https://www.faz.net/-gy9-9qoxn

Volkswagen ID Buggy : Strandortbestimmung

  • -Aktualisiert am

Mit dem ID Buggy am Strand von Pebble Beach. Bild: Hersteller

Mit emotionalen Autos tut sich VW schwer. Doch der ID Buggy zeigt, dass sie auch in Niedersachsen wissen, wie man die Kunden zum Grinsen bringt. So ähnlich wie vor 50 Jahren.

          4 Min.

          Dzemal Sjenar ist das Grinsen wie ins Gesicht gemeißelt. Sonst eher von der nüchternen Art, fährt der Mittfünfziger über den 17-Miles-Drive am Strand von Pebble Beach zwei Stunden südlich von San Francisco und strahlt mit der Sonne um die Wette. Sjenar, Projektleiter für den Aufbau der VW-Designstudien, sitzt am Steuer des ID Buggy, den die Niedersachsen ein halbes Jahr nach der Premiere auf dem Genfer Salon jetzt zur Jungfernfahrt nach Kalifornien geschickt haben. „In diesem Auto ist gute Laune einfach programmiert“, brüllt er gegen den Fahrtwind, der ungehindert um die vollkommen offene Karosserie streicht und den Insassen bis ins Hosenbein fährt.

          Das und die tosende Brandung und vielleicht noch ein Ohrwurm von den Beach Boys sind allerdings der einzige Soundtrack für dieses kalifornische Road Movie. Denn wo im Buggy früher der Boxer aus dem Käfer brabbelte, surrt in der Kunststoffkarosse nun der Elektromotor aus dem ID3. 150 kW oder 204 PS reichen in der Theorie für 160 km/h, und mit dem 62-kWh-Akku im doppelten Boden kommt der Buggy angeblich bis zu 250 Kilometer weit. In der Praxis haben die Niedersachsen das Tempo mit Rücksicht auf das millionenschwere Einzelstück zwar auf 35 km/h limitiert, doch der Freude tut das keinen Abbruch – erst recht nicht auf dem 17-Miles-Drive, auf dem man ohnehin nirgends schneller als 50 fahren darf.

          Die Tonspur ist neu, die Glupschaugen strahlen jetzt mit LED-Technik, hinter dem Lenkrad flimmert ein digitaler Tacho, und zwischen den Sitzen steckt ein portabler Bluetooth-Lautsprecher – doch sonst bleibt auch im neuen Buggy alles beim Alten. Das gilt für die minimalistische Möblierung genau wie für die asketische Ausstattung und vor allem für den Spaß, dem man sich selbst dann nicht entziehen kann, wenn eine empfindlich kalte Brise den Flugsand vom Strand auf die Straße weht. Selbst wenn es irgendwann zwischen den Zähnen knirscht, hört das Grinsen nicht auf.

          Zwischen den Sitzen steckt ein portabler Bluetooth-Lautsprecher. Bilderstrecke

          So wie der Handvoll ausgewählter Testfahrer soll es nach dem Willen von Klaus Bischoff bald auch den Kunden gehen. Denn der Designchef hat erkannt, dass es den Niedersachsen ein wenig an emotionalen Produkten mangelt. Deshalb will er den Buggy auf Biegen und Brechen in die Serie und mit ihm das Lachen zurück auf die Gesichter der VW-Fahrer bringen.

          Aber Bischoff weiß auch, dass VW große Mühe mit kleinen Stückzahlen hat. Denn egal ob Scirocco oder Eos, Beetle Cabrio oder Golf R – wann immer sich die Niedersachsen mit Klasse statt Masse versucht haben, sind sie mehr oder minder schmerzhaft gescheitert. „All unsere Prozesse, all unser Denken und all unsere Werke sind auf kurze Taktzeiten und große Stückzahlen ausgelegt. Da macht uns keiner etwas vor“, sagt Bischoff. „Aber wenn es kleinteilig wird, sind wir offenbar die Falschen“, räumt er ein. Deshalb suchen sie in Wolfsburg jetzt händeringend einen Partner, der nicht nur in Zehntausender-Einheiten denkt und auch mit kleineren Chargen auf seine Kosten kommt.

          Weitere Themen

          Kinn kann

          Helm von Shark im Test : Kinn kann

          Ein Helm von Shark beweist neue Flexibilität. Für die Verwandlung vom Jet- zum Vollvisierhelm und umgekehrt braucht es nur einen raschen Handgriff.

          Topmeldungen

          Brexit-Verhandlungen : EU setzt Großbritannien Frist bis Mitternacht

          London hat Brüssel in den Brexit-Verhandlungen neue Vorschläge für die irische Grenze gemacht. Doch die seien nicht ausreichend, soll EU-Chefunterhändler Barnier den Außenministern der verbleibenden 27 EU-Staaten gesagt haben.
          Chef-Ökonomin Gita Gopinath in Washington.

          IWF-Prognose : Langsamstes Weltwirtschaftswachstum seit der Finanzkrise

          Der Handelskonflikt zwischen Amerika und politische Krisen belasten die Weltwirtschaft: Der Internationale Währungsfonds senkt seine Prognose zum vierten Mal in Folge. Amerika bleibt ein kleiner Lichtblick.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.