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Autoneuheiten 1968 : Die Fahrt durch die Institutionen

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Am 28. Juni treten die neuen Notstandsgesetze in Kraft, drei Tage später wird die neue Mehrwertsteuer auf elf Prozent erhöht, und als der Sommer zu Ende geht, regnet es sinnbildlich wichtige Autoneuheiten. Im August wird der VW 411 vorgestellt. 7700 Mark soll er mindestens kosten. VW bleibt beim 411 seinen Gewohnheiten treu. Alle Modelle haben luftgekühlte Vierzylindermotoren im Heck. Es ist der erste viertürige VW. „Vier Türen und elf Jahre zu spät“, spotten Fachblätter. Die Kundschaft stört sich an den bescheidenen Fahrleistungen, die nicht einmal die Prospektwerte erreichen, wenngleich deutlich zu kräftige Motorgeräusche eine flottere Fortbewegung vorzutäuschen vermochten. Jedenfalls verordnet VW-Chef Rudolf Leiding dann im Juni 1974 das Produktionsende des 411, nach 368 728 Exemplaren. VW hatte mit 800 000 geplant.

Das kleine Sportcoupé Opel GT, 1965 auf der IAA erstmals gezeigt, gelangt endlich in den Verkauf. Für 10 780 Mark darf man sich als Besitzer der kleinen Corvette fühlen. In einer anderen Liga spielen der BMW 2500 und der BMW 2800, deren Produktion im September startet. Die völlig neu konstruierten Limousinen zielen direkt auf die Konkurrenz aus Stuttgart. Aus München gibt es sechs Zylinder und 150 oder 170 PS zu Preisen ab 15 485 Mark. Für Furore sorgt Ende des Jahres das Coupé 2800 CS, heute ein gesuchter Klassiker. Dafür waren aber schon 22 890 Mark anzulegen.

Sensationeller Verkaufserfolg

Ende November stellt die Auto-Union GmbH auf ihrem Händlerkongress in Ingolstadt den Audi 100 vor. Damit werde „das neue Konzept mit Frontantrieb und Vierzylinder-Mitteldruck-Ottomotor zu einem ganzen Audi-Programm erweitert, durch das die Auto-Union eine starke Aufwärtsentwicklung erhält“. Und es passiert genau so. Der Audi 100 wird zu einem sensationellen Verkaufserfolg und trägt viel zum Aufschwung der erst drei Jahre zuvor wiederbelebten Marke bei. Vater des Erfolgs ist der ehemalige Mercedes-Benz-Mann Ludwig Kraus, der später von Ferdinand Piëch als Entwicklungsvorstand beerbt werden wird.

Die Auto Union hatte von 1958 bis 1965 zur Daimler-Benz AG gehört, das Werk Ingolstadt wurde dann an VW verkauft. Doch nicht nur in Deutschland tut sich 1968 einiges in Sachen Auto. Als „französischen Mercedes-Benz“ lobt „auto, motor und sport“ den Peugeot 504, der ebenfalls im September debütiert. Wer diese französische Limousine (oder auch Kombi, Coupé oder Cabriolet) je gefahren hat, wenn auch nur kurz, muss dem zustimmen. In Deutschland beträgt der Basispreis für den 504 mit 1,8-Liter-Motor und 82 PS genau 10 120 Mark.

Weiter über den Tellerrand geschaut, fallen dann drei englische Kandidaten ins Auge, von denen einer heute noch zu kaufen ist: Der Morgan Plus 8. Die Entscheidung, eine Konstruktion aus den 1930er Jahren - den Morgan Plus 4 - um einen V8 zu packen war mutig, aber richtig. Der Roadster, der schon vor 50 Jahren wie ein Oldtimer aussah, hat einen V8 von Rover mit 3,5 Liter Hubraum und kostet 15 000 Mark. Die Version mit vier Zylindern und 1,6 Liter gibt es weiterhin. Heute hat der Morgan Plus 8 eine leicht überarbeitete Karosserie (seit 2012) und einen BMW-V8-Motor. 80 000 Euro sollte man auf der hohen Kante haben.

Und die ganze Welt schaut zu

Noch 1968 zeigt sich der Roadster Triumph TR6 das erste Mal, dessen Karosserie von Karmann in Osnabrück entwickelt worden war. Von Januar 1969 bis Sommer 1976 werden fast 100 000 Exemplare gebaut.

Bis heute unvergessen ist der Jaguar XJ6, die vielleicht schönste Limousine der späten 1960er und frühen 1970er Jahre. Auch sie ist ein September-Kind. „Diese in Stil, Technik und Leistung geradezu hinreißende Limousine stellt wahrhaftig ein Spitzenprodukt ihrer Klasse dar“, urteilt die deutsche Fachpresse. Für den Jaguar mit 2,8 oder 4,2 Liter Hubraum aus jeweils sechs Zylindern werden in Deutschland 25 000 oder 29 000 Mark verlangt.

Das Jahr endet mit einer Reise zum Mond. Und die ganze Welt schaut zu. Am 21. Dezember startet Apollo 8 mit den Astronauten Frank Borman, James Lovell und William Anders. Am 24. Dezember erreichen sie unseren Trabanten, umfliegen ihn und sehen als erste Menschen seine Rückseite und kehren noch Weihnachten zurück zur Erde. Ein gutes halbes Jahr später macht Neil Armstrong die ersten Schritte auf dem Mond. Ein Jahrhundertereignis.

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