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Neuer Turbinen-Hubschrauber : Viel Kohle macht den Heli leicht

  • -Aktualisiert am

Der gekapselte Heckrotor verringert die Lautstärke. Bild: Uwe Stohrer

Kopter hat sich mit seinem neuen Turbinen-Hubschrauber SH09 viel vorgenommen. Die Maschine soll als Passagierversion, für Außenlasteinsätze, zur Überwachung oder bei Rettungsflügen eingesetzt werden können.

          Es war und ist ein steiniger Weg. Denn der junge schweizerische Helikopterhersteller Kopter, früher bekannt unter dem Namen Marenco Swisshelikopter, hat sich mit seinem neuen Turbinen-Hubschrauber SH09 viel vorgenommen. Die Maschine soll als Passagierversion, für Außenlasteinsätze, zur Überwachung oder bei Rettungsflügen eingesetzt werden können. Einen völlig neuen Hubschrauber zu konstruieren, zuzulassen und zu vermarkten ist allerdings ein anspruchsvolles und kostenintensives Unterfangen. Fachleute gehen dafür von einem dreistelligen Millionenbetrag in Euro aus. Denn die Wettbewerber sind teilweise schon mehrere Jahrzehnte mit ihren Produkten auf dem Markt und haben einen entsprechenden Vorsprung bei Kundenservice und -bindung, der Ersatzteilversorgung und dem Pilotentraining.

          Wenn man das ambitionierte Vorhaben des 2007 gegründeten Helikopterproduzenten etwa auf den Automobilbau übertragen würde, wäre es wohl so, als ob ein Newcomer mit seinem neuen Fahrzeug gleich gegen Audi A4, BMW 3er und Mercedes C-Klasse antreten würde.

          Dennoch sind die Verantwortlichen am Produktionsstandort im schweizerischen Mollis überzeugt, dass ihr neuer Heli ein Erfolg wird. Immerhin gibt es bereits mehr als 60 Vorbestellungen und zahlreiche Kaufabsichtserklärungen für die Maschine. Sie wird von einem Piloten geflogen und befördert bis zu sieben Passagiere. Der neue Hubschrauber sei laut Kopter moderner, leistungsfähiger und preiswerter im Betrieb als die Konkurrenzprodukte, die bereits vor mehreren Jahrzehnten konstruiert wurden. Zu diesen zählen der deutsch-französische Airbus Helicopter H130T2, die amerikanische Bell 407 und die italienische AW119Kx von Leonardo. Alle gehören in die sogenannte 2,5-Tonnen-Klasse von Ein-Turbinen-Helikoptern.

          Keine Revolution im Hubschrauberbau

          Dass es Kopter wirklich ernst meint, zeigt auch die Neueröffnung eines Werks. In den Vereinigten Staaten, dem Hauptabsatzmarkt für einmotorige Hubschrauber, wurde am Lafayette Airport im Bundesstaat Louisiana am 11. März eine Produktionsstätte eingeweiht. Hier werden künftig alle Helikopter für den nord- und südamerikanischen Markt endmontiert.

          Kopter strebt mit dem neuen Heli keine Revolution im Hubschrauberbau, sondern eher eine Optimierung verschiedenster Eigenschaften an. So besteht der Hauptunterschied zu den Konkurrenten im verwendeten Material. Der SH09 wird zu großen Teilen aus Karbonfaser gefertigt. Die ist leichter als Aluminium, dazu hochfest, allerdings auch nicht so einfach zu verarbeiten wie Metall. Der SH09 soll weniger wiegen als die Wettbewerber und bessere Sichtverhältnisse für Pilot und Passagiere bieten.

          Die aerodynamische Kabine sei die größte in dieser Klasse und entspreche der eines Zwei-Turbinen-Helikopters, betont Cheftestpilot Richard Trueman. Durch Verwendung einer modernen 1020 PS starken HTS900-Turbine von Honeywell sei der Helikopter nicht nur besonders leistungsfähig etwa bei Hochgebirgseinsätzen und hohen Temperaturen, auch der Kerosinverbrauch sei günstig. Zudem ist die Maschine durch einen Fünfblattrotor und den gekapselten Heckrotor relativ leise. Bis zu 260 km/h schnell und 800 Kilometer weit fliegt der SH09, zudem kann er bis 1500 Kilo Außenlast transportieren. Drei Prototypen sind bereits in der Luft, ein viertes seriennahes Exemplar hebt noch in diesem Jahr ab.

          An Bord ist ein Glascockpit. Es besteht aus zwei Displays, die Fluglage, Geschwindigkeit, Höhe, Rotordrehzahl, Position und weitere Infos anzeigen. Das hochmoderne System vom Typ Garmin G3000H wird über Touchscreen bedient und bei Kopter erstmals in einem Hubschrauber eingesetzt. Sonst ist es in Businessjets eingebaut. Bis zu einem möglichen Produktionsanlauf dauert es aber wohl noch mehrere Monate: Der SH09 hat bisher keine Luftfahrtzulassung durch die europäische Agentur für Flugsicherheit Easa. Erst im Anschluss daran können die ersten Helikopter ausgeliefert werden. Bis Ende 2019 könnte die Zulassung klappen, gibt sich das Unternehmen optimistisch.

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