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Crashtests : Unterschätzte Gefahren durch E-Bike und Drohne

  • -Aktualisiert am

Übergroße Drohne trifft Seitenscheibe: Hoffentlich gut versichert. Bild: KEYSTONE

Die Axa-Versicherung hat Crashtest-Versuche ausgeführt. Mit einer Drohne. Und mit E-Bikes. Die Ergebnisse sind alarmierend.

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          Drohnen, die in der Nähe von Flughäfen für Beinahekollisionen sorgen oder schon Luftfahrzeuge getroffen haben, sind eine Gefahrenquelle. Dabei gerät fast ins Hintertreffen, dass diese ferngesteuerten Flugobjekte auch für andere Verkehrsteilnehmer ein Risiko darstellen, etwa Auto- und Motorradfahrer. Um das Gefahrenpotential des Zusammenstoßes mit einer Drohne im Straßenverkehr aufzuzeigen, hat die Axa-Versicherung am schweizerischen Flugplatz Dübendorf bei Zürich unter dem Motto „Lautlos, schnell, riskant“ ein ungewöhnliches Crashtest-Szenario vorbereitet. Denn es sind nicht nur die ferngesteuerten Spielzeug-Kleindrohnen, die möglicherweise Ärger bereiten. Immer mehr Logistik-Unternehmen wollen in Zukunft auch mit autonom fliegenden Flugobjekten einen Zustelldienst etwa für Pakete oder Medikamente ausprobieren. Dazu kommen Hobbypiloten, die mit Foto-Drohnen spektakuläre Aufnahmen erzielen wollen.

          Die Unfallforscher der Versicherung lassen daher eine neun Kilogramm schwere Drohne mit 70 km/h seitlich gegen die mechanisch am schlechtesten geschützte Seitenscheibe eines Cabrios donnern. Hobby-Drohnen wiegen nur einige hundert Gramm und erreichen dieses Tempo nicht oder nur dann, wenn sie in einem speziellen Sportmodus geflogen werden. Die Wucht des Aufpralls äußert sich in einem Knall, einer zersplitterten Seitenscheibe des Wagens und mutmaßlich schweren bis tödlichen Verletzungen des Fahrers.

          Der Dummy sieht jedenfalls deutlich mitgenommen aus. Die Drohne ist durch den Aufprall teilweise zersplittert und einige Meter übers Auto geschleudert. Wie sich der Aufprall auf die besser geschützte Frontscheibe oder Seitenscheibe einer Limousine ausgewirkt hätte, sei dahingestellt. Man wird Gründe gehabt haben, den Versuch so und nicht anders anzulegen.

          Die Versicherung will mit Hilfe dieses Crashtests an die EU-Behörden und die europäische Agentur für Flugsicherheit Easa appellieren, möglichst rasch eine europaweite Harmonisierung der Drohnenkategorien und auch der Gesetze einzuführen. Denn noch gelten unterschiedliche Regeln je nach Land. In Deutschland etwa gibt es seit Oktober 2017 eine Kennzeichnungspflicht für Drohnen ab 250 Gramm, auf ihr ist die Adresse des Besitzers anzubringen. Ab zwei Kilo Gewicht muss der Besitzer besondere Flugkenntnisse nachweisen. Bei Drohnen über fünf Kilo braucht ein deutscher Halter eine Erlaubnis der Landesluftfahrtbehörde. Dies alles gibt es beispielsweise in der Schweiz nicht.

          Kollision mit E-Bikes ist viel wahrscheinlicher

          Viel größer als die Gefahr, mit einer Drohne zu kollidieren, ist allerdings die Wahrscheinlichkeit, auf einem E-Bike zu verunglücken. Gerade schnelle sogenannte S-Pedelecs mit Geschwindigkeiten bis 45 km/h haben einen üppigen Bremsweg. Zudem wird ihre Geschwindigkeit von Autofahrern oft unterschätzt. Aus diesem Grund absolvieren die Unfallforscher einen weiteren Crash. So soll der Fahrer eines elektrischen Lastenrads einen anderen Radler mit Tempo 45 überholen und dabei in eine Frontalkollision mit einem Auto geraten. Bei diesem Zusammenstoß ist der Aufprall des Dummys mit dem Kopf auf die Windschutzscheibe heftig. Er wird in die Luft geschleudert und schlägt hart auf. Wäre der Unfall mit echten Beteiligten passiert, hätte der Radfahrer schwerste Verletzungen davongetragen oder wäre sogar ums Leben gekommen.

          Dass dieses Szenario immer häufiger Realität wird, zeigen Erkenntnisse aus der Schweiz. Dort hat sich die Zahl der Unfälle mit Pedelecs im Verkehr erhöht. Die Unfallforscher der Versicherung plädieren deshalb für breitere Fahrstreifen für Zweiräder, damit schnelle Pedelecfahrer langsamere Radler gefahrlos überholen können. Sie schlagen zudem vor, Pedelecs standardmäßig mit Tachos auszurüsten, damit die Fahrer wissen, wie schnell sie sind. Dadurch könnten sie ihre Fahrweise den Straßenverhältnissen besser anpassen.

          Sogar die zunehmende Zahl von Carsharing-Modellen birgt nach Ansicht der Axa-Unfallforscher Risiken, weil die Autofahrer nicht genügend mit den wechselnden Fahrzeugen vertraut sind und deshalb durch deren Bedienung vom Verkehrsgeschehen abgelenkt werden. Beim dritten Crashtest in Dübendorf wird im angenommenen Szenario ein von links kommender Rollerfahrer vom Auto übersehen. Der Zweiradfahrer prallt in den Wagen. Der Autoinsasse als Unfallverursacher wäre höchstens leicht verletzt. Der Rollerfahrer hätte hingegen im Ernstfall schwerste Verletzungen davongetragen. Carsharing-Autos sollten deshalb immer mit Notbremsassistenten ausgerüstet sein, um Unfälle zu vermeiden, so die Quintessenz der Versicherung.

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