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Unterwegs mit einem Pointu : Die starke Frau und das Meer

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Delphine sind freundliche Tiere

Wenn sie auf dem Meer ist, lange bevor die Sonne aufgeht, wenn sie von da draußen aus die Vögel an Land erwachen hört, wenn sie neugierigen Besuch bekommt von Delphinen und Schwertfischen – „dann ist das ein unfassbares Glück“. Auf dem Meer allein zu sein fühle sich überwältigend an, sagt sie und hebt wie hilflos die Hände. Und dann sprudelt es schon wieder aus ihr heraus: „Delphine sind freundliche Tiere, aber eben auch wilde! Vor allem sollte man sie nicht anfassen, weil man dadurch leicht Krankheiten auf sie übertragen kann, man zerstört einen Schutzfilm, den die Tiere auf der Haut haben.“ So sei es auch bei Schildkröten und anderen Meeresbewohnern.

„Schon immer, immer“ sei das Wasser ihr Element gewesen, sagt Angélique. Sie stamme zwar aus Lothringen, und ihre Eltern hätten rein gar nichts mit der Fischerei zu tun gehabt, aber aufgewachsen sei sie in der Champagne, direkt am großen Lac d’Orient. Pausenlos sei sie als Kind im See gewesen, „auf einem Film sieht man von mir immer nur die Füße aus dem Wasser ragen!“. Ans Mittelmeer kam sie per Zufall als junge Frau – und blieb, jobbte als Tauchlehrerin, verdingte sich als Bordpersonal auf Fähren, arbeitete als „mécanicien de marin“, als Schiffsmechanikerin. Bis sie sich entschied, das zu machen, was sie wirklich wollte: fischen.

Wie ein Schatz werde das gehütet!

Sie hörte von dem alten Bretonen, dessen „Finistère“ zum Verkauf stand. „Seine Augen blitzten auf, als ich ihn fragte.“ Eine Frau? Der Gedanke, ihr das Ruder zu übergeben, gefiel ihm. Sie war überrascht, immerhin gehörte er der alten Generation an. Angélique Colfort ließ dem Boot mit dem deutlich aufgemalten Baujahr „1954“ seinen bretonischen Namen.

Nun galt es, das Metier zu lernen. Eine Schule dafür gibt es nicht. Zwar musste sie, um den Beruf ausüben zu dürfen, ein paar Tests absolvieren, aber das war reine Theorie. Um die wichtigen Dinge zu erfahren, musste die Frau sich die Sympathien der erfahrenen Kollegen erkämpfen, bis die nach und nach etwas von ihrem geheimen Wissen weitergaben. Wie ein Schatz werde das gehütet! Wann, wo, wie welche Fische am besten zu fangen sind. Was der Mistral bedeutet. Noch gefährlicher der die Côte aufwühlende Ostwind.

Dann sind die Bojen dran

Nach und nach habe sie begriffen, berichtet die Fischerin lächelnd. Seit sechs Jahren geht sie nun auf Fang. Ungefähr fünf Kilo fängt sie in einer Nacht, manchmal nur zwei. Zehn seien außergewöhnlich viel. Bis zu 100 Meter lässt sie ihre Netze in die Tiefe sinken. „Das Meer muss relativ ruhig sein, damit sich die Fische selbst genügend bewegen, um ins Netz zu gehen. Es ist ungefähr so wie beim Tennis aufgespannt.“ Gehalten wird es – das demonstriert sie Tage später abends im Hafen – von zwei Bojen, an denen es jeweils mit einem Seil befestigt ist. Meter für Meter zieht sie schwungvoll und dabei zählend durch ihre Hände, genau auf die gewünschte Länge. „Die Leinen müssen mit den Netzen korrespondieren“, erklärt sie.

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