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FL Electric : Volvo elektrisiert den Lastwagen

Volvo FL Electric Bild: Hersteller

Volvo hat den ersten rein elektrischen Lastwagen für den Lieferverkehr vorgestellt. Er wird 2019 kommen und hat eine Reichweite von 300 Kilometer.

          Alle reden über Strom statt Sprit. Jetzt auch Volvo Truck. Kürzlich wurde in Göteborg der erste rein elektrische Volvo-Lastwagen für den Lieferverkehr vorgestellt, am 8. Mai folgt in Hamburg die Weltpremiere einer weiteren Variante, eines Entsorgungsfahrzeugs. Hier arbeitet Volvo mit dem Aufbauhersteller Faun zusammen, die Stadt und die Stadtreinigung Hamburg haben ebenfalls Aktien in diesem Projekt.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Doch gleich ob Ware gebracht oder Müll geholt werden soll, einer der großen Vorteile der elektrischen Mobilität ist der nahezu lautlose Lauf des Motors, ganz abgesehen von der fehlenden lokalen Schadstoffbelastung. In dieser Hinsicht sind Stromlastwagen wie gemacht für die Stadt, und die Reichweite steht im Gegensatz zum Fernlastwagen auch nicht im Vordergrund.

          Mit dem Volvo FL Electric, dessen Serienproduktion im nächsten Jahr anlaufen soll, übernehme Volvo die Führung auf dem Gebiet des elektrifizierten Warentransports in den Städten, heißt es vollmundig und unterschlagend, dass zumindest Daimler und Mitsubishi mit dem „eCanter“, der in Japan und Amerika in Kleinserie zu haben ist, schon auf dem Plan sind.

          Das schnelle Laden geht wesentlich fixer

          Allerdings hat der eCanter momentan nur eine Reichweite von 100 Kilometer, da kann der Volvo das Dreifache bieten. Der FL Electric hat ein zulässiges Gesamtgewicht von 16 Tonnen und ist so auch dem Mitsubishi mit seinen 3,5 Tonnen Nutzlast deutlich überlegen. Der Elektromotor des FL Electric schickt seine 130 kW Dauerleistung (185 kW maximal) über ein Zweigang-Getriebe an die Hinterachse, das maximale Drehmoment der Elektro-Maschine beträgt 425 Newtonmeter.

          Die versprochenen 300 Kilometer Reichweite werden aber nur geliefert, wenn sechs Lithium-Ionen-Batterien verbaut sind: Dann stehen 300 kWh zur Verfügung. Mindestens werden 100 kWh geboten, das reicht dann also für rund 100 Kilometer. 100 kWh ist übrigens die maximale Akkugröße des Tesla. Geladen werden können die Akkus am herkömmlichen (Wechsel-)Stromnetz mit 22 kW oder über eine Gleichstrom-Schnelladung mit bis zu 150 kW. Das Aufladen über Nacht am Wechselstrom dauert bis zu zehn Stunden – bei der maximalen Batteriekapazität von 300 kWh. Das schnelle Laden geht wesentlich fixer: In nur ein bis zwei Stunden sind leere Akkus wieder voll. Volvo profitiert bei der Entwicklung des Trucks auch von den Erfahrungen der Schwestergesellschaft Volvo Bus, die seit 2010 mehr als 4000 (teil-)elektrisch angetriebenen Busse verkauft hat.

          Gleichzeitig läuft eine Studie „Off Peak City Distribution“

          Zu den Preisen gab es in Göteborg noch keine Auskunft, ohnehin werden diese in der Nutzfahrzeugbranche allenfalls hinter vorgehaltener Hand weitergegeben. Die ersten Kunden in Schweden sind die Spedition TGM sowie das Abfall- und Recycling-Unternehmen Renova, das zehn schwedischen Städten gehört, die größte davon ist Göteborg. Als Unternehmen in öffentlicher Hand legt man bewusst sehr großen Wert auf Umweltverträglichkeit, schon jetzt werden alle 220 schweren Fahrzeuge der Renova mit erneuerbaren Kraftstoffen betankt.

          Schweden ist ein Land, in dem Soziales und Umweltfragen ganz großgeschrieben werden. Da wundert es nicht, dass elektrische Lastwagen nicht einfach so auf den Markt kommen. Gleichzeitig läuft eine Studie „Off Peak City Distribution“, in der erforscht werden soll, welche Vorteile das nächtliche Liefern von Waren haben kann. Dies werde schließlich durch die fast lautlosen Volvo möglich. Man erwartet allein durch das geringere Verkehrsaufkommen zwei Drittel Zeitersparnis. Fragen sollte man freilich auch nach den Folgen der dann nötigen Nachtarbeit.

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