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Türstopper : Der externe Airbag kommt

  • -Aktualisiert am

Der Außenairbag soll innen schützen. Bild: Hersteller

Ein externer Airbag soll den Seitenaufprall entschärfen. Dafür braucht das Auto allerdings eine Armada von Sensoren. Ein Hersteller glaubt nun, die Aufgabe gelöst zu haben.

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          Nach der Rundumversorgung der Insassen mit diversen Front-, Kopf-, Seiten-, Knie-, Vorhang- und Dachairbags gerät nun die Außenhaut des Fahrzeugs in den Fokus von Unfallforschern und Konstrukteuren. ZF-TRW, einer der führenden Anbieter von Insassenschutzsystemen, hat jetzt den Prototyp eines externen Seitenairbags entwickelt, der Fahrer und Passagiere bei einer seitlichen Kollision besser schützen soll.

          „Ein Seitenaufprall hat wegen der nicht vorhandenen Knautschzone häufig schwerwiegende Folgen“, sagt Swen Schaub, Airbag-Entwickler bei ZF-TRW. Gefährdet ist keineswegs nur der auf der Anstoßseite sitzende Insasse, sondern auch jener auf der stoßabgewandten Seite. Hier drohen vor allem Kopfverletzungen durch den Aufprall auf Kopfstütze oder Rückenlehne des Nebensitzes. Gar nicht so selten kann es auch zu Kopf-an-Kopf-Kollisionen mit Nebenmann beziehungsweise -frau kommen. Ein solches Szenario soll der schon im Jahr 2015 vom selben Zulieferer entwickelte Center Airbag verhindern, der in die Innenseite der Vordersitzlehne integriert ist. Bei einem Seitenaufprall entfaltet er sich zwischen Fahrer und Beifahrer und stabilisiert zusätzlich den Fahrer in seinem Sitz.

          Er benötigt mehrere Gasgeneratoren

          Einem völlig neuen Denkansatz folgt der externe Precrash-Seitenairbag. Dank einer Armada von Umfeldsensoren auf Basis von Radar-, Lidar- und Kamerasystemen löst der im Türschweller untergebrachte Luftsack in den letzten Sekundenbruchteilen vor einem Seitenaufprall aus. Mit 250 Litern Volumen ist er etwa zwei- bis dreimal so groß wie der bisher größte Curtain-Airbag. Er benötigt mehrere Gasgeneratoren, um sich innerhalb von hundert Millisekunden vor dem Anprall aufzublasen. Nach dem Auslösen entfaltet er sich blitzartig nach oben und deckt das Türblatt und weitere Bereiche der Seitenstruktur ab.

          Die in der Konzeptstudie von ZF-TRW aus herkömmlichem Airbaggewebe bestehende Haut des äußeren Seitenairbags kann an einigen Stellen, zum Beispiel vor der B-Säule, bis zu dreißig Zentimeter dick sein. Dadurch wächst der verformbare Bereich, in den das auftreffende Fahrzeug eintritt. Auf diese Weise wird ein größerer Teil der Aufprallenergie bereits abgebaut, bevor sie die Insassen erreicht. Der übrige Türbereich kann von weicheren Sektionen des Luftsacks abgedeckt werden.

          „Die bisherigen Tests haben gezeigt, dass sich mit einem externen Airbag die Intrusion und Intrusionsgeschwindigkeit um mehr als dreißig Prozent verringern lassen“, berichtet Schaub. „Dadurch könnte der Schweregrad der Verletzungen bei seitlichen Kollisionen um etwa zwanzig bis dreißig Prozent sinken.“ Entscheidend sei, dass das System Anstoßrichtung und Anstoßort präzise vorhersieht, weil schon kleinste Bewegungsänderungen der Fahrzeuge vor der Kollision die Funktion beeinflussen können.

          Seitenunfälle sind in den Vereinigten Staaten für rund dreißig Prozent aller Verkehrstoten und in Deutschland für einen gleich hohen Anteil von Schwerverletzten verantwortlich. Nicht zuletzt deshalb wird diese Unfallkonstellation vom Jahr 2018 an bei künftigen Bewertungskriterien der maßgeblichen Crashtestnorm Euro NCAP eine größere Rolle als bisher spielen.

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