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Unfall mit Autopilot : Tesla hielt Lastwagen-Anhänger für Schild

  • Aktualisiert am

Der Unfallort in Florida: Rechts der zerstörte Tesla Bild: Reuters

Nach dem tödlichen Unfall mit einem computergesteuerten Tesla an einer Kreuzung meldet sich der Hersteller zu Wort: Der Autopilot des Wagens habe einen Lastwagen-Anhänger für ein hohes Schild gehalten.

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          Nach dem tödlichen Unfall mit einem computergesteuerten Auto des Herstellers Tesla hat der Softwareentwickler Mobileye erklärt, dass der Autopilot des betroffenen Tesla-Models nicht auf die Gefahrensituation vorbereitet gewesen sei. Der Kommunikationschef der israelischen Firma, Dan Galves, sagte „Bild am Sonntag“, der Wagen sei lediglich mit Sicherheitssensorik für Front- und Heckkollisionen ausgestattet gewesen.

          „Der Unfall ereignete sich aber an einer Kreuzung. Für Kreuzungsbereiche gibt es noch gar keine praxistaugliche Sensorik.“ Mobileye stattet Tesla mit der entsprechenden Sicherheitstechnik aus. „Die aktuellen Assistenzsysteme decken diesen Anwendungsfall nicht ab“, sagte Galves. „Unsere Technik wird diese Erkennungsfunktion frühestens ab 2018 umfassen und die entsprechenden Sicherheitseinstufungen wird es erst Anfang 2020 geben.“

          Der tödlich verunglückte Fahrer war den Behörden zufolge auf einer trockenen Straße unterwegs, als sich der Unfall ereignete. Ein Sattelschlepper wollte vor dem Tesla an einer Kreuzung links abbiegen. Der Sportwagen „Model S“ geriet unter den Truck, die Windschutzscheibe berührte dabei das Ende des Lkw. Danach kam der Tesla von der Straße ab und kollidierte mit einem Strommast.

          Hersteller: Fahrer müssen den Verkehr im Blick behalten

          Das Fahrassistenzsystem des vom Computer gesteuerten Autos hielt den Anhänger eines Lastwagens, der die Fahrbahn kreuzte, für ein hohes Autobahn-Schild. „Bei diesem Unfall führte die hohe weiße Seitenwand des Anhängers zusammen mit einer Radar-Signatur, die der eines hochhängenden Straßenschilds sehr ähnlich war, dazu, dass keine automatische Bremsung ausgelöst wurde“, erklärte der Elektroauto-Hersteller Tesla am Wochenende.

          Tesla betonte zugleich stets, dass Fahrassistenz-System „Autopilot“ mache seine Fahrzeuge nicht zu einem selbstfahrenden Wagen und die Fahrer müssten stets den Verkehr im Blick behalten. Allerdings gab es im Netz seit der Einführung des Systems im vergangenen Herbst immer wieder Videos zu sehen, auf denen Fahrer sich mit anderen Dingen beschäftigten.

          Der verunglückte Fahrer hatte zuvor selbst Videos von seinen „Autopilot“-Fahrten ins Netz gestellt. Auf einem war zu sehen, wie das System einem Lastwagen auswich, der überraschend vor dem Tesla die Spur wechselte, und so eine wahrscheinliche Kollision vermied. „Der „Autopilot“ wird die ganze Zeit besser, aber es ist nicht perfekt und erfordert vom Fahrer, wachsam zu sein“, schrieb Tesla am Freitag in einem Blogeintrag zum Unfall.

          Erfolg steht und fällt mit der Sicherheit

          Der Entwickler von Technik für selbstfahrende Autos Mobileye, der einer der Zulieferer von Tesla ist und am Freitag eine groß angelegte Kooperation mit BMW einging, stellte zuvor klar, dass seine aktuellen Systeme für Verkehrssituationen wie bei dem Crash nicht ausgelegt seien. Mobileye-Technologie solle querende Fahrzeuge erst ab 2018 erkennen, erklärte ein Sprecher. Der Unfall hat in der Autobranche für Diskussionen gesorgt, denn zahlreiche Hersteller setzen für die Zukunft auf das sogenannte autonome Fahren. Der Erfolg steht und fällt mit der Sicherheit.

          Autopilot-Funktion : Erster tödlicher Unfall mit selbstfahrendem Auto

          Das „Autopilot“-System greife auf eine Kombination von Technik verschiedener Anbieter zurück, um Hindernisse auf der Fahrbahn zu erkennen, erklärte Tesla in einer Stellungnahme, die unter anderem vom Blog „Electrek“ veröffentlicht wurde. Die Teslas zeichnen permanent eine Vielzahl von Fahrtdaten auf. Die amerikanische Verkehrsaufsicht NHTSA untersucht jetzt das „Autopilot“-System. Mit der Prüfung wurde auch erst der tödliche Unfall von Anfang Mai bekannt.

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