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Schilder im Radverkehr : Wisse die Wege

Mehrfach ignoriert. Bild: Pardey

Es ist ja nicht so, als würden dem Radverkehr nicht die Wege gewiesen. Ob viele der Schilder allerdings nützlich sind, ist eine ganz andere Frage.

          Der schönste Radlersommer seit Jahren will nicht nur nicht aufhören, er war auch wieder einmal ein Sommer des Kopfschüttelns, des schiefen Lachens und des schulterzuckenden Ärgers. Und das lag wie eh und je an den vielen Radverkehrsschildern. Um gleich mit den Klassikern zu beginnen, etwa der Zumutung „Radfahrer absteigen“. Von welchem anderen Fahrzeugführer verlangt man, den Aggregatzustand seiner Verkehrsteilnahme schlagartig zu ändern?

          Hans-Heinrich Pardey

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Selbstverständlich wird auch Autos und anderen Kraftfahrzeugen hier und da die Durchfahrt verwehrt; sie werden gestoppt oder aufwendig umgeleitet. Aber keinem Lenker eines Mofas, geschweige etwa einem Autofahrer wird Ab- oder Aussteigen und Schieben geboten. Kaum minder häufig, aber geradezu unsinnig ist die Forderung „Radfahrer Schritttempo!“, wie sie in jeder besseren Fußgängerzone mit Lieferverkehr anzutreffen ist. Würde diese Anweisung wirklich befolgt, käme das einer befohlenen Verkehrsgefährdung gleich. Mehr als neunzig Prozent aller Fahrradfahrer sind nie selbst so sehr vom Sturz bedroht und vor lauter Kippeligkeit zugleich eine ernste Gefahr für ihre Umgebung, wie wenn sie weniger schnell als etwa acht Kilometer in der Stunde zu fahren versuchen.

          Dass der Radverkehr nicht nur nachrangig, sondern geradezu ignorant behandelt wird, lehrt jede zweite Tiefbaustelle schon im Moment ihrer Einrichtung. Da kann eine simple Fahrbahnerneuerung zunächst wochenlang eine städtische Hauptschlagader des Radverkehrs einfach unterbrechen. Erst wenn es Proteste hagelt, bequemt man sich zur Ausweisung einer Umleitungsstrecke. Und die ist dann häufig nicht nur äußerst dürftig beschildert, sondern ein umständlich weiter Umweg von miserabler Qualität: dunkel, unbefestigt und nach dem ersten Regenguss ein einziges Schlammbad. Nicht einmal der Schilder, die ihm Wegweiser sein wollen, wird der Radreisende wirklich froh. Kein Wort davon, wie kontrastarm diese Beschilderung grün auf weiß gestaltet ist. Die Schilder werden so hoch angebracht, dass bei Dunkelheit bestimmt kein Licht des Fahrradscheinwerfers sie erreicht und lesbar macht. Trotzdem werden die Schilder verdreht, entwendet, mit Stickern bekleistert, und niemand kümmert sich darum.

          Hauptsache Fahrrad Bilderstrecke

          Und wenn mal nicht auf fünf Jahre zurückliegende Open-Air-Konzerte hingewiesen wird, dann verwittern die auf Nachkommastellen genauen Wegweisungen einfach. Eine Ausnahme machen die von regionalen Touristikverbänden montierten Hinweise: Dort ist man offenkundig eher hinterher mit der Instandhaltung, selbst wenn es nur um die simpelste Form der Markierung geht: groß und breit auf die Fahrbahn gesprühte Richtungspfeile. Die an der Grenze von Landkreisen oder auch einzelnen Gemeinden spürbar wechselnde Qualität der Wegweiser zeigt, wie unterschiedlich wichtig die Beschilderung genommen wird.

          Lang lässt sich beispielsweise rätseln, ob es sinnvoll ist, auf ein und demselben Schild ein Ziel in 0,4 und eins in 35 Kilometer Entfernung auszuweisen, als ob dazwischen nur Wüste sei. Und soll die Angabe „35 Kilometer“ anspornen oder abschrecken? Widersprüchlichkeiten wie diese lassen auf ein großes und grundsätzliches Missverständnis schließen: In vielen Büros der Behörden, die festlegen, wo uns welcher Weg wohin gewiesen werden soll, stellt man sich die Radfahrer immer noch als ein fröhliches Freizeitvölkchen vor, das Zeit im Überfluss hat und nur zum Vergnügen auf zwei Rädern unterwegs ist. Auch wenn am Fahrradlenker längst das Navigationsgerät Einzug gehalten hat und das Fahrrad als Verkehrsmittel immer selbstverständlicher wird: Der Weg scheint noch weit, bis sich in den Schildern spiegelt, dass der Radverkehr ernst genommen wird.

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