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Supersportwagen SLS AMG : Flügeltürer mit der Lizenz zum Stromern

  • -Aktualisiert am

Die knappe Reichweite dürfte für den fahrdynamisch anspruchsvollen Elektro-Supersportwagen zum Problem heranreifen Bild: Zöllner

Kein Öko-Auto für Sandalenträger: Mercedes-Benz fährt den neuen Sportwagen SLS AMG mit 571 PS starkem 6,2-l-V8-Kraftwerk in die Boxengasse, einen rassigen Zweisitzer mit spektakulären, im Dach angeschlagenen Flügeltüren.

          Zu schön, um wahr zu sein? Mercedes-Benz fährt den neuen Sportwagen SLS AMG mit 571 PS starkem 6,2-l-V8-Kraftwerk in die Boxengasse, einen rassigen Zweisitzer mit spektakulären, im Dach angeschlagenen Flügeltüren. Demonstrieren möchten die Stuttgarter, dass sie es nicht verlernt haben. „Wir bauen wieder einen echten Supersportwagen“, lautet die unausgesprochene Botschaft. Als wäre sie nicht gewichtig genug, dreht sich AMG-Chef Volker Mornhinweg um 180 Grad, blickt über die Felder jenseits der Rennstrecke und verkündet: „Schon bald bieten wir von diesem Flügeltürer auch eine Kleinserie mit emissionsfreiem Elektroantrieb an. Er wird 392 kW leisten, umgerechnet 533 PS.“

          Auch diese Nachricht sitzt. Unverzüglich verbreiten schnelle Medien die frohe Kunde. Sie färbt die automobile Zukunft rosarot. Denn wie ist es möglich, fragen Kritiker, dass ein Sportwagen sein soll, was lautlos beschleunigt und bei forscher Gangart schon nach weniger als einer Stunde Fahrzeit für eine lange Nacht an die Nabelschnur zur Steckdose gelegt werden muss?

          „Zehn Gebote beim Bau von Supersportwagen“

          „Geringes Gewicht und hohe Leistung - diese Kombination gehört zu den zehn Geboten beim Bau von Supersportwagen“, doziert Volker Mornhinweg. Mit dem 241 Kilo leichten SLS-Rohbau aus Aluminium-Spaceframe legt er die Basis dafür. Er entsteht im Daimler-Werk Sindelfingen und ist identisch mit dem Rohbau des benzingetriebenen SLS. Doch wo dessen 6,2-l-V8-Motor ein Höllenfeuer entfacht, surren im Elektrosportwagen Gleichstrommotoren. Zwei sind vorn an ein gemeinsames, von einem separaten Ölkreislauf gekühltes Getriebe gekoppelt, wobei jede Einheit das ihm nächste Vorderrad antreibt. Wie viel Kraft an jedes Rad fließt, regelt eine rechts von der Mitte verbaute Steuereinheit, die wiederum auf Befehle des Zentralrechners hört.

          Gut abgestimmt: E-Fahrwerk

          Um einen traktionsstarken Allradantrieb zu realisieren, wohnt die gleiche Achse mit zwei weiteren Elektromotoren und einer eigenen Getriebe- und Steuereinheit spiegelbildlich im Heck. Schwere Ausgleichsdifferentiale entfallen. Die Doppelquerlenker-Vorderachse stützt sich, wie in Rennwagen üblich, über (einstellbare) Pushrod-Radaufhängungen gegen die Karosserie ab. So kann der Elektro-Sportler auf das Streckenprofil einer Rennstrecke abgestimmt werden. Die ebenso konstruierte Hinterachse kommt mit konventionellen Feder-Dämpfereinheiten aus. Alle radnah verbauten Elektromotoren wiegen zusammen 204 Kilo (jeweils 51 kg), drehen bis zu 11 000 U/min, legen 880 Newtonmeter Drehmoment an (je 220 Nm) und arbeiten nach dem sogenannten „Torque Vectoring“- Prinzip. Dabei wird die Antriebskraft für jedes Rad individuell dosiert. Bei intelligenter Steuerung beschleunigt jeder Reifen an seiner Haftungsgrenze entlang, um schnell und spurstabil aus Kurven heraus zu beschleunigen. Um einen konventionell angetriebenen Sportwagen zu einem vergleichbar dynamischen Allradler aufzurüsten, bedarf es eines massiven Triebstrangs und selbstsperrender Differentiale. Beides braucht der SLS- Stromer nicht. Der bei AMG fürs eDrive verantwortliche Projektleiter Wolf Zimmermann habe sich mit seinem 15-köpfigen Team insbesondere in die erforderliche Regelstrategie verbissen, heißt es. Denn der elektrisch betriebene Mercedes SLS soll ein wahrer Kurvenfeger werden.

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