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Verbrauch schwerer Lastwagen : Jedes Jahr ein Zehntel weniger

Angetreten zur ETC 2020: MAN, DAF, Scania und Mercedes-Benz mit Trailern von Krone (v.l.n.r.) Bild: kfz-Anzeiger

Welches Lastwagengespann verbraucht unter gleichen Bedingungen am wenigsten, wer fährt am ökonomischsten? Daf, MAN, Mercedes-Benz und Scania traten auf der European Truck Challenge (ETC) gegeneinander an.

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          Zum Jahreswechsel ist der Kraftstoff wieder wesentlich teurer geworden. Das tut jedem weh, ganz besonders aber den Spediteuren, die nicht mit acht und weniger Liter Kraftstoffverbrauch auf 100 Kilometer kalkulieren, sondern mit der 30 als Grundgröße rechnen müssen. Rund 30 Liter Diesel auf 100 Kilometer benötigt ein voll beladener 40-Tonnen-Lastwagen. Das mag viel erscheinen, ist jedoch berechnet auf die transportierte Last erstaunlich wenig, denn pro Tonne Ladung beträgt der Verbrauch kaum mehr als einen Liter auf 100 Kilometer. (Warum das so ist, steht hier.)

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Nach längerer Pause hat nun die siebte ETC stattgefunden, wieder unter der Federführung von Fachjournalist Hans-Jürgen Wildhage und in Zusammenarbeit mit der Fachzeitschrift „Kfz-Anzeiger“, die in ihrer Januar-Ausgabe berichten wird. Dieses Mal traten vier Hersteller gegeneinander an: DAF, MAN, Mercedes-Benz und Scania. Alle schickten Protagonisten mit Sechszylinder-Reihenmotoren und Hubräumen zwischen 12,4 und 12,9 Liter unter den Fahrerkabinen, deren Leistungsspanne sich zwischen 510 und 540 PS belief. 500 PS sind inzwischen der Standard im Fernverkehr, vor wenigen Jahren lag die mittlere Leistung noch bei 400 PS.

          Automatisierte Getriebe sind schon länger selbstverständlich, und jeder moderne Lastwagen kennt heute die vor ihm liegende Streckenführung und fährt automatisch das Beste heraus. Der Fahrer muss eigentlich nur den Tempomat setzen und das Lenkrad festhalten, den Rest regelt die Elektronik. Sie schaltet am Berg rechtzeitig zurück und sorgt dafür, dass es bergab nicht zu schnell wird. Alle vier Teilnehmer, also die Zugmaschinen, waren auf „Eco maximal“ eingestellt, das gesetzte Tempo waren die erlaubten 80 km/h, bergab durften es 85 km/h sein. Die Trailer waren von Krone, bereift waren Truck und Trailer allesamt mit Continental-Pneus. Beladen waren die Auflieger mit 19,3 Tonnen. Nach Erkenntnissen der EU ist das genau das Durchschnittsgewicht, das im Fernverkehr transportiert wird.

          Sieger beim Verbrauch: Scania 540 S mit 28,0 Liter Diesel auf 100 Kilometer (jeweils ohne Adblue) Bilderstrecke
          Verbrauch schwerer Lastwagen : Jedes Jahr ein Zehntel weniger

          Wie immer bei solchen Tests üblich, bewegt jeder Fahrer immer den gleichen Trailer, nach jeder Etappe wird also umgesattelt. Fast wäre die ETC 2020 noch gescheitert, weil zwei der vier Krone-Trailer 4,08 Meter hohe Exportfahrzeuge waren, in Deutschland sind nur vier Meter erlaubt. Das Problem konnte aber durch kurzfristig beschaffte Ersatz-Trailer gelöst werden. Gefahren wurde die ETC abermals auf der A7 nördlich von Hann. Münden. Wegen der vielen Baustellen war die Strecke, die in beiden Richtungen befahren wurde, aber auf 82 Kilometer verkürzt. Betrachtet man nur den Verbrauch, gingen der Scania 540S und der MAN TGX 18.510 als Sieger hervor. Wobei der DAF XF 530 und der Mercedes-Benz Actros 1853 nur knapp geschlagen waren. Für den Scania wurden 28,0 Liter Diesel plus 2,3 Liter Adblue auf 100 Kilometer ermittelt, der MAN kam auf 28,1 plus 2,0 Liter Adblue. Letzteres ist ein Kraftstoffzusatz, der für ein sauberes Verbrennen des Diesels sorgt, neue Dieselmotoren ohne Adblue-Technik gibt es nicht.

          Obwohl nicht direkt vergleichbar, lassen die ETC-Ergebnisse seit 2009 ein stetiges Sinken des Verbrauchs erkennen. Das ist eine Bestätigung der Faustregel, nach der jedes Jahr der Verbrauch um 0,1 Liter sinkt: drei Liter in 30 Jahren. Noch Mitte der 1970er Jahre waren 50 Liter auf 100 Kilometer die Regel.

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