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Trike von Harley-Davidson : Au dreia

Navi und Farbbildschirm weisen den Weg

Zwischen den Tomahawk-Hinterrädern findet sich ein 125-Liter-Stauraum mit Funkfernentriegelung und Innenbeleuchtung, darüber noch ein 65-Liter-Topcase und obendrauf ein Gepäckträger. Für Boston–San Diego reicht das ebenso wie für den Ritt von Neapel zum Nordkap. Navi und Farbbildschirm weisen den Weg. Die Lenkerarmaturen sind beleuchtet, Griffe und Sitze beheizbar, Rückenlehnen vorhanden, Das „Boom! Box GTS Infotainmentsystem“ tönt mit 300 Watt aus vier Lautsprechern, ein kabelloses Headset zählt zum Lieferumfang, „H-D Connect“ vernetzt Trike und Smartphone. Der elektrisch betriebene Rückwärtsgang verhindert, dass die Besatzung mit ihrem 580-Kilo-Trumm strandet, das gekürzte Frontschutzblech gewährt „einen freien Blick auf das Custom-Vorderrad“. Pedale, Fahrer- und Beifahrertrittbretter sowie die Schalldämpferendkappen entstammen der „Kahuna-Kollektion“, wie Harley-Davidson hervorhebt.

Etwas Besonderes ist in jedem Fall der Motor vom Typ Milwaukee-Eight 117, mit 117 Kubikzoll Hubraum – 1923 Kubikzentimeter – das mächtigste ab Werk verbaute Triebwerk der Amerikaner. 168 Newtonmeter setzt es frei, schon bei 3500 Umdrehungen. Die Spitzenleistung beträgt laut Datenblatt 109 PS (80 kW) bei 5450/min, das ruhige Bollern treibt keine Bürgerinitiative auf die Barrikaden. Angetrieben werden beide Hinterräder, die Übertragung der Kraft erfolgt über Zahnriemen und Differential. Die Verwaltung der Kraft wird durch Harley-Davidsons auch in den Touring-Zweirädern neu eingeführtes RDRS-System vereinfacht: Kombi-Bremssystem, Kurven-ABS und Traktionskontrolle sind hier speziell aufs Dreirad ausgelegt.

Und wie fährt sich das? Von früheren Versuchen mit Harley-Trikes wissen wir: Sperrig. Unhandlich. Gewöhnungsbedürftig. Für Schräglagen liebende Motorradfahrer auf der Höhe ihrer Schaffenskraft keine Option. Man legt sich nicht mit dem Fahrzeug in die Kurve, sondern nur mit dem Oberkörper. Verglichen mit der Eleganz des Dahingleitens auf einem Zweirad ist es ein Gewürge. Abbiegen bedeutet einen ausholenden Kraftakt am Lenker, wobei darauf zu achten ist, mit dem Heck nicht irgendwo hängen zu bleiben. Andererseits zählt aber nur dies: Das Trike gibt manch einem die Möglichkeit, dabei zu sein, statt zu Hause zu bleiben, weiterhin mit den Freunden auf Tour zu gehen, beim Harley-Treffen die Parade mitzufahren, statt nur vom Straßenrand aus zuzuschauen. Im Fall der CVO Tri Glide können wir leider keine Fahreindrücke schildern. Am Tag vor unserer geplanten Proberunde kam ein Kollege aus Indien vom rechten Weg ab, nutzte die Testmaschine für Rodungsarbeiten und schlug eine 50 Meter lange, 54.755 Euro teure Schneise ins Unterholz. Merke: Auch mit einem Trike muss man umgehen können. Der Inder kam zum Glück glimpflich davon.

In der Beurteilung kommt es auf den Blickwinkel an. Aus Sicht des Motorradfahrers: Na ja. Aus der Perspektive des Autofahrers: Lässig! 600 Kilo ohne Umfallgefahr! Stabil, gar nicht mal so unhandlich. Und beinahe so komfortabel wie ein gut ausgestattetes Audi A4 Cabriolet, das man etwa zum gleichen Preis bekäme, das aber weder Kahuna-Pedale noch Dreifach-Zierlinien zu bieten hat und schon gar keinen freien Blick aufs Custom-Vorderrad.

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