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Elektrofahrräder : Vom Elektromotor überfordert?

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Aktive ältere Radfahrer lieben das Elektrofahrrad. Das bildet sich auch in der Unfallstatistik ab. Bild: Pardey

Das Elektrorad ist unter älteren Menschen beliebt. Unfälle häufen sich. Im Sicherheitsreport zeigt die Dekra, wer als Radfahrer wo gefährlich lebt.

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          Neun von zehn Deutschen, vom Baby bis zum Greis, besitzen - rein statistisch betrachtet - ein Fahrrad. Der Bestand wird mit 72 Millionen Stück angegeben. 2,5 Millionen dieser Räder sind inzwischen Pedelecs, haben also einen elektrischen Hilfsantrieb, der bis 25 km/h die Trittkraft mit maximal 250 Watt unterstützt. Wo die als Leichtkrafträder (Klasse L1e) zu betrachtenden Elektroräder mit Helmpflicht und Versicherungskennzeichen, die bis 45 km/h mit maximal 500 Watt unterstützen, in den hier folgenden Zahlen mitgezählt wurden oder nicht, ist auch nach intensiver Lektüre des Verkehrssicherheitsreports 2016 der Dekra nicht immer klar ersichtlich.

          Der Anteil der Elektroräder am Fahrradbestand steigt Jahr für Jahr. Nach Zahlen des deutschen Zweirad-Industrie-Verbands wurden 2013 in Deutschland 410 000 Pedelecs verkauft, 2014 waren es 480 000, und 2015 wurden 535 000 Elektroräder abgesetzt. Das waren 12,5 Prozent der Fahrrad-Verkäufe. Ganz überwiegend handelte es sich um Pedelecs der 25-km/h-Klasse. Deutschland ist der zweitgrößte Elektrorad-Markt Europas. 2014 wurden in der EU 1,2 Millionen Elektroräder verkauft. Zum Vergleich: In den Vereinigten Staaten waren es 100 000 Stück, in China 28,8 Millionen. Die Dekra zitiert mit Blick auf die globale Entwicklung eine Prognose der Allianz: Danach sollen 2023 auf der Welt 40,3 Millionen Elektroräder verkauft werden - 300 000 in den Vereinigten Staaten, 3,3 Millionen in Europa, der Rest in China.

          2014 fast 80.000 Radfahrer verunglückt

          Setzt man die Zahlen der Verkehrstoten in Beziehung zu der Größe „Milliarde Personenkilometer“, der Verknüpfung von zurückgelegten Entfernungen mit der Anzahl der beförderten Personen, dann ist trotz katastrophaler Abstürze nach wie vor das Linienflugzeug das sicherste Verkehrsmittel, gefolgt von Eisen- und Straßenbahn sowie dem Bus. Bei den von ihren Benutzern selbst gesteuerten Fahrzeugen sind die „Aufsassen“ von Motorrädern und Leichtkrafträdern einem vielfach höheren Risiko ausgesetzt als die Insassen von Autos. Deren Unfalltod-Risiko hat sich in den vergangenen 20 Jahren um 70 Prozent reduziert.

          Nach den Zahlen des Statistischen Bundesamts verunglückten 2014 in Deutschland mit 78 296 Personen mehr als doppelt so viele Radfahrer im Verkehr wie Fußgänger (31 161). Dabei wurden 396 Radfahrer getötet, jedoch 523 Fußgänger. 230 der Radfahrer und 368 der Fußgänger starben nach innerörtlichen Unfällen, 166 Radfahrer und 125 Fußgänger verunglückten tödlich auf Landstraßen. Kein Radler, wohl aber 30 Fußgänger starben auf Autobahnen. So sind knapp zwölf Prozent der 3377 deutschen Verkehrstoten des Jahres 2014 Radfahrer gewesen, 39 Pedelec-Benutzer inbegriffen. Schwer verletzt wurden 13 898 Fahrradfahrer, die ohne E-Motor unterwegs waren, und 624 Fahrer von Pedelecs.

          Sind Elektrofahrräder gefährlicher?

          In dem Zahlenmaterial gibt es bezüglich der Fahrrad-Unfälle einige Auffälligkeiten: So beträgt der Anteil der Pedelecs am Fahrradbestand bisher knapp 3,5 Prozent. Schon bei den Verletzten liegt der Anteil der Pedelec-Fahrer bei rund 4,5 Prozent. Bei den tödlich verlaufenen Unfällen steigt der Anteil der Pedelec-Fahrer auf beinahe 10 Prozent (9,84 Prozent). Fahrräder mit Elektroantrieb sind also überproportional zu ihrem Anteil am Fahrzeugbestand in Unfälle schwerer Art verwickelt.

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