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Tuning für Elektro-Autos : Elektrisierende Extremisten

  • -Aktualisiert am

Mehr Bodenfreiheit ... Bild: Hersteller

Je weiter die Elektromobilität im Alltag ankommt, desto stärker interessieren sich auch die Tuner fürs Akku-Auto. Zwei besonders auffällige Umbauten markieren nun die Eckpunkte in Daimlers Batterie-Baureihen.

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          Sie haben etwas von Asterix und Obelix, und wenn man sie nebeneinanderstellen würde, entbehrte das nicht einer gewissen Komik. Denn sowohl der Smart Brabus Ultimate E als auch der Mercedes EQC 4×42 sind überzeichnet wie Comicfiguren. Und beide sehen sie so aus, als hätten sie etwas zu viel von jenem Zaubertrank abbekommen, der die Mobilität von morgen elektrisiert. Denn der Strom muss schon ziemlich stark sein und so manche Sicherung durchbrennen, bevor es zwei solche Elektroautos auf die Straße schaffen: Da der pausbäckige Giftzwerg, der sich trotzig mit jedem Sportwagen anlegen will, und hier das SUV, das sogar noch stolz darauf ist, ein Dreckskerl zu sein – so markieren die beiden die aktuellen Extreme in der elektrischen EQ-Flotte und beweisen, dass die Elektromobilität langsam alltäglich wird, wenn sich jetzt sogar schon die Tuner und Umrüster dafür interessieren.

          Auffallen um jeden Preis und beweisen, was dank oder trotz der neuen Antriebstechnik alles möglich ist – die Motive der Macher ähneln einander, doch in der Wahl der Mittel unterscheiden sich die beiden elektrischen Extremisten deutlich. So hat Brabus beim Ultimate die klassischen Register gezogen und das frisch geliftete Smart Cabrio in einen wilden Kampfanzug mit wuchtigen Stoßfängern und breiten Kotflügeln gesteckt, mit geschmiedeten 18-Zöllern auf großen Fuß gestellt und dem Innenraum mit viel handvernähtem Leder auf schnödem Kunststoff endlich jenen Charme und Chic verpasst, den man von einem Bonsai erwarten darf, wenn ein Benz dahintersteht.

          Nur am Antrieb haben sie in Bottrop vergleichsweise wenig gemacht. Nicht, dass sie nicht gewollt hätten. Doch weil die Elektrischen schwerer und vor allem teurer zu tunen sind als Benzinmotoren, hat es nur für einen kleinen Klecks statt eines satten Nachschlags gereicht: 68 statt 60 kW leistet der Elektromotor nun, das maximale Drehmoment steigt von 160 auf 180 Nm. Und das Spitzentempo von 130 km/h bleibt sogar unverändert. Dass sich der Smart trotzdem anfühlt, als wäre er auf Steroiden, liegt am nachgeschärften Verlauf der Drehmomentkurve und an der Gier des Gaspedals, das den Winzling zu einem wahren Giftzwerg macht, so wild wuselt er durch die Stadt.

          ... durch Portalachsen ... Bilderstrecke
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          Auch die Mercedes-Entwickler haben vom Antrieb des EQC die Finger gelassen. Doch dafür haben sie beim elektrischen Ableger des GLC zwei Portalachsen unter den Bauch geschraubt, gerade so, wie sie auch der Unimog hat. Weil dank der zusätzlichen Zahnräder am Radantrieb die Achsmitte ein gutes Stück höhergelegt ist und weil obendrein grobstollige Offroad-Reifen unter den markanten Kotflügelverbreiterungen drehen, fährt der EQC 4×42 wie auf Stelzen, suhlt sich im Schlamm wie ein Wildschwein und hat im Gelände bessere Kennwerte als eine G-Klasse: 29 Zentimeter Bodenfreiheit, 40 Zentimeter Wattiefe und Böschungswinkel von 31,8 und 33 Grad machten aus dem SUV für den Alltag im Speckgürtel der Stadt einen Geländewagen für Abenteuer in der Steppe – wenn es dort nur Ladesäulen gäbe für den Akku mit 80 kWh Energiegehalt, der die beiden Motoren mit 150 kW Leistung im schweren Terrain keine 150 Kilometer weit bringt. Kein Wunder, dass sich die Ausflüge der Testfahrer bislang auf Kiesgruben beschränken und ein paar alpine Schotterpisten ganz nah am Rande der Zivilisation.

          Zwar baut Brabus nur 28 Ultimate E, und der Preis hat mit rund 57 000 Euro fast schon etwas Prohibitives. Doch hat der Tuner dem Hersteller damit etwas voraus. Denn den EQC 4×42 wird es auch für Geld und gute Worte nicht zu kaufen geben, beteuern die Entwickler. Wo sie sonst zumindest gerne ein bisschen Hoffnung schüren, lassen ihre Antworten diesmal nicht den geringsten Interpretationsspielraum. Und trotzdem ist der Bigfoot mit Batterie mehr als eine Fingerübung und erfüllt zumindest intern einen Zweck: Er ebnet den Weg für die elektrische G-Klasse, die Firmenchef Ola Källenius gerade erst wieder versprochen hat. Und bis die kommt, gibt’s in der Steppe vielleicht auch ein paar Steckdosen.

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