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Lexus : 25 Jahre in der Nische

Wie bitte, ein Lexus? Ja, das ist das neue RC-F Coupé mit der Aufgabe als Imagebringer. V8-Motor, 5,0 Liter Hubraum, 477 PS, Spitze 270 km/h. Zu haben ab 75.000 Euro. Bescheidenheit sieht anders aus. Bild: Hersteller

Im Frühjahr 1990 wurde die Lexus Automobile Deutschland GmbH gegründet. Über Achtungserfolge ist der Toyota-Ableger seitdem nicht hinausgekommen. In Amerika sieht das ganz anders aus.

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          An sich ist Lexus eine Erfolgsgeschichte. Aus dem Nichts schuf Toyota 1989 nach sechsjähriger Vorbereitungszeit eine Nobelmarke, die heute knapp 600.000 Autos im Jahr verkauft. In Amerika, dem Maß aller Autodinge, bevor China auf den Plan trat, war Lexus zehn Jahre lang Marktführer in der Luxusklasse, bis der Tsunami 2011 Japan traf und die Produktionszahlen nicht mehr aufrechterhalten werden konnten. Davon hat man sich inzwischen beinahe erholt, im amerikanischen Oberklasse-Markt liefern sich BMW, Mercedes-Benz und Lexus ein Kopf-an-Kopf-Rennen: 2014 setzten die Münchner 339.738 Wagen ab, Daimler 330.391, Lexus 309.701. Buick (GM) kam auf knapp 229.000, die VW-Tochtergesellschaft Audi folgt mit 182.112, vor Cadillac (GM) mit 171.000, Infiniti (Nissan) mit 117.000 und Lincoln (Ford) mit knapp 95.000.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Immer noch sind die Vereinigten Staaten der Lexus-Kernmarkt, 53 Prozent der Produktion aus den Werken in Japan und Kanada landet dort, Nummer zwei ist aber schon China (13 Prozent), dann folgt Europa (9) vor dem Heimatmarkt (8), der erst seit 2005 bedient wird. Kalifornien ist die eigentliche Wiege von Lexus. Dort saß das Entwicklungsteam, daher kam zunächst der Spitzname „Californian Corolla“. Die Idee zum edlen Ableger kommt von Eiji Toyoda persönlich. Eiji, der ein Cousin des Toyota-Gründers Kilchiro Toyoda war und 2013 fünf Tage nach seinem hundertsten Geburtstag starb, stand damals an der Spitze von Toyota, er wollte endlich ein Auto bauen lassen, das sich mit den besten der Welt messen kann. Es sollte gelingen.

          Ein zäher Anfang

          1989 im Januar ist die Publikumspremiere des ersten Lexus, LS 400 genannt, ein Fünf-Meter-Schiff im Mercedes-S-Klasse-Format mit V8-Motor und 4,0 Liter Hubraum. Auf Anhieb stellen die Ingenieure einen vorzüglichen Luxus-Lexus auf die Räder, vor allem der Motor überzeugt. Die F.A.Z. schreibt Ende August 1990 im Großen Fahrtbericht über den Wagen:

          „Das Achtzylinder-Triebwerk vereint Hochleistungstechnik mit einer Laufkultur, wie sie zur Zeit nirgends besser geboten wird. Es ist bei allen Drehzahlen geradezu gespenstisch leise (Musikhören im Auto gewinnt hier eine ganz neue Dimension), stets leistungsbereit und erstaunlich sparsam - 13,4 Liter unverbleites Super je 100 Kilometer sind für ein 1800-Kilogramm-Auto mit 180 kW (245 PS) und Getriebeautomatik ein mehr als bescheidener Durchschnitt. Mit den Fahrleistungsangaben stapelt Lexus, wie von Toyota gewohnt, zwar etwas hoch, aber 241 km/h und 9,7 Sekunden für den Spurt auf 100 km/h sollten für alle Gelegenheiten ausreichen. Dass der LS 400 nicht nur auf der Autobahn, wo die Windgeräusche wegen des gut gedämpften Motors deutlicher hervortreten, sondern auch auf Landstraßen-Strecken ein überaus verlockender Reisewagen ist, verdankt er nicht zuletzt seiner perfekt abgestimmten Vierstufenautomatik . . . Der LS 400 ist handlich wie ein viel kleineres und übersichtlich wie ein viel weniger windschlüpfiges Auto. Die geschwindigkeitsabhängig agierende Servolenkung entspricht europäischem Geschmack: niemals zu leichtgängig, stets ausreichend präzis.“

          Der neue Lexus RX bei seiner Premiere auf der New York Motor Show 2015 Bilderstrecke

          Damals wurden noch acht „Plus/Minus“ verteilt, sechsmal gibt es ein Plus, mit einem Minus werden nur die „Knappe Zuladung“ und „Komfortmängel auf schlechten Straßen“ geahndet. Der Preis ist mit 87.400 DM um gut 20.000 DM unter dem einer vergleichbaren S-Klasse von Mercedes-Benz. Und die ist bei weitem nicht so gut ausgestattet.

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