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Suzuki Jimny : Vom Erfolg überrollt

Nicht nur Liebhaber kleiner Geländewagen würden das Verschwinden des Suzuki Jimny bedauern. Bild: Suzuki

Der Jimny ist der jüngste und vorläufig letzte Vertreter der kleinen Geländewagen von Suzuki. Der knuffige Winzling ist beliebt, aber kaum einer bekommt ihn. Jetzt könnten Abgasvorschriften das Ende der Gattung einleiten.

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          Stellen wir uns einmal vor, es gäbe ein Auto vom Format eines Kleinstwagens mit den Fahrleistungen eines Transporters, aber durstig wie ein Exemplar aus der Mittelklasse. Das mit dem Geradeauslauf eines Rennboots über Unebenheiten hoppelt und die Schläge ungedämpft an die hinten eingeklemmten Insassen weiterreicht, weil die Sitze nicht besser als eine Bierzeltgarnitur gepolstert sind. Das als Komfortmerkmale einen einstufigen Wischerintervallschalter und eine ebenso einstufige Sitzheizung anbietet, während Rückfahrpiepser oder gar Kamera noch nicht einmal gegen Aufpreis zu haben sind. Von einem Automaten für Start und Stop ganz zu schweigen. In dem der Wind und das Getriebe darum ringen, wer lauter pfeift, das Duell endet unentschieden. Und in dessen Cockpit beständig ein vermeintlich erkanntes Verkehrszeichen hochpoppt, das weggeklickt werden muss. Wer will solch ein Auto haben?

          Lukas Weber
          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Alle. Oder jedenfalls viele, denn die Nachfrage nach seinem neuen Jimny hat der japanische Hersteller Suzuki gewaltig unterschätzt. Nicht nur in Deutschland, sondern überall auf der Welt. Gerade erst ist ein ganzer Schwung hereingekommen, schon sind sie wieder vergriffen, zusammen mit den im vergangenen Jahr verkauften – zum Teil mit beträchtlichem Aufpreis zur Liste – fahren jetzt etwa 10.000 Jimny der zweiten Generation über Deutschlands Straßen, aber es könnten auch dreimal so viele sein. Wer jetzt zum Händler geht und einen kaufen will, wird gern zu einem größeren Modell im Verkaufsraum geschoben, meist erfolglos, oder vertröstet: Fragen Sie in einem Jahr noch mal nach. Mit der Bestellung bis dann zu warten, hat keinen Sinn – falls die Gerüchte stimmen, dass die verschärften Abgasvorschriften dem kleinen Auto bald den Garaus machen.

          Die Beliebtheit muss einen Grund haben, suchen wir mal danach. Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Der Jimny ist für ein knapp 21.000 Euro teures Auto eigentlich gut ausgestattet, vorn sitzt man etwas erhöht und gar nicht schlecht. Die Lehne der Kindersitze hinten lässt sich in der Neigung verstellen, wir vermuten aber, dass solch ein Auto gern als rollende Einkauftasche genutzt wird und die beiden Teile deshalb umgeklappt bleiben. Rückfahr-Pipapo braucht das Auto nicht, es endet nach Dreimetersechzig dort, wo das Reserverad ins senkrechte Heckfenster lugt. Wenn aber selbst trockene Redakteure von Technik und Motor dem kleinen Kerl seine Macken verzeihen und ihn zum Modell des Jahres 2019 küren, dann liegt das wohl an seinem niedlichen Aussehen – ein zu heiß gewaschener Mercedes G, wie putzig.

          Der neue Jimny ist ein Typ mit Ecken und Kanten. Bilderstrecke
          Suzuki Jimny : Vom Erfolg überrollt

          Das bedient das Herz der Ehefrau, die den Jimny als Zweitwagen fordert, und das des Ehemanns, der dann nicht zuzugeben braucht, dass er ihn auch knuffig findet, und lieber von Qualitäten brabbelt, die vermutlich die wenigsten Kunden brauchen. Weil hierzulande kaum jemand mit dem Auto querfeldein durchs Gelände krabbelt. Dort ist der Jimny eine Macht: Kaum Überhänge vorn und hinten, wegen des kurzen Radstands setzt er erst spät mit dem Bauch an der Kuppe auf, hervorragende Übersicht durch kompakte Maße und große Fenster, Geländereduktion. Was ihm zum Jeep Wrangler Rubicon fehlt, Achssperren und sattes Drehmoment, macht der Jimny durch niedriges Gewicht wieder wett. Die Sperren gibt’s im Zubehör, außerdem größere Räder für noch mehr Bodenfreiheit.

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