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Tokio Motor Show : Totgesagte leben länger

Subaru zeigt die Hybridstudie Advanced Tourer Bild: Kirchberger, Schmidt

Nach einem leidlichen Jahr für Japans Automobilindustrie besinnen sich die Hersteller auf der wichtigsten Automesse des Landes wieder auf ihre Stärken.

          Das Jahr 2011 war kein gutes für Japan und die japanische Automobilindustrie. Das Erdbeben im März, der folgende Tsunami und die Havarie der Kernkraftwerke brachten das Land ins Wanken. Da ist es schon erstaunlich, in welch guter Verfassung sich Toyota, Nissan und Co. kaum acht Monate später auf der 42. Tokio Motor Show präsentieren. Die wichtigste Automesse Japans und vielleicht immer noch Asiens - Peking und Schanghai zum Trotz - setzt wieder Impulse, anders als noch vor zwei Jahren, als Ideen, Mut und viele Hersteller fehlten. Der Optimismus ist umso überraschender, als sich der japanische Markt auf Talfahrt befindet, was nicht nur mit dem Erdbeben zu tun hat. Rund minus 30 Prozent lautet die Bilanz bisher.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Eine ganz Reihe von seriennahen Fahrzeugen und Studien befasst sich noch bis zum 11. Dezember mit der Mobilität von morgen. Hier setzen die japanischen Hersteller auf kleine, kleinste, aber auch pfiffige Wagen. Ganz vorne in dieser Hinsicht ist der Hersteller Daihatsu, der sich vom deutschen Markt verabschieden wird. Warum eigentlich, fragt man sich, wenn man in Tokio war. "Big answers from small cars" lautet das gut gewählte Motto, der kleine Roadster D-X ist mit seinem schmalen Zwei-Zylinder-Turbo-Motor dabei. 47 kW (64 PS) reichen angesichts des geringen Gewichts. Rein elektrisch bewegt sich das Schmalspur-Auto Pico, in dem zwei Personen hintereinander sitzen. Wer mehr Platz braucht, nimmt den Sho Case. Das ist ein mobiler, 3,40 Meter langer und 1,90 Meter hoher Quader mit Brennstoffzellenantrieb im Boden, so dass fast die gesamte Wagenlänge für vier Passagiere plus Gepäck zu Verfügung steht.

          Spaß und Sparsamkeit

          Beim Blick auf die Zukunft der Antriebstechnik verlieren insbesondere Honda und Mazda den Verbrennungsmotor nicht aus den Augen, wohlwissend, dass auch in zehn Jahren höchstens zehn Prozent aller Personenwagen (von insgesamt vielleicht 100 Millionen jährlich) rein elektrisch betrieben werden. Honda kündigte eine "Earth Dream Technology" an mit der Behauptung, in drei Jahren bei Aggregaten von 0,6 bis 3,5 Liter Hubraum (Benzin und Diesel) führend in Sachen Sparsamkeit zu sein. Zugleich wird an Hybrid- und Elektrofahrzeugen gearbeitet: Der Honda Ev-Ster soll zeigen, dass spätestens die nächste Generation von Elektroautos auch Spaß machen wird. Greifbar und in Japan schon wenige Tage nach der Messe auf dem Markt ist der kastige Mini-Minivan N-Box mit 0,6-Liter-Motörchen. Natürlich darf ein kleines EV nicht fehlen, der MCC (Micro Commuter Concept) ist eine fast schon konventionelle Stadtauto-Studie. Und der Honda AC-X ist als Ausblick auf künftige Plug-in-Hybride zu verstehen.

          Der Honda Ev-Ster soll zeigen, dass spätestens die nächste Generation von Elektroautos auch Spaß machen wird Bilderstrecke

          Während Honda von der Erde träumt, greift Mazda in den Himmel, setzt (fast) alles auf konventionelle Motoren, denen im Zuge des Programms "Sky Active" (wir berichteten) das wahre Sparen beigebracht werden soll. Das SUV CX-5 ist das erste Modell, bei dem Sky Active voll greift. Sukzessive werden alle Mazda "himmelsaktiv", so auch der nächste Mazda 6, dessen neues Kleid anhand der Studie Takeri zu bewundern ist.

          Die Tage sind vorbei, in denen Autohersteller nur Autos herstellten

          Bewundern kann man auch den Mut, mit dem sich Nissan und Renault ins Elektroauto-Abenteuer stürzen. Konzernchef Carlos Ghosn meldet 20 000 verkaufte elektrische Nissan Leaf, reklamiert die Marktführerschaft für sich, weiß aber auch, dass die Tage, in denen sich die Autohersteller allein aufs Auto konzentrieren konnten, vorbei sind. Die Zukunft verlangt nach Mobilitätskonzepten, das Auto ist nur ein Teil davon. Für die Stadt leiht man sich dann vielleicht den winzigen Pivo 3, der mit seinen Radnabenmotoren und zwei gelenkten Achsen einen Wendekreis von nur zwei Metern hat. Bei Renault gegenüber spricht man zwar Japanisch (Nissans Pressekonferenz war in Englisch), hat aber alle ambitionierten E-Autos in Europa gelassen, bis auf die schicke Studie Captur mit Scherentüren.

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