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Autoneuheiten 1968 : Die Fahrt durch die Institutionen

  • -Aktualisiert am

Der kleine Mercedes: Der Audi 100 brachte die neu auferstandene Marke wieder auf die Erfolgsspur. Bild: Dieter Günther

Wir blicken im Januar traditionell auf die Autos vor 50 Jahren zurück. Was kam damals auf den Markt, und was hat die Welt bewegt? Die wichtigsten europäischen Neuheiten des Jahres 1968.

          Noch heute steht die Jahreszahl als Synonym für eine ganze Generation. War 1968 doch das Jahr der großen Studentenunruhen in Deutschland und Frankreich, der Marsch durch die Institutionen begann und wurde zumindest in Prag im August von den russischen Truppen im Keim erstickt. Martin Luther King und Robert Kennedy fielen Attentaten zum Opfer, Studentenführer Rudi Dutschke überlebte einen Anschlag nur knapp und starb dann Weihnachten 1979 an den Spätfolgen. Richard Nixon wurde am 5. November zum 37. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Das Jahr beginnt aber ganz unprosaisch mit der Einführung der Mehrwertsteuer. Damals zehn Prozent. Der Mercedes-Benz /8 - für 1968 - hat im Januar offiziell Premiere, ist aber schon 1967 verkauft worden und war vor einem Jahr der Schlusspunkt unserer Betrachtung. Ebenfalls im Januar beglückt Ford die britische Insel mit dem brandneuen Escort. Dem Kleinwagen und VW-Käfer- sowie Opel-Kadett-Konkurrent steht eine große Karriere bevor. Im September kommt er für 5400 Mark (1,1-Liter-Motor und 40 PS) auch nach Deutschland. Der kleine Ford, der schnell der Spitznamen „Hundeknochen“ verpasst bekommt, wird für Deutschland zunächst im belgischen Genk, dann im brandneuen Werk in Saarlouis gebaut. Der Escort lebt sieben Generationen bis ins Jahr 2000, dann darf der Ford Focus ran. „Hundeknochen“ bezieht sich auf die Form von Grill und Scheinwerfer der ersten Serie. Neu von Ford kommen in diesem Jahr im August zudem der 17 M und der 20 M.

          „BRD“ und „DDR“ noch unter einer Flagge

          „Der Genfer Salon gewinnt immer mehr Bedeutung“ berichtet der Motorteil der F.A.Z. am 20. März. Neu ist dort der Opel Ascona. Schon zwei Jahre vor dem eigentlichen Debüt des eigenständigen Modells benutzt Opel den Namen für einen aufgehübschten Kadett, der in Biel montiert und nur in der Schweiz verkauft wird. In Genf spricht man immer noch über die Winterspiele im nicht so fernen Grenoble. Es waren die Spiele des Ski-Rennfahrers Jean-Claude Killy, der drei Goldmedaillen abräumt. Deutschland tritt erstmals als „BRD“ und „DDR“ an, aber immer noch unter einer Flagge (Schwarz-Rot-Gold mit den olympischen Ringen) und mit einer „Hymne“, Beethovens „Ode an die Freude“.

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          Sie wird dreimal gespielt: für Franz Keller in der Nordischen Kombination, Erhard Keller im 500-Meter-Eissschnelllauf und die Rodler Thomas Köhler und Klaus-Michael Bonsack im Doppelsitzer-Wettbewerb. Das bleibt die einzige Goldmedaille für die DDR. Die Rodlerinnen Ortrun Enderlein und Anna-Maria Müller, die nach drei Läufen geführt hatten, werden disqualifiziert, wegen angeblich aufgewärmter Kufen ihrer Schlitten. Angeschwärzt hatte sie das polnische Team, wahrscheinlich waren die Vorwürfe unberechtigt. Im Oktober, bei den Sommerspielen in Mexiko, überflügelt dann das DDR-Team die bundesdeutschen Landsleute. 14 Mal wird Beethoven gespielt, neun Goldmedaillen erringt die DDR. Für die Statistiker: Deutschland West holt insgesamt 26 Medaillen, Deutschland Ost eine weniger. Vier Jahre später in München sind die Teams dann endgültig getrennt - bis 1992. Und die DDR „gewinnt“ 66 zu 40.

          Am 25. Mai wird der 1. FC Nürnberg deutscher Fußballmeister, um ein Jahr später aus der Bundesliga abzusteigen. Im Juni fällt bei Porsche der Startschuss für den Rennwagen 917, der als einer der schnellsten und erfolgreichsten Rennwagen aller Zeiten zur Legende werden wird. Unter der Leitung von Ferdinand Piëch entstehen bis zum April 1969 die vorgeschriebenen 25 Homologations-Exemplare eines von der Motorsportbehörde FIA geforderten neuen Rennwagentyps. Aus einem Hubraum von zunächst 4,5 Liter entwickelte das Triebwerk des 917 schöne 520 PS.

          1968 liegt der Bestand an Personenwagen in Westdeutschland bei rund 11,6 Millionen, neu zugelassen werden knapp 1,4 Millionen Autos. Marktführer ist damals wie heute VW mit 352 129 Neuzulassungen vor Opel mit 272 185 und Ford mit 173 854. Heute - 2017 - stehen 634 270 Einheiten für VW, 243 715 für Opel und 246 589 für Ford in den Büchern. Mercedes-Benz (326 188), Audi (283 196) und BMW (261 869) sind die neuen Verfolger. Vor 50 Jahren kommen alle drei zusammen auf 216 015 Neuzulassungen - mehr als 50 000 weniger als Opel allein. Zum Bestand dazu rechnen sollte man für 1968 auch die 110 280 Automobile, die von den in Deutschland stationierten amerikanischen Soldaten gefahren werden, wie Hans C. Graf von Seherr-Thoss in seinem Standardwerk „Die deutsche Automobilindustrie“ festhält.

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