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Toyota-Museum in Köln : Die Entdeckung der Vergangenheit

Toyota-Schätzchen: Im Vordergrund der 2000 GT, im Hintergrund der S800. Bild: Schmidt

Nach Mazda eröffnet nun auch Toyota Deutschland ein eigenes Museum, direkt neben der Zentrale in Köln-Marsdorf. Man hat die Sammlung eines Händlers übernommen.

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          Peter Pichert war einer der 28 Toyota-Händler der ersten Stunde. Seit 1971 verkaufte er in Passau die Fahrzeuge des größten japanischen Herstellers, und bald begann er, die Autos seiner Marke zu sammeln. 1994 eröffnete er in Hartkirchen bei Passau das erste private Toyota-Museum Deutschlands und erweiterte seine Sammlung ständig.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Nach dem Tod Picherts im vergangenen Jahr hat Toyota Deutschland die Sammlung gekauft. Rund 70 der besten Stücke werden nun in einer ehemaligen Tennishalle direkt neben der Toyota-Deutschland-Zentrale in Köln-Marsdorf gezeigt. Rund 1800 Quadratmeter stehen zur Verfügung, alle Wagen sind in einem sehr guten Zustand. Sie wurden vor Ausstellungseröffnung professionell überarbeitet, einige der Fahrzeuge sind zugelassen und können gefahren werden.

          Offiziell firmiert die Sammlung als Toyota-Collection. „Wir wollen kein Museum im eigentlichen Sinne sein“, sagt Toyota-Pressesprecher Thomas Schalberger. Deshalb nehme man auch keinen Eintritt, und die Besucher können sich in fast alle Autos hineinsetzen. Schließlich gelte es, die Tradition zu erleben, sagt Schalberger. Allerdings gebe es auch keine regulären Öffnungszeiten, ein Besuch sei aber nach Voranmeldung jederzeit möglich. Intern werde man die Halle für Veranstaltungen nutzen, bis zu 200 Gäste könne man bewirten. Als einer der nächsten Events stehe zum Beispiel die Party zum 50. Geburtstag des Toyota Hi-Lux im Frühjahr auf dem Plan.

          Toyota Deutschland realisierte die Kollektion in einem kleinen Kraftakt. Das Pichert-Museum hatte erst zum 1. Juli geschlossen, es galt, 130 Autos abzuholen, und in der Halle – die Toyota gehört – spielten die Mitarbeiter noch bis Ende September Tennis und Badminton. Rund 60 der 130 Toyotas wurden intern versteigert, jedes Auto fand einen Käufer, die Preise lagen in der Regel zwischen 1000 und 4000 Euro und gingen nicht über 10 000 Euro hinaus. Die besten Autos stehen jetzt in Köln, eine handvoll der Exponate war schon zuvor im Besitz von Toyota Deutschland, wie zum Beispiel der Sportwagen 2000 GT von 1967. Nur 351 Einheiten wurden von 1965 bis 1970 gebaut. Mit 150 PS aus sechs Zylindern mit zwei Litern Hubraum war man damals ganz vorn mit dabei.

          Der Toyota S800 ist eine Leihgabe aus Belgien. Zwei Zylinder und 45 PS müssen reichen. Bilderstrecke

          Der Sportwagen, der nun gleich zweimal in Marsdorf vertreten ist, hatte einen legendären Auftritt im James-Bond-Film „Man lebt nur zweimal“. Eigens für den auch in Japan gedrehten Bond-Streifen wurden zwei offene 2000 GT produziert. Auf Auktionen werden die wenigen GT-Autos, die in den Handel kommen, mitunter für mehr als eine Million Dollar verkauft.

          Der GT ist das älteste Modell der regulären Sammlung, die im Übrigen fast alles Wichtige zeigt, was Toyota seit 1970 gebaut hat. Eine Leihgabe eines belgischen Händlers ist der kleine Sportwagen Toyota S800, sozusagen der Vorläufer des 2000 GT, der von 1965 bis 1969 gut 3100 Mal produziert worden war. Hier mussten noch ein Zweizylinder-Boxermotor und 45 PS genügen. Eine weitere Leihgabe ist ein Modell aus der ersten Corolla-Generation (19655 bis 1970). Die Kollektion spannt einen Bogen von den Alltagshelden wie Corolla, Starlet und Tercel über etliche Celica-Coupés und die Repräsentations-Limousine Crown, über einige Rallye- und Rennwagen und den Sportflitzer MR2 bis hin zu den kantigen Land-Cruiser-Modellen. Hier ist zweifelsohne ein Feuerwehr-Land-Cruiser, den Peter Pichert einst in Österreich fand, der größte Blickfang.

          Der Wagen stammt aus dem Jahr 1975, im Heck dient ein VW-Motor von 1957 als Antriebsquelle für die Wasserspritze. Ein anderer Land Cruiser aus der Sammlung gehörte einst Roger Moore, ein komplett offener Land Cruiser erinnert an den Jeep Wrangler, unter der Haube steckt ein dicker amerikanischer V8-Motor. Dieser „Chevota“ von 1979 gehört zu jenen Fahrzeugen der Ausstellung, die zugelassen sind und gefahren werden können. Toyota Deutschland hat sich vorgenommen, seine Schätze jetzt noch öfter auf Oldtimer-Veranstaltungen zu zeigen. Was es nicht gibt, ist Lexus. Zwar sind die ersten Lexus-Modelle (ab 1989) auch schon Youngtimer und reif fürs Museum, doch man hat sich entschieden, es in Köln bei einem reinen Toyota-Auftritt zu belassen.

          Beim jüngsten Exponat handelt es sich um einen Toyota Prius von 1999. Heute verkauft Toyota in Deutschland jedes zweite Auto mit Hybrid-Technik. Vor 18 Jahren war man noch am Anfang; der findige Pichert sicherte sich einen der Prototypen, mit denen Toyota damals auf Werbetour ging. Die Türen fehlten, damit die Technik präsentiert werden konnte. In Japan war der Prius seit 1997 auf dem Markt.

          Das Auto mit dem höchsten ideellen Wert war für Peter Pichert aber ein Toyota Corolla Coupé von 1971. Es war das erste Auto, das der junge Toyota-Betrieb damals verkaufte, für 7650 D-Mark. Als Pichert das Coupé einige Jahre später zufällig wiederentdeckte, begann seine Sammelleidenschaft.

          Die Familie Pichert führt den Toyota-Betrieb weiter, entschied sich aber, die Sammlung abzugeben. Die Familie freue sich, dass die Sammlung ein neues Zuhause habe und die Leidenschaft des Vaters seine Fortsetzung finde, sagte Tochter Birgit Pichert, die zusammen mit ihrem Bruder Peter die Geschäfte übernommen hat, bei der Eröffnung der Toyota-Kollektion am Donnerstag vorheriger Woche.

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