guten Hoffnung links abgebogen, im stürmischen Südpolarmeer mit Wind überwiegend von hinten einmal um die Antarktis herum, hinter Kap Hoorn den Atlantik wieder hoch. Diesmal geht es hinter Kapstadt nicht in den südlichen Indischen Ozean, sondern Richtung Abu Dhabi und China. Das macht die Angelegenheit zusätzlich kompliziert. Der Anteil des zermürbenden Knüppelns gegen den Wind wird höher sein als früher, die verhassten Flautenzonen in Äquatornähe sind öfter zu durchqueren. Die Flotte wird in dichten Schiffsverkehr geraten und muss auf den Etappen zwei und drei nach Abu Dhabi und Sanya vor Piraten geschützt werden. Dazu war alles Mögliche erwogen worden - Sicherheitspersonal an Bord, Geleitschutz durch Flugzeuge, bewaffnete Begleitschiffe. Geplant ist nun, beide Etappen zu unterbrechen, die Rennyachten auf ein Frachtschiff zu verladen, die Piratengebiete zu umfahren, die Yachten wieder zu Wasser zu lassen und die Wettfahrt fortzusetzen.

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