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TX-1200 mit Pinion-Getriebe : Der Dacia unter den Reiserädern

Bild: F.A.Z.

Das TX-1200 ist ein technisch ausgezeichnetes Fahrrad, für die Reise genauso wie für den Alltagseinsatz eines Pendlers. Das Besondere an ihm ist sein Pinion-Getriebe.

          Die VSF Fahrradmanufaktur ist eine Marke mit Tradition, auch wenn man sie nicht zu den Traditionsmarken der Branche zählen würde, denn es gibt viel ältere. Ursprünglich handelte es sich um die Eigenmarke des Verbunds selbstverwalteter Fahrradbetriebe (VSF, heute Verbund Service und Fahrrad). Die aber wurde vor knapp fünfzehn Jahren veräußert, und seitdem existiert die VSF Fahrradmanufaktur im ansonsten eher biederen Markenportfolio der Oldenburger Cycle Union, dem Fachhandelszweig von Prophete, als Premiumangebot oberhalb von Namen wie Rabeneick oder Kreidler.

          Hans-Heinrich Pardey

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Daher passt es, dass man sich in Oldenburg als TX-1200 - eher kryptische Typenbezeichnungen gehören seit eh und je zum Markenbild - ein 3400 Euro teures Reiserad mit dem Pinion-Getriebe 1.18 leistet. Solch ein Rad würde man eher von eindeutig nobleren und teureren Marken wie etwa Tout terrain oder Velotraum erwarten, also von kleineren, auf die technische Sahne des Fahrradmarkts spezialisierten Herstellern. Und an deren Produkten muss sich messen lassen, wer in dieser Oberliga mitspielen möchte, ob er will oder nicht.

          Reiseradler - gemeint sind nicht die Donauradweg-Touristen, sondern die „Ich radele um die Welt“-Typen - sind eine spezielle Kundschaft: anspruchsvoll und eigensinnig. Was ein gutes Reiserad - Cycle Union spricht glatt vom TX-1200 als einem „Expeditionsrad“ - ausmacht, darüber gibt es zwei Philosophien: Nach der einen muss daran so simpel sein, dass man es eigenhändig zusammen mit einem analphabetischen Grobschmied am Hindukusch richten könne. Die andere Fraktion verlangt Spitzentechnik, die weder in der Wüste noch im ewigen Eis versagt.

          636 Prozent Übersetzungsspielraum

          Das knapp 18 Kilogramm wiegende Rad der Fahrradmanufaktur versucht mit erstklassiger Ausstattung beiden Einstellungen Rechnung zu tragen: Ein Chrom-Molybdänstahl-Rahmen vereint Reparierbarkeit mit Komfort, und bei den Komponenten, ob Bremsen (Magura HS11), 90-Lux-Lichtanlage (Busch und Müller Luxos, SON-Nabendynamo), Gepäckträger (Tubus) oder Laufräder, da ist nirgends gespart worden. Und als Antrieb eben das vorn an der Kurbel sitzende Getriebe der beiden Porsche-Ingenieure: 18 „echte Gänge“, 636 Prozent Übersetzungsspielraum, mehr kann keine andere Schaltung.

          Der große Vorteil des Pinion-Getriebes ist zugleich sein Nachteil: Die Verlagerung der Schaltbox an die Kurbel bringt eine verbesserte Massenverteilung gegenüber einer Schaltnabe im Hinterrad. Aber dies setzt einen Rahmen voraus, in den an der Stelle des Tretlagers eine spezielle Aufnahme für das Getriebe eingearbeitet ist. Dass vorn geschaltet wird, spürt man beim Fahren unter den Schuhsohlen. Getriebe, Tretlagerwelle, Kurbeln und das auffällig kleine Kettenblatt (30 Zähne) bilden ein Ensemble, das von Pinion kommt. Mit den achtzehn Gängen, die eine Entfaltung (je einzelne Kurbelumdrehung zurückgelegte Strecke) von 1,30 bis 8,28 Meter bedeuten, ist ganz einfach zurechtzukommen: Man dreht am Drehschalter, bis das Trittgefühl stimmt, und macht sich keine Gedanken darum, der wievielte Gang das nun ist.

          Das TX-1200 ist also ein technisch ausgezeichnetes Fahrrad, für die Reise genauso wie für den harten Alltagseinsatz durch einen Ganzjahrespendler. Doch das Rad hat mehr als ein Imageproblem. Es ist nicht erkennbar, ob und wie der Hersteller es individuellen Benutzerwünschen anpassen kann und will. Dafür ist der Preis angesichts der Ausstattung günstig. Bei der Konkurrenz, die Kundenwünsche berücksichtigt, wird man für Vergleichbares schnell anderthalbtausend Euro mehr los. Um es in Anlehnung an einen Werbeslogan der Automarke Dacia zu sagen: Das TX-1200 ist das Reiserad für jene, die ihr Langstreckenrad nicht als Statussymbol brauchen.

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