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Suzuki Vitara und SX4 S-Cross : Verschwisterte Bräute und ihre ehrlichen Häute

Suzuki SX4 S-Cross und Vitara im Vergleich Bild: F.A.Z.

Der Suzuki Vitara und der um Nuancen größere SX4 S-Cross machen sich direkte Konkurrenz. Wieso soll für beide Platz im Markt sein? Ein Doppel-Fahrbericht.

          3 Min.

          Suzuki gilt als Kleinwagenspezialist. Doch an der Spitze der Modellpalette stehen zwei SUV, die das geneigte Publikum in gewisse Ratlosigkeit stürzen. Der Vitara und der SX4 S-Cross sind unterschiedlich gestaltet, wirken in ihrem Charakter aber doch recht dicht beieinander. Wieso soll für beide Platz im Markt sein? Suzuki muss sich etwas dabei gedacht haben, weshalb wir den Gedanken auf den Grund gefahren sind.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Der Vitara bescheidet sich mit 4,17 Meter Außenlänge, der SX4 S-Cross misst 4,30 Meter. Daraus resultiert ein größeres Platzangebot im SX4 von bis zu 1269 Litern Kofferraumvolumen (Vitara 1120 Liter) oder 440 zu 375 Liter. Die Basispreise belaufen sich auf 19 790 und 17 990 Euro. Der SX4 S-Cross wurde unlängst überarbeitet, er bekam eine neue Frontpartie sowie einen 1,4-Liter-Turbobeziner mit 140 PS und einem maximalen Drehmoment von 220 Newtonmeter schon bei 1500 Umdrehungen in der Minute. Diesen Motor fuhr die Redaktion sowohl im SX4 als auch im Vitara S, beide mit Schaltgetriebe und Allradantrieb. Das Triebwerk erlaubt relativ schaltfaules Fahren, die sechs Gänge sind schnell sortiert, nur vom ersten in den zweiten hakelt es manchmal. Im SX4 kamen wir auf einen Durchschnittsverbrauch von 8,3 Liter auf 100 Kilometer, die Spitzengeschwindigkeit lag bei 200 km/h. Dann ist es schon relativ laut im Wagen, kommoder fährt es sich mit Tacho 140 km/h und 2250 Umdrehungen in der Minute. Das Platzangebot ist ansprechend, hinten sitzt es sich relativ bequem, für Beine und Köpfe herrscht kein Platzmangel.

          Der Suzuki SX4 S-Cross und sein ...
          Der Suzuki SX4 S-Cross und sein ... : Bild: Hersteller

          Eher langweilig ist das Armaturenbrett gestaltet, aber großartige funktionale Schwächen gibt es keine. Dass der Vitara als kompakteres SUV eher jüngere Kunden ansprechen soll, merkt man auch daran, dass es für ihn wesentlich mehr Individualisierungsmöglichkeiten im Innenraum gibt. Beiden gemein ist die für Suzuki typische gute Ausstattung, in der Aufpreisliste findet sich kaum noch ein Posten, der hinzubestellt werden kann. Allerdings sind die Preise relativ hoch. Als „Comfort“ kostet der SX4 S-Cross 1.4 25 390 Euro. Schon in dieser Ausstattung gibt es Tempomat, Zweizonen-Klimaautomatik, elektrische Fensterheber vorn und hinten, Sitzheizung vorn, Audiosystem, Start-Stopp, elektrisch verstellbare und anklappbare Außenspiegel mit integrierten Seitenblinkern, LED-Scheinwerfer und 17-Zoll-Alufelgen. Nur Metalliclack lässt sich Suzuki mit 500 Euro bezahlen.

          Der Allradantrieb, den die Japaner Allgrip nennen, war in beiden Fahrzeugen unauffällig, aber eine schöne Rückversicherung auf Schnee und Eis. Für den SX4 sind das Basismodell sowie der 1,4er-Motor in Kombination mit Frontantrieb erhältlich. Der Diesel mit 1,6 Liter und 120 PS zu 26 390 Euro kommt stets als 4×4. Der Vitara bietet mehr Varianten als 4×2, dennoch bestellen zwei Drittel der Käufer ein 4×4-Modell. Und er ist das beliebtere Auto. 2016 hat Suzuki in Deutschland 9450 Vitara und 3446 SX4 S-Cross verkauft. Das muss nicht wundern, denn er wirkt trotz des Facelifts am SX4 optisch frischer und moderner. Vielleicht mag auch der Preisvorteil eine Rolle spielen, denn so riesig sind die Platzvorteile im SX4 nicht. Den Vitara S offeriert Suzuki mit Allradantrieb für 26 790 Euro, der Einstieg gelingt aber auch schon für bescheidenere 20 490 Euro. Das unattraktive Basislockmodell vergessen wir mal.

          ... Bruder Vitara S
          ... Bruder Vitara S : Bild: Hersteller

          Außerdem ist der Vitara ein Typ mit Tradition. Schon seit gut 30 Jahren verkauft Suzuki SUV, die damals noch richtige Geländewagen waren, unter diesem Namen. Heute ist der Vitara auf weicheren Pfaden unterwegs, was ihn stärker in jene Sphären rückt, die als Mainstream gelten. Einem Hang zu übertriebenem Komfort erliegt er gleichwohl nicht. Am ärgsten fällt die Lenkung auf, die mit dem Adjektiv teigig noch freundlich beschrieben ist. Sie vermittelt nicht nur keinen Fahrbahnkontakt, sie vermeidet auch jegliche Rückstellkräfte, was zum Verharren in der eingeschlagenen Kurvenlage führt. Man sollte meinen, dies sei im 21. Jahrhundert besser hinzukriegen. Womöglich ließen sich zudem Türen und eine Heckklappe herstellen, die beim Zuwerfen solider klingen als eine leere Fischdose. Unpraktisch sind das unübersichtliche Navigationsgerät, wie im SX4 der Verzicht eines Knopfs für die Lautstärkeregelung des Radios und die Konstruktion des rechten Fußraums, wo die Schuhe des Beifahrers oben anstoßen.

          Wer derlei Störenfriede beiseitelässt, wird überrascht, wie gut Einfachheit sein kann. Den harten Kunststoff peppen bunte Zierelemente auf. Die Raumausnutzung ist erfreulich, es herrscht luftige Kopffreiheit. Der Kofferraum ist einfach zu beladen. Die vorderen Sitze sind besser als erwartet, hinten fallen sie ein wenig knapp aus. Zudem überzeugt die Karosseriegestaltung mit Übersichtlichkeit, das ist nicht mehr selbstverständlich. Der Motor geriert sich auch im Vitara S als durchschnittlich begabter Begleiter, der von 130 km/h an lärmt, bis dahin aber angenehme Manieren an den Tag legt. 7,6 Liter Superbenzin füllten wir im Durchschnitt hinein. Der Vitara S wurde in der Redaktion kritisch begrüßt und hat einiges Verbesserungspotential. Dennoch ging er als Freund. Vermutlich, weil er eine ehrliche Haut ist. Für alle, die nur ein bisschen rustikal veranlagt sind, ist er wohl erste Wahl. Und jedenfalls eine Probefahrt wert für all jene, denen auf Brautschau spontan nur Opel Mokka oder Honda HRV einfallen.

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