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Transporter Ducato : So entsteht ein Wohnmobil

  • -Aktualisiert am

Wie bei vielen Personenwagen sind die Wohnmobile nur noch am Außendesign zu unterscheiden Bild: Thomas Starck

Fast 90 Prozent der deutschen Reisemobile haben einen Migrationshintergrund. Die Kunden können aus einer Vielzahl von Aufbauer-Marken wählen, von denen die meisten auf einer italienischen Basis rollen.

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          Die meisten Mobile stammen fahrwerksseits aus Italien, von Fiat. Im Werk Sevel im Val di Sangro läuft der Transporter Ducato vom Band, sozusagen der Vater für rund zwei Drittel der deutschen Wohnmobile. Mütter, sprich Auf- und Ausbauer, gibt es viele, und sie machen wie im richtigen Leben erst etwas aus den Rohlingen, die ihnen da im Dutzend oder gar zu Hunderten auf den Hof gestellt werden. Am Ende steht eine riesige Geschwisterriege, die sich so individuell darstellt, dass kaum ein Fahrzeug dem anderen völlig gleicht.

          Wohnmobile unterscheidet man grundsätzlich nach Aus- oder Aufbau. Im ersten Fall wird in einen fertigen, aber leeren Kastenwagen eine Inneneinrichtung eingebaut. Das ist umständlich, weil nur zwei bis drei Mann gleichzeitig darin werkeln können, ohne sich in die Quere zu kommen. Daher sind der automatisierten Fertigung im Sinn des Wortes (Blech-)Grenzen gesetzt. Aufgebaute Wohnmobile entstehen auf einer Bodenplatte von innen nach außen, das heißt, erst werden alle Innenteile von Möbeln bis Installationen für Küche, Bad und Heizung eingebaut und dann erst die vorgefertigten Außenwände angesetzt – mit Fenstern und Verstärkungen an den Stellen, an denen sie innen etwa für das Aufhängen von Dachkästen gebraucht werden. Bei dieser Bauart können sich die Monteure ungehindert auf der Bodenplatte bewegen und arbeiten. Weiterer Vorteil: Die Wände sind besser zu isolieren als die Kastenwagenbleche. Hier soll es um die Herstellung von Wohnmobilen mit eigenem Aufbau gehen.

          Im Fiat-Werk Sevel im italienischen Val di Sangro Bilderstrecke

          Während der Ducato in Sevel auf einer automatisierten Fertigungsstraße entsteht, von Robotern mit großer Präzision und Zuverlässigkeit zusammengefügt, werden ihm schon Wohnmobilgene implantiert. Fiat hat nämlich als erster europäischer Hersteller im Jahr 2006 (nach jahrelangem Bitten und Bohren der Wohnmobilbauer) ein Chassis präsentiert, das auf den späteren Einsatz als Freizeitfahrzeug hin konzipiert wurde und es den Aufbauherstellern leichter macht. Rund 50 dieser besonderen Details hat das Ducato-Fahrgestell, wenn es auf einem Großtransporter auf den Weg in sein künftiges Leben gebracht wird.

          Und da ändert sich alles: Während in Sevel nur wenige Menschen am Fahrzeug schrauben, wird bei den Aufbauherstellern viel Hand angelegt, bis am Ende ein Wohnmobil steht. Das heißt nicht,dass es hier kein Fließband gäbe oder Maschinen, aber die Montage einer Inneneinrichtung geschieht bis heute mit einem hohen Anteil an manueller Arbeit.

          Etwa im Werk Capron nahe Dresden, wo Marktführer Hymer und die zum Konzern gehörende Marke Dethleffs 2005 eine Fertigungsstätte für Freizeitfahrzeuge aufgezogen haben. Sie brauchten bei Wohnmobilen eine Alternative zu den preisgünstigen Fahrzeugen, die damals vor allem von Italien und Spanien aus mit aller Preisdruckgewalt auf den deutschen Markt drängten. Während der Standortsuche wurden die beiden Unternehmen in Neustadt bei Dresden (Capron steht für Caravan-Produktion Neustadt) fündig: Dort standen auf einem 22 Hektar großen Gelände riesige Hallen eines ehemaligen Landmaschinen-Kombinats seit 2004 leer. Hier ist genug Platz für großzügige Arbeitsverhältnisse und natürlich auch zum Wachsen. Eine engagierte Truppe von Mitarbeitern war schnell rekrutiert in diesem industriell geprägten Landstrich.

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