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Volvos verbesserte Navigation : Ortung muss sein!

Großer Wagen: Volvos Business-Kombi V90 ist fast fünf Meter lang Bild: Hersteller

Der Volvo Kombi V90 hat neu aufgerüstete Navigationsmöglichkeiten zu bieten: Neben Carplay wird jetzt auch Android Auto unterstützt. Mit einem erweiterten Kommunikationssystem geht es ans Ziel.

          Sind wir über Nacht wieder nach Göteborg gewandert oder in Frankfurt geblieben? Die Frage spricht nicht etwa somnambule Phänomene an, sondern die fehlerhafte GPS-Ortung der Volvo-Navigation, die wir zuletzt im Januar im großen SUV XC90 erlebt hatten: Immer wieder geraten die Satelliten aus dem Blick, die Navi-Hinweise sind falsch, und plötzlich scheint das Auto in seiner schwedischen Heimat zu stehen. Zum dritten Mal sei sein XC 90 nun in der Werkstatt, schreibt ein Leser, Volvo finde den Fehler nicht.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Im neuen V90 kommt nun eine leicht modifizierte Anlage zum Einsatz, die einen Schritt weiter ist. Zum einen funktionierte während unserer Erprobung GPS einwandfrei. Keine Aussetzer, keine Pannen, keine falschen Hinweise. Zum anderen hat Volvo sein Sensus Connect genanntes Kommunikationssystem erweitert. Wie im XC90 gibt es die riesige, hochkant eingebaute Anzeige in der Mittelkonsole, sie hat die Maße eines Tablets mit 23 Zentimetern in der Diagonale und wird ergänzt durch ein zweites volldigitales Cockpit-Display, das noch größer ist. Mit 31 Zentimetern zeigt es nicht nur Tachometer und Drehzahlmesser, sondern auch den Status der Assistenzsysteme sowie weitere Informationen. Diese Anzeige hinter dem Lenkrad nennt Volvo digitale Instrumentierung, sie gehört in den gehobenen Varianten zur Serienausstattung.

          Sodann kommt drittens optional ein farbiges Head-up-Display dazu. Hier werden Hinweise zur Navigation, zur Geschwindigkeit und zum Tempolimit direkt auf die Windschutzscheibe projiziert. Sensus Connect wird wie ein übergroßes Smartphone bedient: Es gibt eine Home-Taste unterhalb der Anzeige, und zwischen den drei Ausgangsbildschirmen wechselt man mit einer Wischbewegung des Fingers. Am oberen Bildschirmrand findet man Statusinformationen. Streicht man von oben nach unten, kommt man in die Einstellungen des Systems. Ist das Prinzip durchschaut, geht alles Weitere nahezu intuitiv von der Hand. Auch die wichtigsten Einstellungen der Klimaanlage sind am Display zu erledigen. Da jedoch die entsprechenden Menüs permanent eingeblendet sind, kommt man ohne langwierige Suche gut zurecht.

          Es ergeben sich auch Probleme

          Telefon und die hauseigene Navigation spielen bereits ohne Internetzugang auf hohem Niveau. Dazu kommt die Spracherkennung als schneller Helfer. Hier hatten wir einige neue Probleme: Spricht man zu Beginn der Fahrt das Ziel vor, soll man es in einem Listeneintrag der digitalen Instrumentierung bestätigen. Nur steht dort nichts, es wird nämlich die Sitzbelegung gezeigt. Man kann ins Blaue hinein bestätigen, meist stimmt der erste Eintrag. Ein zweites Ärgernis betrifft das Wählen von Telefonbucheinträgen, das reproduzierbar manche Kontakte nicht fand.

          Das Bordsystem im Volvo Kombi V90

          Mit Internetanbindung erhält man weitere Funktionen und Möglichkeiten. Darunter etwa die Online-Suche nach Sonderzielen, die mit dem Anbieter Here umgesetzt ist. Oder die Premium-Verkehrsdaten in Echtzeit, sie stammen von Inrix. Diese Daten sind besser als TMC und TMC Pro, reichen aber nicht an das Niveau von Tomtom heran: Falsch gesetzte Straßensperrungen mit nur noch historischer Relevanz für die Bundesstraße 456 fielen unter anderem negativ auf. Wie bei Audi oder BMW gibt es die Option, den Verkehrsfluss für jede einzelne Straße in Ampelfarben anzeigen zu lassen. Leider baut sich die Anzeige nur sehr gemächlich auf.

          Bluetooth oder Tethering mit USB

          Die Zugangswege ins Netz sind in einem eigenen Kommunikationsmenü aufgeführt. Neben Bluetooth steht Tethering mit USB zur Verfügung, ferner kann man sein Telefon als Hotspot einrichten und den Volvo daran ankoppeln. Nicht zuletzt gibt es als vermutlich bequemste Lösung ein im Fahrzeug eingebautes Modem mitsamt Sim-Karten-Slot. Wir nahmen ein iPhone und den W-Lan-Hotspot. Es funktionierte auf Anhieb, aber nicht automatisch während der nächsten Fahrt. Während das Telefon per Bluetooth selbsttätig den Kontakt zum Fahrzeug aufbaut, muss fürs Internet manuell nachgeholfen werden.

          Die große Neuerung ist die Einbeziehung von Android Auto, das nun zusätzlich zu Apples Carplay die Kontrolle an die amerikanischen Netzgiganten übergibt. Carplay funktionierte bereits im XC90, nun ist auch Google mit an Bord. Beide Systeme erfordern, dass das Smartphone per USB-Kabel angebunden ist. Anschließend wird ein Teil des Monitors für das amerikanische System genutzt. Für Apples Carplay lässt sich die Spracherkennungstaste am Lenkrad verwenden, mit Android Auto funktioniert das nicht.

          Sensus Connect gehört zusammen mit dem High-Performance-Soundsystem zur Serienausstattung des V90. Die Navigation ist nicht dabei, sie kostet zusätzlich 1170 Euro. In Verbindung mit der Musikanlage von Bowers & Wilkins sind 3570 Euro zu zahlen. Für den Aufpreis erhält man dann 19 Lautsprecher, einen Verstärker mit 1400 Watt sowie die entsprechende Software zur Klangoptimierung. Das empfehlenswerte Head-up-Display kostet 1350 Euro. Für die Integration von Carplay und Android Auto verlangt Volvo 360 Euro.

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