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Toyota iQ versus Smart : Die Autozwerge proben den Paarlauf

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In der Regel wird man den iQ aber wie den Smart als Zweisitzer fahren. Sind die Rückbanklehnen umgeklappt (vorher sind die Kopfstützen zu demontieren), hat man immerhin ein Stauvolumen von 238 Liter bis zur Sichtkante (Smart 220 Liter). Für den iQ hielt Toyota bisher zwei Motoren bereit, einen schmalen Einliter-Dreizylinder mit recht mageren 50 kW (68 PS) sowie einen eher üppigen Vierzylinder-Diesel, der aus knapp 1,4 Liter Hubraum 66 kW (90 PS) holt und vor allem im Drehmoment den Benziner deutlich in den Schatten stellt: 190 Newtonmeter bei nur 1800 Umdrehungen in der Minute statt 91 Nm bei hohen 4800/min.

Dieser Diesel ist eine muntere Kraftquelle für den knapp eine Tonne schweren Toyota-Zwerg. Auf der Autobahn mischt der iQ mit wie ein Großer, maximal 170 km/h sind möglich. Er liegt satt auf der Straße und lässt zu keiner Zeit ein Gefühl der Unsicherheit aufkommen. Wer es aufs Sparen anlegt, wird belohnt: Rund 4,2 Liter auf 100 Kilometer beträgt der Dieselbedarf, wenn man auf längeren Autobahnetappen nicht schneller als 120 km/h fährt. Und der Diesel ist nicht nur sparsam, sondern auch leise. Man nimmt kaum wahr, dass man einen Selbstzünder unter der Haube hat - auch in dieser Hinsicht ist der lärmige Diesel im Smart im Nachteil. Mitte Juli schickt Toyota noch einen dritten Motor ins Rennen: Der 1,3-Liter-Vierzylinder Ottomotor (72 kW/98 PS) soll besonders sparsam sein und dank einer Start-Stopp-Automatik „vorbildlich effizient“.

Der Auftritt des iQ ist Ausdruck und Ansporn

In zumindest einer Disziplin ist der Smart dem iQ aber deutlich überlegen: Sein Innenraum hat viel mehr Flair und Charme. Dagegen ist der iQ regelrecht altbacken und langweilig. Dass sich der Smart trotz aller technischen Nachteile im Markt immer noch so gut behauptet, hat letztlich mit den Preisen zu tun. Der iQ ist schlicht teuer: 14.900 Euro verlangt Toyota für den Diesel, 12.700 Euro für den Benziner, die dritte Variante (mit höherwertiger Ausstattung) kostet gar 15.600 Euro. Beim Smart beginnen die Preise bei 9990 und 11.610 Euro. Für viele ist das das beste und einzige Argument, das zählt.

Der Auftritt des iQ ist Ausdruck und Ansporn. Sein Design interpretiert die klassischen Proportionen für den Einsatz eines Feuerzeugs auf Rädern: Damit der Funke überspringt, wirkt der Toyota breit, und er steht satt auf den Rädern. So appelliert er eher an die sinnlichen Empfindungen. Rundlich und ein bisschen gefährlich wie ein Burgturm mit Schießscharten. Im Design ist der iQ dennoch Ansporn. Denn der Smart ist noch immer ein Mini für den Intellektuellen. Hoch, schmal und wulstig an den Enden. Das Dach ist ein Wasserscheitel. Das Auto ist mehr denn je zuvor der Ausweis für den besseren Menschen auf Rädern, wenn es nicht gerade wegen seines einzigartigen Auftritts als Reklamewagen missbraucht wird.

Der neue VW Polo ist der nächste Proband auf unserer Liste

Beiden Hyper-Minis gemeinsam ist, dass sie trotz ihrer ingenieusen Fortschrittlichkeit und ihrer radikalen Definition manche Antworten schuldig bleiben. Denn der Smart hätte eine konsequentere Weiterentwicklung längst verdient. Motor, Fahrwerk und Getriebe sind zwar kompromisslos definiert, aber eben nicht mehr zeitgemäß. Etwas größere Motoren mit einer moderneren Schaltbox ohne die bekannten Komfortnachteile würden den Smart in die Zukunft fahren lassen. Auch das Fahrwerk mit seiner gnadenlosen Neigung zum Geradeausschieben in Kurven ist am Ende seiner Entwicklungsmöglichkeiten. Dass die vorderen Räder beim Smart auch bei einem größeren Teewagen unauffällig ihren Dienst verrichten könnten, ist der mit Elektronik überwundenen Neigung zu unerwarteten Reaktionen geschuldet. Das gilt auch für die schwergängige und stoßempfindliche Lenkung. Der Innenraum des iQ könnte auch für den Transport von Kohlköpfen und Wassermelonen zu einem asiatischen Freiluftmarkt eingesetzt werden. Der Ausdruck des Lebensgefühls einer jugendlichen Generation im Auto sieht anders aus.

Nun gilt es für die Autoindustrie, den Smart mit dem iQ zu vereinigen. Daraus könnte der Kleinwagen der Zukunft entstehen. Aber vielleicht ist er schon da: Der neue VW Polo ist der nächste Proband auf unserer Liste. Können denn fünfzig Zentimeter in der Länge entscheidend sein für die Zukunft?

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