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Neue Schiffe für Niedrigwasser : Tanker ohne Tiefgang

  • -Aktualisiert am

Immer oben auf: Der neue Gastanker fährt auch noch bei einem Pegelstand von 30 Zentimetern. Bild: HGK

Dürren gefährden den freien Verkehr über die Wasserstraßen des Landes. Der Chemiekonzern BASF stockt deshalb seine Schiffsflotte auf. Die Neuen können selbst extremes Niedrigwasser bewältigen.

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          Die monatelange Trockenheit im Dürresommer 2018 ließ in der wichtigsten Wasserstraße Europas, dem Rhein, nicht nur Sandbänke und neue kleine Inselchen aus den Fluten steigen, sondern hatte auch durch die Unterbrechung der Lieferketten in der Binnenschifffahrt gravierende Folgen für viele Indus­triezweige. So verbuchte beispielsweise der weltgrößte Chemiekonzern BASF in jenem Jahr Einbußen von rund 250 Millionen Euro.

          Um künftige Lücken im Materialnachschub zu schließen, hatte das Ludwigshafener Unternehmen bereits 2019 von verschiedenen Reedereien Spezialfrachtschiffe angemietet, die bei extremem Niedrigwasser wenigstens noch reduzierte Ladungsmengen transportieren konnten. Inzwischen wurde die Binnenschiff-Flotte um drei neue Schiffe aufgestockt, die in Kooperation mit externen Partnern und Reedereien passgenau für die speziellen Anforderungen des Chemiekonzerns entwickelt wurden. „Mit diesen drei Schiffen können wir die Versorgungssicherheit unseres Standorts bei kritischen Niedrigwasserständen deutlich verbessern“, sagt der Ludwigshafener Werksleiter Uwe Liebelt.

          Das erste Schiff des neuen Trios, ein Gastanker der Hamburger Reederei HGK, hat schon in diesem Jahr seinen Betrieb aufgenommen. Die 110 Meter lange „Gas 94“ ist mit ihren 12,5 Metern breiter als übliche Gastankschiffe und hat etwa 30 bis 40 Zentimeter weniger Tiefgang. Sie kann selbst dann, wenn an der kritischen Stelle bei Kaub der Pegelstand des Rheins nur noch 30 Zentimeter beträgt – was einer Wassertiefe von etwa 1,20 Meter entspricht – , noch rund 200 der maximal zulässigen Flüssiggasladung von 1450 Tonnen transportieren. Möglich machen das optimierte Auftriebseigenschaften des Kaskos, wie der Schiffsrumpf in der Seemannssprache heißt. Die Ladungsbehälter und die Antriebstechnik sind so angeordnet, dass sie für mehr Auftrieb sorgen.

          Der zweite Neuzugang der werkseigenen Niedrigwasserflotte wird ein Kombischiff für den Transport von Spezialchemikalien sein. Die 110 Meter lange und 11,35 Meter breite „Canaletto“ verfügt über acht Edelstahltanks, von denen zwei über eine spezielle Beschichtung verfügen. Sie lässt sich für vielfältige Logistikzwecke verwenden und soll im Sommer 2022 vom Stapel laufen.

          Das Flaggschiff aber wird künftig ein weiteres Tankschiff sein, das mit seiner Transportkapazität von rund 2500 Tonnen bei mittlerem Niedrigwasser doppelt so viel befördern kann wie konventionelle Tankschiffe. Ist der Pegelstand bei Kaub so kritisch wie zuvor beschrieben, kann es immerhin noch 650 Tonnen sicher auf dem Rhein transportieren. Ungewöhnlich sind nicht nur die Länge von 135 Metern, die Breite von 17,50 Metern sowie die Leichtbauweise, sondern auch zehn Edelstahltanks und drei getrennte Ladesysteme, mit denen das Tankschiff ausgestattet ist. Die Jungfernfahrt soll Ende nächsten Jahres stattfinden.

          Künftigen Niedrigwasserereignissen will die BASF mit einem gemeinsam mit der Bundesanstalt für Gewässerkunde entwickelten digitalen Frühwarnsystem begegnen. Es soll eine Vorwarnzeit von bis zu sechs Wochen ermöglichen, sodass entsprechende Logistikmaßnahmen wesentlich früher als bisher vorgenommen werden können.

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