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Toyota iQ versus Smart : Die Autozwerge proben den Paarlauf

  • -Aktualisiert am

Links wölbt sich der Smart Fortwo Coupé, rechts knufft der Toyota iQ Bild: Pardey

Im Reich der Zwerge kommt es zum Aufstand: Der einstige König auf vier Rädern ragt aus vergangenen Zeiten herüber. Zehn Jahre nach dem ersten Smart tritt nun erstmals ein ernsthafter Konkurrent mit dem Toyota iQ an.

          5 Min.

          Der Toyota iQ ist konsequent auf das Bonsai-Format eingeschworen. Und er ist moderner. Sein größter Nachteil verringert sich mit jedem Tag: Der iQ ist (noch) keine Ikone. Aber der Thron von König Laurin wackelt. Der einstige König der Zwerge auf vier Rädern ragt aus vergangenen Zeiten herüber. Der Smart geht zurück auf einen Entwurf, der um die zwanzig Jahre alt ist. Sein Charakter ist nicht technisch bestimmt, sondern war gesellschaftspolitisch definiert. Design, Dimensionen, Ausstattung und Fahrleistungen sind Ausdruck eines als Grundthema akzeptierten Mangels: der Smart als Antwort auf die Urbanisierung und als Gegenentwurf zur Leistungsgesellschaft.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          (siehe auch: Toyota iQ: Der Größte unter den Kleinen)

          Wenn es überhaupt ein Auto sein muss, dann eben ein Smart: so lautete für die erste Generation des minimalistischen Gefährts das Credo seiner Käufer. Alle bis zum Smart-Debüt geliebten Eigenschaften des Automobils wurden verleugnet und dem Gedanken der kompromisslosen, zweisitzigen Ultrakompaktheit geopfert. Das hat dem jetzt als Daimler firmierenden Mutterkonzern zwar manches Lob und auch Schelte (Partikelfilter beim Diesel) aus den von der Liebe zur Umweltpolitik bewegten Kreisen eingetragen. Aber auch wenig smarte Verluste, die von Fachleuten in Milliardenhöhe geschätzt werden. Dass ein so kleines Auto so teuer werden konnte.

          Alles im Lot: Irgendwie liegt der Innenraum des iQ daneben, pfiffig ist anders

          Um den Smart herum ist der Fortschritt nicht langsamer geworden

          Über die Jahre hinweg wurde der Smart mehreren Verbesserungen unterzogen. Und wer heute mit einem modernen Exemplar unterwegs ist, wird den Smart als Alternative schätzen. Ohne Konkurrenz ist die Kompaktheit und der Sitzkomfort: Bei 2,70 Meter Länge sitzt man beinahe fürstlich, die Sessel sind gleichzeitig als Crash-Schutz ausgebildet. Der Einstieg gelingt auch kreuzlahmen Menschen vorbildlich, sie schätzen auch die etwas höhere Sitzposition. Im Innenraum wurde sichtlich nachgebessert, er ist wohnlicher geworden, die Instrumente sind gut abzulesen, und die meisten Bedienelemente liegen fein zur Hand.

          Natürlich wurden auch die Dinge der Mechanik und der Elektronik über die Zeiten hinweg verändert. Aber um den Smart herum ist der Fortschritt nicht langsamer geworden: Der aufgeblasene Hightech-Motor nach dem Otto-Prinzip mit Ein-Liter-Hubraum, drei Zylindern und 52 kW (71 PS) knurrt und keucht noch immer schneller, als das Auto (etwa 148 km/h) fährt. Die auch manuell zu bedienende Automatik liefert nun zwar kürzere, aber doch noch spürbare Schaltpausen. Der Mitfahrer nickt gehorsam bei jedem Gangwechsel. Lenkung und Bremsen sind wie bisher auf die Muskelkraft des Fahrers angewiesen, einparken wird trotz des schmächlichen Reifenformats vorne zur Kraftübung. Und von einer Federung kann im eigentlichen Sinne keine Rede sein. Um die Straßenlage kümmern sich in letzter Konsequenz auch elektronische Systeme, der kurze Radstand und die unkommunikative Lenkung lassen fahrerische Inspirationen kaum zu.

          Der japanische Kontrahent kann zunächst alles besser

          So leidet der Smart 2009 vor allem unter jener Eigenschaft, die als Stärke eingeplant war: Es fehlt dem Fahrer jegliche Freude an der Dynamik seines Mobils, und er muss sich auf den Spaß am Sparen konzentrieren. Mit vier bis fünf Liter Superbenzin fährt er hundert Kilometer. Das ist neben dem geringen Platzbedarf beim Parken sein vielleicht stärkstes Argument.

          Der japanische Kontrahent kann auf den ersten Blick zunächst alles besser: Er federt komfortabler, bietet Platz für bis zu vier Personen, hat eine feinfühlige Servolenkung, lässt sich vernünftig schalten (sechs Gänge) und bietet kraftvollere (und sparsame) Motoren. Mit einer Länge von 2,99 Meter ist der iQ aber fast 30 Zentimeter länger als der kleinste Daimler. Tatsächlich passen vier Personen in den Winzling, einen Kofferraum gibt es dann freilich nicht mehr. Toyota spricht von einem 3+1-Sitzer und meint damit, dass der Platz hinter dem Fahrer nur ein Notbehelf sei. Um optimalen Schutz für zwei Fondpassagiere zu bieten, hat man in Japan einen Heck-Airbag entwickelt, der sich bei einem Auffahrunfall bündig um beide Kopfstützen aufbläst und so ein schützendes Kissen bilden soll.

          Auf der Autobahn mischt der iQ mit wie ein Großer

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