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Frank-Holger Appel (hap.)

Zölle-Kommentar : Politrauma

  • -Aktualisiert am

Trump prangert Harley-Davidson für ihre Zukunftspläne an: Doch was hätte er selbst als Unternehmer getan? Bild: Reuters

Politische Entscheidungen beeinflussen in den meisten Fällen die Wirtschaft eines Landes gleich mit. Diese Erkenntnis war allen bewusst – mit Ausnahme von Donald Trump.

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          Fällt die Politik Entscheidungen, muss sie damit rechnen, dass die Wirtschaft reagiert. Der amerikanische Präsident Donald Trump zieht Zollzäune um die Vereinigten Staaten, um sich sodann über Harley-Davidson zu wundern. Der amerikanische Traum auf zwei Rädern will seine für Europa bestimmten Motorräder künftig außerhalb Nordamerikas bauen, weil selbst die hartgesottene Kundschaft nicht jeden Preisaufschlag erträgt. Trump prangert die Harley-Leute dafür an, aber was hätte er wohl selbst als Unternehmer getan?

          Die nächste in die Fabrikhallen hineinreichende Zäsur steht in Großbritannien an, wo demokratisch legitimiert der Austritt aus der EU vorbereitet wird. Wer dachte, das gehe geräuschlos und vor allem gut für die Briten aus, möge sich die Nachrichten der vergangenen Woche zu Gemüte führen. Der Flugzeughersteller Airbus erwägt, seine Tragflächen nicht mehr auf der Insel montieren zu lassen.

          Der Autohersteller BMW denkt darüber nach, wo die Zukunft seiner urenglischen Tochtergesellschaft Mini liegen könnte. Ohne Zweifel werden Investitionen dort schon mehrfach abgewogen. Oder Ford. Die Amerikaner haben zwei in etwa gleich große Absatzmärkte in Europa, Deutschland und Großbritannien. Ihre Motoren mit 1,5 Liter Hubraum bauen sie in Wales, also im Vereinigten Königreich. Ihre 1,0-Liter-Maschinen werden in Köln hergestellt. Das Auto, um mal den Bestseller Focus zu nehmen, entsteht in Saarlouis. Ford exportiert also Motoren von Großbritannien nach Festland-Europa und liefert fertige Autos von Deutschland nach Großbritannien.

          Das nennt man dann wohl Lose-Lose-Situation, drohende Zölle und die Verwerfungen am Devisenmarkt bereiten dem Management schon jetzt schlaflose Nächte und bescheren der Bilanz einen Sonderposten in Rot. Wer offene Märkte schließt, aus welcher Motivation auch immer, darf sich nicht wundern.

          Holger Appel
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

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