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Volkswagen Sharan : Auf diesen VW musste man lange warten

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Das älteste Modell in der VW-Familie wird jetzt erneuert: der Sharan Bild: Hersteller

Volkswagen kümmert sich endlich um den VW Sharan. Der Neue bringt die guten Gene seines Vorgängers mit - und manches überraschende Detail: Nun gibt es für große und kleine Passagiere im Fond praktische Schiebetüren.

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          Das älteste Modell in der VW-Familie wird jetzt erneuert: Nach etwa 15 Jahren Produktionszeit löst ein komplett neuer Sharan seinen gleichnamigen Vorgänger ab. Das unprätentiöse Familienauto wird größer, praktischer, sicherer und unter Berücksichtigung von Ausstattung und technischem Fortschritt sogar billiger: Die Einsteigerversion wird etwa 28.875 Euro kosten. Die derzeit billigste Sharan-Version steht mit rund 29 000 Euro in der Liste, aber der Händler lässt da mit sich reden.

          Verkaufsstart ist August, und die erste Vorstellung läuft im Juli. Wir konnten uns bereits jetzt mit Technik und Inhalt des Familien-VW vertraut machen.

          Im Februar 1995 startete die erste Sharan-Generation, und VW hatte sich damals zu einer Kooperation mit Ford entschlossen. Wohl aus Gründen der Risikominimierung und der Investitionsverminderung. Denn ob sich in Europa die damals noch wenig bekannte Minivan-Spezies (Chrysler war mit dem Voyager 1983 längst vorgeprescht, und Renault hatte mit dem damals futuristisch-kubischen Espace zum Start im Jahr 1984 nicht lange gefackelt) wirklich in den VW-Produktionshöhen bewegen würde, war nicht abzusehen. Immerhin haben sich über die Jahre und mehrere Renovierungen hinweg in Europa 600.000 Käufer für den VW Sharan entschlossen. Dass die Verkaufszahlen in der jüngeren Vergangenheit bröckelten, lag an moderner Konkurrenz (Ford hatte seinen Galaxy schon vor gut vier Jahren erneuert und gleichzeitig mit dem sportlicher interpretierten Parallelmodell S-Max sein Portefeuille erweitert) sowie am Wettbewerb im eigenen Haus: VW hatte nämlich im März 2003 auf Basis des Golf V seinen Touran (mit bis zu sieben Sitzen) lanciert. Und dieser attackierte den in die Jahre kommenden Sharan heftig.

          Der neue Sharan hat auf jeder Seite hinten eine Schiebetür
          Der neue Sharan hat auf jeder Seite hinten eine Schiebetür : Bild: Hersteller

          „Nur die Sonnenblenden sind im alten und im neuen Sharan gleich“

          Nun hat dieser wieder die Kühlernase vorn. Und er kann mit jener Neuheit aufwarten, die bei VW in anderen Modellen (T5 oder Caddy) längst zum guten Umgangston gehört: Der neue Sharan (VW-Übertreibung: Nur die Sonnenblenden sind im alten und im neuen Sharan gleich) hat auf jeder Seite hinten eine Schiebetür. (Und VW verspricht, dass man sie ohne die beim einstigen VW Bus übliche Geräuschentwicklung wird schließen können.) Schiebetüren haben viele Vorteile: Sie sorgen für große Einstiegsöffnungen und benötigen wenig seitlichen Raum, wenn man sie öffnet. Aber sie sind nicht billig, und auf der Konstruktionsseite sind besondere Vorkehrungen für den Schutz beim Seitencrash zu treffen. Beim neuen Sharan liegen die vorderen und hinteren Türgriffe auf einer Höhe und dicht nebeneinander, man kann sie beide ohne Ortswechsel einfach zugleich erreichen.

          Im Vergleich zu seinem Vorgänger ist der neue Sharan in Länge und Breite gewachsen: um 22 Zentimeter auf 4,85 und um 9,2 Zentimeter auf 1,9 Meter. Allerdings ist er niedriger geworden, um 1,2 Zentimeter ging die Höhe auf 1,72 Meter zurück. Aber VW beteuert, das habe keinen negativen Einfluss auf die Kopffreiheit. Angesichts eines Radstands von 2,92 Meter (bisher 2,85) wird man über Platz im Innenraum nicht klagen müssen. Dort gibt es fünf, sechs oder sieben Sitzplätze, und durch die oben angeschlagene Heckklappe (Ladehöhe bei 67 Zentimeter) kann man je nach Sitzkonfiguration unterschiedliche Stauvolumina nutzen. Die Einzelsitze der zweiten und dritten Reihe (drei und zwei Plätze) kann man mit einem Klappmechanismus (VW-Versprechen: „kinderleicht“) im Boden versenken, man muss die keineswegs leichtgewichtigen Sessel nicht mehr ausbauen. Und hat deshalb auch kein Problem mit ihrer Unterbringung (Laternengarage!).

          Erstmals gibt es die Möglichkeit, das DSG-Getriebe einzusetzen

          Natürlich kommt auch der neue Sharan mit Frontantrieb und neuen Aggregaten aus der VW-Motorenfamilie. Weil heutzutage der Hinweis auf Sparsamkeit nicht mehr ausreicht, vermeldet VW in dieser Disziplin flugs einen „Weltrekord“: 5,5 Liter Diesel konsumiert der Sharan mit dem 2-Liter-Selbstzünder nach Normmessung und schafft rechnerisch mit einer Tankfüllung (70 Liter) 1273 Kilometer. Nach unseren Erfahrungen müssen die Kinder auf der großen Tour früher raus als der Sharan zur Zapfsäule.

          Vom Start weg hat man die Wahl zwischen vier Motoren, zwei Benziner (TSI) und zwei Turbodiesel (TDI), allesamt mit direkter Kraftstoffeinspritzung. Alle verbrauchen weniger Sprit, bis zu 21 Prozent, sagt VW, im Vergleich zu ihren Vorfahren. Die Benziner bieten 110 kW (150 PS) oder 147 kW (200 PS), und die Diesel halten 103 kW (140 PS) oder 125 kW (170 PS) bereit. Erstmals gibt es im Sharan die Möglichkeit, das DSG-Getriebe einzusetzen. Eine Option, die wir empfehlen.

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