https://www.faz.net/-gy9-8zljk

Trendsport Rudern : Komm her, Welle

  • -Aktualisiert am

Gründe genug gäbe es, in den Wellen irritiert oder nervös zu sein, gerade für eher unerfahrene Ruderer: Der Rollsitz bewegt sich – und damit der ganze Körper des Ruderers –, das Boot kippelt, und in den Händen hält man „nur“ zwei wacklige Skulls. Aber: Da ist rechts und links vom schmalen Sitz noch richtig viel Bordkante, das beruhigt. Ein Kentern ist nicht zu befürchten. Aus dem Grunde eignet sich solch ein Boot gerade für Quereinsteiger oder Ruderer, die nach langer Pause wieder loslegen und doch sportlich vorankommen wollen. Und wohl auch für Anfänger, die darin das komplexe Rudern besser und stabiler als in anderen Modellen erlernen können. Darauf verweist der französische Hersteller mittlerweile häufig, und das zieht in Frankreich und auch Italien offenbar schon. Es lassen sich neue Sportlergruppen ansprechen, Individualruderer, die abseits der Vereine ihr Boot zu Wasser lassen und zur Feierabendtour starten. Ganz so, wie es beim Paddeln gang und gäbe ist.

Bei Volans sitzt man fest im Boot

Gleich mehrere Anbieter schielen auf diesen neuen Markt und wollen mehr Boote nach Deutschland bringen. Aus Frankreich kommen außer Euro Diffusion’s die seegängigen Lite Boats, erdacht vom Extremsportler Mathieu Bonnier. Ähnliche Kunststoffboote gibt es von Leo Coastal Rowing aus Schweden. All diese Modelle sieht man auf großen Meisterschaften, wenn Rennen gefahren werden und werbewirksame Bilder von über Wellenkämme springenden Booten entstehen. Die Volans-Werft aus den Niederlanden führt die Idee weiter mit dem wellengängigen, gleitenden Ruderboot mit einem gleitenden Ausleger für die Küste und die Brandung. Bei Volans sitzt man fest im Boot und nicht auf einem rollenden Sitz, dafür bewegen sich die Ausleger. Marktführer Euro Diffusion’s aus Avignon bietet die breiteste Modellpalette an Küstenruderbooten. Jüngste Neuerung ist ein besonders leichter und etwas kürzerer Einer (4,85 Meter) namens X-Light, der aufs Autodach passt (ab 5000 Euro). Sämtliche Euro-Diffusion’s-Boote gibt es jeweils für Wettkämpfe oder für Breitensportler. Der normale Einer kostet 3800 Euro aufwärts, die Preise für den Zweier beginnen bei 7700 Euro. Das größte Boot ist ein Vierer mit Steuermann (ab 13.400 Euro), als Regattaboot aus Karbon zum stolzen Preis von 19.000 Euro.

Aber zurück auf die Kieler Förde, die an diesem Tag, zugegeben, zu friedlich bleibt. Immerhin, „MS Laboe“, wieder eine Fördefähre, kommt nun vorbei. Die grüne Fahrwassertonne neben uns schaukelt ganz schön. Ab und an schwappt ein Schwung Wasser über die Ausleger, aber selbst das bremst kaum, Boot und Rigg sind darauf ausgelegt. Euro Diffusion’s baut meistens Flügelausleger an seine Modelle, sie sind stromlinienförmig und bewähren sich am besten bei Wellen. Wir sind mit zwei Booten unterwegs. Im anderen sitzt die Sportlerin des Kieler Klubs, sie testet den Einer der Yole-Serie der Franzosen. Das sind die einfacheren Modelle, für den Freizeitsport gedacht. Aber die Wellen surft der Yole genauso geschmeidig hinab, nicht schlechter als unser X-Boot. Man muss sie nur laufen lassen. Schön geradeaus gehalten werden sie dabei von einer bananenförmig geschwungenen Finne am Heck. Die hat jedes Modell, und darauf muss man besonders achten, will man zum Beispiel von einem Strand aus starten und dort anlanden. Rudert man ein Coastal-Boot, empfehlen sich unbedingt Neopren-Schuhe, weil immer etwas Wasser im Fußraum steht. Coastal Rowing ist Rudern mit einer Prise Segeln und Surfen, nassem Neopren, Salzwasser, dazu das beständige Plätschern im offenen Heck inklusive.

Drei Kammern hat der X-Einer, wodurch er unsinkbar sein soll. Karbonanteile stecken im Rumpf, daher ist er so leicht und steif zugleich. Zieht man hart an den Skulls und tritt mit den Beinen in das Stemmbrett, spürt man durchaus die Stabilität der Konstruktion. Nichts federt nach. Das X-Modell kann ruhig einmal richtig rangenommen werden und muss jenen Kräften widerstehen können, die von außen einwirken, wenn es durch die Brandung im Meer geht.

Aber dann – wieder so eine Neuerfahrung für Ruderer – brauchte man gewiss doch noch etwas mehr Neopren als nur an den Füßen.

Weitere Themen

Topmeldungen

Aufgebahrt in einem goldenen Sarg: George Floyd.

Tod von George Floyd : Kollektives Trauern

Neun Schweigeminuten und bewegende Reden: In Minneapolis haben Politiker und Angehörige um Gorge Floyd getrauert. Den Bürgerrechtler Al Sharpton stimmt es hoffnungsvoll, dass auch in Deutschland viele junge Menschen gegen Rassismus auf die Straße gehen.
Der einstige Wohnsitz des Verdächtigen in Südportugal.

Mordfall „Maddie“ : Belastende Details gegen Beschuldigten

Immer mehr Einzelheiten werden über den Deutschen bekannt, der nach Ansicht der Ermittler vor rund 13 Jahren die kleine Madeleine McCann getötet haben könnte. Das Strafregister des Deutschen soll rund 17 Einträge aufweisen.
Trotz Staatshilfen: Lufthansa fliegt au dem Dax

Nach 32 Jahren : Lufthansa fliegt aus dem Dax

Trotz Staatshilfen in Höhe von 9 Milliarden Euro muss die größte Fluggesellschaft in Deutschland ihren Platz im Dax räumen. An deren Stelle tritt eine Wohnungsgesellschaft.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.