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Unterwegs mit dem Bus : Mehr Sicherheit mit mehr Elektronik

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Begegnung der dritten Art: Starliner VIP von Neoplan Bild:

Wirkliche Weltpremieren bei großen Nutzfahrzeugen und Omnibussen haben eher Seltenheitswert. Auf der IAA Nutzfahrzeuge ist nun der Luxusbus Starliner von Neoplan zu sehen.

          Wirkliche Weltpremieren bei großen Nutzfahrzeugen und Omnibussen haben eher Seltenheitswert. Es gibt nur noch wenige Marken aus noch weniger Konzernen, lange Laufzeiten der Modellreihen - im Vergleich zur Personenwagenwelt drehen sich die Räder hier deutlich langsamer. Da fügt es sich für die Premieren-Bilanz der 60. IAA Nutzfahrzeuge (noch bis zum 30. September in Hannover) günstig, daß wenigstens ein namhafter Omnibushersteller das riesige Tuch von einem kompletten Neuling ziehen kann: Die zu MAN gehörende Marke Neoplan fährt ihr neues Spitzenmodell "Starliner" erstmals ins Rampenlicht.

          Ein imponierendes Automobil, nicht nur wegen seiner 14 Meter Länge und knapp vier Meter Höhe. Vielmehr beeindruckt der dreichsige Transportcontainer eben dadurch, daß er sich dem Zwang zur kubischen Zweckform in durchaus durchgestylter Weise entzieht. "Sharp cut"-Design nennen die Neoplan-Mannen ihr neuestes Gestaltungstück, bei dem sie ein sehr ansehnliches Spiel mit Flächen und Kanten vorführen. Als herausragende Merkmale nennt Neoplan-Designer Michael Streicher den "Diamantschliff" der oberen Panoramafenster und die "größte gewölbte Frontscheibe, die jemals in einem Bus verbaut wurde". Front und Heckgestaltung seien völlig neu konzipiert und "geben dem Bus eine geradezu skulpturhafte Erscheinung". Im kommenden Frühjahr wird der Starliner seine Fahrgäste von seinen Qualitäten überzeugen.

          Neben seiner augenscheinlichen Einmaligkeit steht der Neoplan Starliner zugleich für den Stand der Technik im Reisebusbau. Ob Daimler-Chrysler (Evobus mit den Marken Mercedes-Benz und Setra) oder eben MAN (Neoman mit MAN- und Neoplan-Bussen), die beiden Konzerne, die zusammen mehr als 80 Prozent aller neuen Luxusliner in Deutschland liefern, stecken jede Menge Technik in ihre Großraum-Personentransporter. Das elektronische Stabilitätsprogramm ESP hat Evobus vor einem Jahr in den serienmäßigen Lieferumfang aufgenommen, die MAN-Gruppe zieht mit dem Neoplan Starliner und dem MAN Lions Coach jetzt gleich. Über Anti-Blockier-System Antriebs-Schlupf-Regelung (ASR), Elektronisches Brems-System (EBS), Bremsassistent (BA) und verschleißfreie Dauerbremsen (Retarder) spricht beim Reisebus ohnehin niemand mehr, man hat sie. Künftig kommt eine automatische Bremse hinzu: Nach etlichen schweren Busunfällen im Frühjahr hat die deutsche Omnibusindustrie dem Bundesverkehrsminister versprochen, den ohnehin schon obligatorischen Geschwindigkeitsbegrenzer um eine selbsttätig wirkende Bremsfunktion zu erweitern. Das soll Talfahrten mit mehr als Tempo 100 einen technischen Riegel vorschieben. Die Technik für den erweiterten Geschwindigkeitsbegrenzer ist schon lälnger in Nutzfahrzeugen zu haben, sie heißt Abstandsregel-Tempomat, kurz ART. Erkennt der ART-Radarsensor ein langsameres Fahrzeug voraus, bremst er den Omnibus automatisch ab, bis der korrekte Sicherheitsabstand erreicht ist und folgt dem Vordermann längsgeregelt. Ist die Bahn wieder frei, gibt der Rechner wieder Gas und beschleunigt auf die ursprüngliche Reisegeschwindigkeit.

          Als weiteres Sicherheitsextra offeriert die Omnibusindustrie den sogenannten Spurassistenten. Der unter Truckern als Einschlafwarner bekannte Helfer erkennt mit Hilfe eines Kamerasystems hinter der Windschutzscheibe, wenn das Fahrzeug von der Straße abzukommen droht. Als Ursache haben Unfallforscher vor allem Unaufmerksamkeiten des Fahrers ausgemacht, als Beispiele werden Bedienung von Musikanlage oder Kühlschrank sowie Durchsagen während der Fahrt genannt. Der Spurassistent kontrolliert ständig den Abstand des Fahrzeugs zu den Spurmarkierungslinien auf der Fahrbahn. Droht das Fahrzeug die Markierungslinien zu überfahren, wird der Fahrer durch ein Pulsieren im Sitz gewarnt. Aktvierbar ist das Spurhaltehilfsmittel jenseits von 80 km/h. Beim Betätigen des Blinkers hat er Pause, um bei gewollten Spurwechseln nicht zu nerven.

          Zur optionalen - beim neue Neoplan Starliner serienmäßigen - Sicherheitstechnik sind lichtstarke Scheinwerfer in Bi-Xenon-Technik zu zählen, ergänzt um ein gedimmtes Abbiegelicht. Sichtbare Scheibenwischer trägt der top-moderne Luxusbus nicht mehr, sie verschwinden im Ruhefall vollständig unter einer Klappe. Ein wenig zurückhaltend bei technisch Innovativem zeigt sich die Bus-Branche lediglich im Heck: Automatische Schaltgetriebe - in deutschen Bussen immer von ZF - streben zwar zügig einer Ausrüstungsquote von 50 Prozent entgegen, doch die Antriebsquelle selbst verbrennt den Dieselkraftstoff bis zum Stichtag 1. Oktober 2006 weiter nach Euro-3-Abgasnorm. Mit einem frühzeitigen Umstieg auf die um bis zu 80 Prozent weniger Schadstoffe emittierenden Euro-4-Maschinen rechnet bei den Omnisubbauern mangelns Nachfrage niemand.

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