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Unterwegs mit einem Pointu : Die starke Frau und das Meer

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Fünf verschiedene habe sie, manche aus Baumwolle, manche aus Kunststoff. Es komme darauf an, was sie fangen wolle. Dann sind die Bojen dran – sichtlich Marke Eigenbau. Deren Fahnen sind zerfetzt und müssen ersetzt werden. Hergestellt ist die Bojenschar aus jeweils einer langen Bambusstange und zwei aufgesteckten Plastikkugeln. Auf denen sind vorschriftsmäßig der Name des Boots und eine Registriernummer vermerkt. Den beschwerenden Fuß bildet ein mit Zement gefüllter Topf.

Spezialisiert ist Angélique Colfort auf die „Bouillabaisse“. Sie liefert die ganze Kollektion, die für die berühmte Fischsuppe nötig ist. Es sind sogenannte Felsenfische, die nahe den Felsen, aber nicht nur, und in nicht in allzu großer Tiefe leben. Der rarste sei der Saint Pierre, der Petersfisch, etwas häufiger der Rascasse, der Drachenkopf.

Langusten und Seespinnen – die liebt die Meerfrau selbst am meisten – gehen ihr auch immer wieder ins Netz. Aber wenn sie ihr zu klein sind – „Wohlgemerkt mir, nicht etwa den Reglements“ –, wirft sie das Getier wieder ins Wasser. Genauso macht sie es mit allen Fischen. Ja, sicher müsse sie damit rechnen, dass die Tiere dann der Konkurrenz ins Netz gehen, aber sie jedenfalls gebe ihnen eine Chance. Les garçons, die Jungs, seien da nicht so zimperlich.

Ein Netz wieder hochzuholen bedeutet trotz der hydraulischen Winde, die am Bug der „Finistère“ installiert ist, einen enormen Kraftaufwand. Angélique, eigentlich eine zierliche Frau, schiebt strahlend ihren Ärmel zurück und spannt einen Bizeps, der so manchen Mann erblassen ließe. „Alles, bloß nicht reinfallen!“, das sei das Wichtigste. Kollegen sei das schon passiert, es sei extrem gefährlich, weil man sich in den Netzen verheddern könne. Sie habe deshalb immer ein Messer in der Tasche. Auch das Auslösen der Fische aus den Netzen ist nicht ganz einfach: „Man kann sich leicht verletzen, viele Fische haben sehr spitze, kräftige und auch giftige Stacheln.“

Deswegen sind die Preise nicht fix

Hat Angélique genügend Fisch der für die Bouillabaisse benötigten Arten beisammen, ruft sie ein paar Restaurants an, die sie ein paar Stunden später dann beliefert. „Eine Garantie im Voraus gibt es nicht, das ist nicht der Supermarkt, allein das Meer und der Wind bestimmen!“ Deswegen sind auch die Preise nicht fix, es kommt immer darauf an, wie der Fang ausfällt.

Am anderen Morgen gegen neun läuft die Fischerin mit ihrem Boot wieder in den Hafen ein. Zwei Stammkunden warten schon an dem sauberen, hellblau gekachelten Stand direkt am Liegeplatz. Ein alter Fischer hilft beim Anlegen. „Angie“ hievt ein blaues Fass aus dem Boot. Die Fühler einer Languste ragen über den Rand des halb mit Meerwasser gefüllten Behälters hinaus. Der Fang wird ausgebreitet, ein Weißfisch, ein Knurrhahn, ein Seeteufel sind darunter, auch ein halber Schwertfisch von einem Kollegen. Inzwischen stehen schon fünf Leute Schlange. Der dritte Kunde kann kaum glauben, dass die Languste noch zu haben ist. Sorgsam legt Angélique die Fühler des lebenden Tiers zurück auf seinen Körper, packt es in ein nasses Tuch und empfiehlt, es in den Eisschrank zu tun. Der Rest geht im Akkord – schuppen, ausnehmen, Steaks vom Schwertfisch sägen, schuppen, ausnehmen. Noch keine halb elf, und die Fischerin ist – wie immer – ausverkauft.

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