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Tragschrauber : Kein Hubschrauber und kein Flugzeug

  • -Aktualisiert am

Der kleine Tragschrauberboom in Deutschland begann vor gut fünf Jahren mit der Vorstellung des „MT 03“ durch den Hildesheimer Hersteller AutoGyro. Bei diesem offenen Fluggerät sitzen Pilot und Passagier hintereinander. Ein MT 03 wird immer mit Helm und Thermobekleidung geflogen. Um diesem hinderlichen Zustand abzuhelfen, plant der Marktführer die Einführung einer geschlossenen Version namens Calidus, die dann auch für Winterbetrieb geeignet ist. Die Preise für solch ein Fluggerät beginnen bei knapp 50.000 Euro. Das Fliegen ist aber sehr gewöhnungsbedürftig, weil man im Freien sitzt. Man kann sich wegen des Lärms nur über Kopfhörer unterhalten.

Wer nur mitfliegen will, zahlt etwa 100 Euro je Stunde

Norbert Braun, Geschäftsführer beim Aerolightcenter Müritz und Repräsentant des Unternehmens Celier Aviation, ist schon einen Schritt weiter. Im vergangenen Sommer hat er die Deutschland-Zertifizierung für den zweisitzigen Xenon abgeschlossen. Braun verkauft den geschlossenen Tragschrauber zu Preisen von 49.900 Euro an. Im angeschlossenen Flugzentrum Rechlin an der Müritz kann die vorgeschriebene Ausbildung zum UL-Tragschrauberpiloten absolviert werden. Dies ist bisher die einzige Möglichkeit, einen Tragschrauber zu fliegen, eine andere Zulassung (UL steht für Ultraleicht) ist in Deutschland nicht möglich. Der geforderte Flugschein dafür kostet rund 5200 Euro, wer schon einen (Privat-)Pilotenschein hat, muss mit rund 3500 Euro rechnen. Wer einfach nur mitfliegen will, zahlt etwa 100 Euro je Stunde.

Für (Klein-)Flugzeugpiloten ist das Fliegen in einem Xenon-Tragschrauber eine besondere Erfahrung. Hat man in der lichtdurchfluteten Kabine Platz genommen, weicht die anfängliche Scheu sehr schnell einem Gefühl des Vertrauens. Alles wirkt durchdacht und sorgfältig konstruiert. Das beheizbare Cockpit suggeriert Geborgenheit und Sicherheit. In den Kontursitzen sitzt man aufrecht und bequem. Die Innenraumbreite von 1,25 Meter (25 Zentimeter mehr als bei einer Cessna 172) lässt keinerlei Platzangst aufkommen. Die wenigen Instrumente sind übersichtlich in einem Geräteträger auf der Mittelkonsole angeordnet. Hinter den Sitzen ist Platz für kleines Gepäck und einen Laptop. Unsere Xenon wurde von einem Rotax-Motor mit 74 kW (100 PS) angetrieben, es werden auch stärkere Motorversionen mit 85 und 90 kW (115/122 PS) angeboten.

In der Hobbyfliegerei allerbeste Chancen auf eine weite Verbreitung

In der Luft fühlt sich der Xenon wendig und agil an und überzeugt mit guter Steigleistung. Die Steuerimpulse über Knüppel und Pedale werden sauber und nahezu verzögerungsfrei umgesetzt. Die fliegerische Umgewöhnung fällt relativ leicht. Die einwandfreie Beherrschung des Fluggeräts erfordert dennoch eine fundierte Zusatzausbildung. Auffällig ist die Ruhe im Cockpit bei Reisegeschwindigkeiten um 150 km/h. Die Unterhaltung zwischen Pilot und Passagier ist immer noch ohne die sonst obligatorischen Kopfhörer möglich. Ungewohnt ist die Lage des Kraftstofftanks hinter den Sitzlehnen. Aufgrund der typbedingten Beschränkung des Abfluggewichts auf 450 Kilogramm ist die Tankkapazität auf 26 Liter limitiert. Aufgrund einer geplanten Änderung der Vorschriften könnten es aber schon bald 70 Liter sein. Bei einem Verbrauch von 15 bis 17 Liter Superbenzin auf 100 Kilometer wären dann 400 Kilometer Flugstrecke möglich.

Zurzeit liefert das Herstellerwerk in der Nähe von Warschau jeden Monat neun Maschinen aus. Auch eine größere, dreisitzige Version des Xenon ist lieferbar, für den deutschen Markt ist dieser Tragschrauber aber nicht zulassungsfähig. Wie es scheint, haben Tragschrauber in der Hobbyfliegerei allerbeste Chancen auf eine weite Verbreitung. Vor allem der kostengünstige Betrieb und die im Vergleich geringen Einstandskosten sprechen für diese Art Fluggerät.

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