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Transporter TGE : Hätte, hätte, Schneekette

  • -Aktualisiert am

Zur Jungfernfahrt brennt auch noch die Sonne vom stahlblauen Himmel. Bild: Geiger

Ein Skidoo zu klein, ein Pistenbully zu teuer? Dafür hat MAN den Transporter TGE auf Ketten gestellt.

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          Zugegeben, sie hätten einen besseren Winter für die Premiere erwischen können. Selbst wenn die Tiroler Alpen gerade im Schnee versinken und zur Jungfernfahrt auch noch die Sonne vom stahlblauen Himmel brennt, fehlt hier im Zillertal etwas für dieses Projekt Entscheidendes: die Touristen. Denn die hatten die Herren aus der MAN-Niederlassung in Innsbruck vor allem im Sinn, als sie im vergangenen Herbst darüber nachgedacht haben, einen TGE auf Ketten statt auf Räder zu stellen. Mit einem Raupenantrieb wollten sie den Transporter winterfit machen und so fußlahme Gäste auch zu jenen Berghütten bringen, die nicht mit Lift oder Skipiste erschlossen sind.

          Nicht einmal drei Monate später steht dieser umgerüstete TGE nun hochbeinig wie ein Insekt auf erschreckend filigranen Füßen am Ende der Talabfahrt in Hochfügen und macht sich bereit zum Gipfelsturm. Das Einsteigen ist jetzt zwar etwas mühsamer, weil der Wagen bald einen halben Meter über dem Boden steht, und auf der festgefahrenen Schneedecke rumpelt es anfangs ein wenig.

          Doch dafür kennt der Kleinbus hier kein Halten mehr: Wo auch der Pick-up der Pistenwacht stehen bleibt, walzt der TGE munter über den Schneewall und danach die Abfahrt hinauf, als wäre sie eine Autobahn. Und weil die Jungs aus der Niederlassung beweisen wollen, was ihr Klettermaxe so alles draufhat, biegt der Transporter nach ein paar hundert Metern ab in den Tiefschnee, quert die Buckelpiste und lässt sich auch von einem breiten Bachlauf nicht stoppen. Wo andere mühsam zur Jausenstation laufen müssen, fahren sie bis direkt an die Sonnenterrasse – dumm nur, dass es dort derzeit keinen Service gibt.

          Hochbeinig wie ein Insekt auf erschreckend filigranen Füßen. Bilderstrecke
          Transporter TGE : Auf Ketten gestellt

          Möglich machen den Ausflug ins Abseits vier Gummiraupen von jeweils kaum 30 Zentimetern Breite, die sie dem TGE in die Radhäuser geschraubt haben. Die Module sind Standard, sie kommen von einem Anbieter aus Rumänien, und mehr als eine spezielle Montageplatte auf dem Radträger sowie eine Fahrwerkshöherlegung braucht es nicht für die Umrüstung. Die Kraft des 177-PS-Diesels wird wie gewohnt über die Automatik und ein Verteilergetriebe an alle vier Räder übertragen, und auch die Bremsen funktionieren unverändert. Lediglich der Wendekreis wird ein bisschen größer, und das ESP schaltet der Fahrer besser aus. Und dass man lieber nicht schneller als 50 km/h fährt, versteht sich hier in den Bergen von selbst. Drunten im Tal und auf Asphalt sind vom Zulieferer sogar 80 km/h erlaubt, wenngleich die MAN-Macher dringend von solchen Geschwindigkeiten abraten.

          Zwar wirkt das Projekt wie eine Schnapsidee aus der glühweinseligen Vorweihnachtszeit, hat aber in Regionen wie Tirol durchaus einen tieferen Sinn. Denn zahlreiche Bergbauern, Hüttenwirte, Fuhrunternehmer und Outdoor-Anbieter suchten offenbar händeringend nach einem Fahrzeug, mit dem sie Mensch und Material bei Wind und Wetter auf den Berg bringen können, berichtet TGE-Verkäufer Fabian Bonora von der großen Resonanz nach den ersten Ausfahrten in den Alpen. Und die Alternativen sind bislang eher überschaubar: „Entweder sie nutzen ein All Terrain Vehicle, Quad oder Skidoo und müssen damit viel zu oft fahren, oder sie nehmen gleich einen Pistenbully, der vielen aber zu teuer ist.“

          Der TGE auf Ketten dagegen bietet Platz für bis zu neun Insassen, kann als Kleinbus, Kastenwagen oder Kipper bestellt werden und ist geschickt kalkuliert. Denn bei einem geplanten Umbaupreis von etwa 30 000 Euro plus Steuern kosten die Raupen für den TGE kaum mehr als die großen Geländefahrzeuge von Polaris oder Bombardier und nur den Bruchteil eines Pistenbully. Und sie haben noch einen weiteren entscheidenden Vorteil: Wenn der Schnee geschmolzen ist, sind die Raupen in weniger als einer Stunde runter, und der Transporter rollt auf Rädern durch den Sommer. Vielleicht sind dann ja auch wieder Touristen da.

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