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Velotraum Elektrorad : 4000 Kilometer à la carte

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Obwohl es bei Velotraum alles und jedes vom Renner bis zum Fatbike gibt, war ein Pedelec wie das gewünschte nicht in der Vorschlagsliste von Velotraum: Das Rad sollte den aktuellen Antrieb Alber Neodrives Z20 haben, aber keine Gangschaltung und hydraulische Felgenbremsen (Magura HS 33) anstelle von Scheibenbremsen. Die sind in den Elektrorädern von Stiener eigentlich Standard. Außerdem sollte von den bei Velotraum gespeicherten Daten der Sitzposition des Fahrers durch einen tiefer liegenden Lenker abgewichen werden. Die genaue Vermessung der Kunden samt Probesitzen, das ist, bevor überhaupt angefangen wird, ein Velotraum-Rad zu bauen, das Hauptgeheimnis hinter der späteren Zufriedenheit beim Fahren. Ein entscheidender Punkt bei einem Rad ohne Gangschaltung ist die richtige Wahl der Übersetzung, weil die sich ja nicht so ohne weiteres ändern lässt. Die eine Übersetzung muss bergauf wie bergab passen. Das ist eine ganz individuell unterschiedlich empfundene und daher auch so zu entscheidende Sache. Als das Rad in Weil der Stadt übernommen wurde, wiegte Markus Mehigan, zuständig für die Neurad-Montage bei Velotraum und selbst ein erfahrener Fernradler, ein wenig bedenklich den Kopf: Ob die Wahl von 44 Zähnen an der Kurbel, gepaart mit einem 15er-Ritzel hinten, sich nicht etwas schwer treten lasse?

Mit der Dimension der 26-Zoll-Reifen (50-559) ergeben sich reichlich sechs Meter Entfaltung, soll heißen: Eine Kurbelumdrehung bringt das Rad ungefähr sechs Meter weit. Das ist nicht gerade eine Übersetzung für den Anstieg am Berg. Aber vor der Wahl von sechs Meter Entfaltung waren im Frühjahr mit einem anderen Rad etliche hundert Kilometer im Mittelgebirge ohne einen einzigen Schaltvorgang mit gleicher Übersetzung absolviert worden. Dabei hatten allein ein vergleichbarer Motor (Alber Neodrives Z15) und die eigene Wadenkraft die Anpassung an den Tretwiderstand hergestellt.

Genauso wurde nun dieses Rad gefahren: bergab mit dem zum Generator umgeschalteten Z20, also rekuperierend und mit Motorbremse, und in der Ebene mit entkoppeltem Nabenmotor, ohne Unterstützung. Bei Gegenwind, beim Anfahren und an kurzen Rampen wie Brückenauffahrten mit Unterstützungsstufe eins oder zwei von fünf möglichen. Nur an längeren Steigungen oder aber abends auf der Heimfahrt bei einsetzender Müdigkeit kam höhere oder die volle Unterstützungskraft des Motors (300 Prozent mit maximal 40 Newtonmeter Drehmoment bei einem Wirkungsgrad von 85 Prozent) zum Einsatz. Die von Fall zu Fall zugeschaltete und gleich wieder reduzierte Hilfe fühlt sich dabei ähnlich an wie eine Gangschaltung. Gut, dass der Bedienungstaster des Z20 etwas stabiler ist als der des Z15, denn er wird bei dieser Fahrweise viel häufiger benutzt als bei einem Pedelec sonst üblich.

Alles funktionierte, wie es sollte

So ist bei Velotraum ein hochindividuelles Rad von schlichter Eleganz entstanden, das in betont sportlicher Sitzhaltung und mit viel Körpereinsatz flott gefahren sein will und jede Menge Spaß macht. Der superleise Neodrives Z20 im Hinterrad hat die drei Wochen völlig klaglos überstanden: Alles hat funktioniert, wie es sollte, auch die Rekuperation. An wirklich heißen Juni-Tagen im Vogelsberg gab es keinerlei thermische Probleme, nicht die geringste Unzuverlässigkeit trübte den Eindruck, dass Rad und Alber-Motor für die Langstrecke taugen – wirklich ein Velo-Traum.

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