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Autonomes Fahren : Neue Landmarken im Test

Noch ist autonomes Fahren in der Testphase. Die Überwachung der Fahrzeuge muss so genau wie möglich sein. Bild: dpa

Das autonome Fahren braucht exakte Daten. Deshalb werden auf Teststrecken neue Ideen ausprobiert. So soll der genaue Aufenthaltsort der Fahrzeuge immer ermittelt werden können.

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          An deutschen Straßen stehen derzeit geschätzt mehr als 20 Millionen Verkehrszeichen. Seit Mitte Dezember 2016 zählt ein gutes Dutzend neu entwickelter Schilder zu diesem unüberschaubaren Kreis. Doch haben sie nicht mehr viel gemein mit herkömmlichen Hinweisen auf Geschwindigkeitsbegrenzungen oder Überholverbote, außer vielleicht der runden Form.

          Das menschliche Auge entdeckt auf Tafeln nur schwarze und weiße Dreiecke, es erkennt vielleicht noch tortenstückähnliche Viertelkreise - und weiß damit doch überhaupt nichts anzufangen. Für den Menschen sind die Schilder aber auch nicht gemacht, sondern für etwas, was ihn in Zukunft beim Autofahren entlasten soll: Fahrzeuge, die dank vieler Sensoren und viel Rechenkraft an Bord zumindest zum Teil selbständig unterwegs sind.

          Feldforschung unter realen Bedingungen

          Mitarbeiter der Autobahndirektion Südbayern haben die 13 neuen Schilder vor wenigen Tagen an den Autobahnen 9 und 93 in Bayern aufgestellt. Sie finden sich in einem Abstand von jeweils genau 2,5 Kilometern an der Strecke zwischen der Anschlussstelle Pfaffenhofen, dem Autobahndreieck Holledau sowie der Abfahrt Wolnzach. Das Teilstück gehört zum vom Bundesverkehrsministerium ausgewiesenen „Digitalen Testfeld Autobahn“.

          Dort betreiben Autohersteller wie Audi und BMW, Netzwerkausrüster wie Nokia oder Telekommunikationsanbieter wie die Deutsche Telekom unter realen Bedingungen Feldforschung, um das teilautonome Fahren weiterzuentwickeln. Die neuen Schilder sollen sie dabei unterstützen. Sie helfen den Autoherstellern, den Standort ihrer Testfahrzeuge auf dem Autobahnabschnitt genauer zu bestimmen.

          Strecke wird permanent überwacht

          Es hilft eine Frontkamera, die hinter der Windschutzscheibe der Testwagen permanent die Strecke überwacht. Fahre das Auto an den Schildern vorbei, komme es im Computer des Wagens zu einer „Sensordatenfusion“, wie Miklos Kiss sagt, der bei Audi die Vorentwicklung von Fahrerassistenzsystemen leitet. Das heißt, dass Daten aller möglichen Fahrzeugsensoren im Bordcomputer gleichzeitig ausgewertet werden, um den aktuellen Aufenthaltsort des Wagens zu bestimmen.

          Dazu zählen auch Daten aus der Satellitennavigation sowie aus Radarsensoren, mit denen das Auto zusätzlich ausgestattet ist. Diese Daten gleicht der Fahrzeugcomputer dann mit digitalem Kartenmaterial ab und errechnet, wo der Wagen ist.

          GPS ist zu ungenau

          Wird die Position eines Autos lediglich mit GPS-Daten bestimmt, kann es zu Abweichungen von fünf bis zu zehn Metern kommen. Das ist vernachlässigbar, solange es lediglich um die Navigation geht. Soll das Auto aber irgendwann einmal gefahrlos allein unterwegs sein und sogar von selbst überholen, dann muss es wissen, auf welcher Spur es sich gerade befindet.

          Mit Hilfe der neuen Schilder soll die Abweichung zur tatsächlichen Position auf weniger als 40 Zentimeter sinken, sagt Audi-Mann Kiss. Zwar nutzen die Laborautos auf dem Testfeld auch heute schon Landmarken - etwa Brückenpfeiler, die Fahrbahnmarkierungen auf dem Asphalt oder herkömmliche Tempolimit-Schilder. Doch liefern die geometrischen Formen auf den schwarz-weißen „Landmarkenschildern“ sowie der hohe Kontrast zwischen den verwendeten Farben eine größere Zuverlässigkeit als zum Beispiel ein rot-weißes „100“-Schild.

          Ob die neuen Verkehrszeichen irgendwann einmal nicht nur neben der Testautobahn in Bayern zu sehen sein werden, ist offen. „Es ist ein Versuch. Wir testen nun und werden dann auswerten, ob die Schilder uns voranbringen und helfen, Rest-Unzuverlässigkeiten unserer Systeme zu verringern“, sagt Kiss. Erst dann könne entschieden werden, ob es sich lohne, künftig auch anderswo solche Verkehrszeichen aufzustellen.

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