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Überwintern im Wohnmobil : Tausche deutschen Winter gegen spanischen

  • -Aktualisiert am

Vor historischen Sehenswürdigkeiten oder Denkmälern findet sich immer ein Plätzchen zum Übernachten. Bild: Schramm

Viele Camper zieht es im Herbst Richtung Süden. Manche bleiben monatelang. Jetzt kehren sie zurück. Wie war’s denn so?

          Einige können es gar nicht erwarten und planen es schon Jahre im Voraus, andere entscheiden sich spontan: fürs Überwintern mit Wohnwagen oder Wohnmobil im Süden. Wer zum ersten Mal im November oder Dezember etwa Richtung Andalusien fährt, wundert sich über die vollen Campingplätze, bevölkert von erkennbar im Unruhestand befindlichen Paaren, die sich allherbstlich an ihren Lieblingsplätzen treffen und dort statt im heimischem Winter- und Schmuddelwetter in der spanischen Sonne sitzen.

          Wir gehörten zu den spontan Entschlossenen, die es einfach mal probieren wollten, und wir fanden eine große Schar Gleichgesinnter, die alle ihr ganz persönliches Modell für die Überwinterung gefunden haben. Die meisten fangen mit dem an, was vorhanden ist: Caravan oder Wohnmobil, und das gibt das Muster für den monatelangen Aufenthalt fern der Heimat vor. Die einen schwören auf das Gespann, die anderen auf das Mobil. Beides hat wie üblich Vor- und Nachteile. Wohnwagen sind selten autark, man braucht den Campingplatz für Strom, Wasser und Entsorgung. Dafür ist man an Ort und Stelle mit dem Zugwagen mobil. Wer sich mit dem Gespann im Spätherbst auf den Weg macht, sollte daher vorher die Route danach abklopfen, ob es an ihr entlang Campingplätze gibt, die noch geöffnet sind. Die Situation wird besser, je weiter man nach Süden kommt.

          Wohnmobilisten sind unabhängig, sie können fast überall für eine Nacht stehen. Da es sich in der Regel nicht um Camping-Neulinge handelt, wissen sie, wo sie nach geeigneten Plätzen suchen müssen. Sie sind, das muss man ehrlicherweise eingestehen, im Winterquartier nicht so mobil wie die Wohnwagenfahrer. Das hat mit der persönlichen Planung zu tun, wie sie sich das Überwintern vorstellen. Die einen wollen reisen, die anderen an einem ganz bestimmten Ort bleiben. Denn wer vier bis sechs Monate an einem Platz bleibt, der wohnt dort, das ist mental nicht mit Urlaub zu verwechseln. Urlauber wollen möglichst viel unternehmen und erleben in den kostbaren Wochen, Überwinterer haben Zeit.

          Auf dem Campingplatz haben sich die Überwinterer eingerichtet. Bilderstrecke

          Der Übergang vom Nomaden zur Sesshaftigkeit ist klar erkennbar, wenn man eine Weile auf einem Campingplatz lebt. Da trifft man die Reisenden, die grundsätzlich nur ein paar Tage bleiben, sie sind ständig auf Achse, meist seit etlichen Wintern, kennen jeden schönen Stellplatz und geben bereitwillig Tipps. Es sind in der Regel Wohnmobilisten, sehr funktional ausgestattet, weil sie dauernd unterwegs sind und sich nicht mit allen möglichen Dingen auf einem Platz ausbreiten wollen. Das muss man dann ja alle paar Tage wieder einpacken und klapperfrei verstauen.

          Spart eine Menge Arbeit

          So machen es Bernd und Ursel, die noch nicht einmal Fahrräder dabeihaben, auf ihrer Parzelle gerade mal zwei Campingstühle und einen Tisch ausladen und meist schon zum Frühstück ins Cafe gehen. Sie reisen um des Reisens willen und wollen es sich dabei möglichst einfach machen. Diese Art Camper braucht den Campingplatz vor allem zum Entsorgen oder zum Wäschewaschen, als Etappe sozusagen. Ansonsten steuern sie oft Stellplätze an, die es für Wohnmobile überall gibt, ziemlich eng, aber gut für eine Nacht. Sie stehen auch mal frei an besonders schönen Stellen, von denen der gemeine Sommercamper weiß, dass er da nicht hinkommt, denn in der Saison sind die alle abgesperrt und verboten.

          Wer länger bleiben will, richtet sich anders ein, das gilt für beide Fahrzeuggattungen. Ein Vorzelt vergrößert den Wohnraum, Kochzelte werden aufgebaut, wo man beim Zubereiten des Essens mehr Bewegungsspielraum und Platz hat als in den kleinen Küchen im Fahrzeug. Die Parzelle mit wasserdurchlässigen Matten auszulegen spart eine Menge Arbeit. Der Aufwand lohnt sich schon, wenn man vier Wochen bleiben will, ein weiteres Argument für diese Zeitspanne sind die günstigen Campinggebühren, die bei einem längeren Aufenthalt gewährt werden. In einem Winter ein- oder zweimal weiterziehen ist weit verbreitet, je jünger die Leute sind, desto bereitwilliger. Fragt man die Nachbarn, was ihnen wichtig ist, wenn sie sich für einen monatelangen Aufenthalt auf einem Campingplatz entscheiden, ist es die Umgebung (möglichst direkt am Strand), ein Städtchen in erreichbarer Nähe und die Infrastruktur des Platzes.

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