https://www.faz.net/aktuell/technik-motor/motor/treffen-der-kabinenroller-das-knattern-der-koenigstiger-18123902.html

Treffen der Kabinenroller : Das Knattern der Königstiger

  • -Aktualisiert am

Alle mal hersehen: Damit keiner einen Tiger für einen normalen Kabinenroller hält, wird schon im Nummernschild stolz auf den Typ hingewiesen. Bild: Uwe Stohrer

Niedliche Vehikel rollten durch die Nachkriegszeit. Aber es gab unter den Kabinenrollern auch echte Renner. Bericht von einem Treffen im Zeichen von Zweitakt, Zweisitzigkeit und Traditionspflege.

          5 Min.

          Im Touristenort Herrsching am Ammersee reiben sich Passanten verwundert die Augen. Das sind doch Kabinenroller – und gleich eine ganze Armada, die mit fröhlichem Zweitaktknattern vorbeifährt. Was die staunenden Zuschauer nicht ahnen: Bei diesen Oldtimern handelt es sich, gemessen an Höchstgeschwindigkeit und Preis, gewissermaßen um die Bugattis unter den Kabinenrollern, einer Gattung, zu der einst auch BMW Isetta oder Heinkel Kabine gehörten.

          Die vierrädrigen FMR Tg 500, bekannter unter der Bezeichnung Messerschmitt Tiger, sind die Topmodelle der von Fritz Fend Ende der Vierzigerjahre entwickelten, eigentlich dreirädrigen Familie von Rollermobilen. Sie wurden später auch in den einstigen Flugzeughallen von Messerschmitt hergestellt, weshalb ihnen der Volksmund jenen Namen gab, der sich bis heute hält.

          Der Tiger ist bis heute ein zickiger Wagen. „Er erfordert Aufmerksamkeit und gute Wartung“, erklärt einer der Besitzer, Martin Sauer aus Iserlohn, und ergänzt mit feiner Ironie: „Tiger-Jahre sind keine Herrenjahre.“ Der Flugkapitän restauriert in seiner eigenen Werkstatt die 20-PS-Motoren und führt auch das offizielle Tg-500-Register. Nach seinen Recherchen existieren von 320 gebauten Exemplaren noch 167. Etwa 90 davon befinden sich in Deutschland, gut 20 von ihnen sind zum Treffen in Bayern angereist. Sauers Tiger-Leidenschaft ist so groß, dass er ein Buch über dieses Fahrzeug geschrieben hat.

          Der Zweizylinder-Zweitakter schöpft aus rund 500 Kubikzentimeter Hubraum etwa 20 PS. Bilderstrecke
          Kabinenroller : Das Knattern der Königstiger

          Dessen Zweizylinder ist ein Entwurf des Herstellers Sachs, ursprünglich als Stationärmotor entwickelt. Fritz Fend übernahm die Zweitaktkonstruktion, die allerdings damals nicht ausgereift war und bis heute gerne thermische Probleme bereitet. Fend vergrößerte den Hubraum auf 500 Kubikzentimeter und konstruierte ein Getriebe dazu. Dennoch erlaubt sich der Motor Diva-Allüren.

          Erstaunlich viele Tiger werden im Rennsport bewegt. Allerdings dürfen die Tg 500 nur gegen andere Tiger antreten. Denn die Rennsportkommission der FIA erlaubt nicht, dass Wagen, in denen Fahrer hintereinandersitzen, an Wettbewerben mit anderen Fahrzeugen teilnehmen. Zudem verpasst der Kleinstwagen die für eine Homologation erforderliche Stückzahl von mindestens 400 produzierten Exemplaren. So fahren Tiger immer in einer Sonderklasse gegeneinander oder bei Bergrennen gegen die Uhr.

          Wie kam es zum Kabinenroller?

          Kein Wunder also, dass während des Treffens in Oberbayern auch ein Ausflug zum nahegelegenen Wallberg vorgesehen ist. Dort, auf der serpentinenreichen Strecke, begeisterten von 1959 an Tiger-Bergrennen die Zuschauer. Auch jetzt lassen es die Teilnehmer krachen. Denn das sportliche Fahrverhalten, kombiniert mit einer äußerst direkten Lenkung und einem Fahrzeuggewicht von weniger als 400 Kilo, bereitet noch immer jede Menge Spaß. 20 Fahrer heizen bergan, oben wird Pause gemacht, während die Wolke aus Zweitaktqualm sich nur langsam verzieht.

          Weitere Themen

          Drohneneinsatz im Weinberg

          Knifflige Lage : Drohneneinsatz im Weinberg

          Steillagen machen den Winzern viel Arbeit. Jetzt sollen Drohnen beim Spritzen helfen. Die ersten fliegen schon über die Rebstöcke. Aber immer nur kurz.

          Topmeldungen

          Gendern von oben : Öffentlich-rechtliche Umerziehung

          Rundfunk und Fernsehen maßen sich eine sprachliche Erziehung an, die ihnen nicht zusteht. Sie verhalten sich dabei nicht nur zutiefst undemokratisch, es widerspricht auch dem Auftrag der öffentlich-rechtlichen Medien.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.