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Studie des TÜV Rheinland : Tachofälscher haben es leicht

  • -Aktualisiert am

Könnte stimmen, muss aber nicht Bild: obs

Betrug im großen Stil: Etwa jeder dritte der rund sieben Millionen Gebrauchtwagen hat wesentlich mehr Kilometer zurückgelegt, als sein Wegstreckenzähler anzeigt.

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          Etwa jeder dritte der jährlich in Deutschland verkauften rund sieben Millionen Gebrauchtwagen hat laut Erkenntnissen der Polizei wesentlich mehr Kilometer zurückgelegt, als sein Wegstreckenzähler anzeigt. Die Betrügereien sollen sich auf etwa sechs Milliarden Euro im Jahr summieren.

          Mit diesem Phänomen befasst sich eine Studie des TÜV Rheinland, die auf der Befragung von 1589 privaten Gebrauchtwagenkäufern und -verkäufern basiert. Das größte Misstrauen bezüglich des Kilometerstands hegen sie beim freien Gebrauchtwagenhandel (65,8 Prozent), gefolgt von privaten Anbietern (61,7). Deutlich geringer erscheint ihnen das Risiko beim Markenhändler mit 29,3 Prozent.

          Gewinnspannen der Tachofälscher

          An zwei Beispielen demonstriert der TÜV Rheinland die Gewinnspannen der Tachofälscher. So bringt ein Volkswagen Polo 1.6 TDI, Baujahr 2014, mit angeblich 18 000 statt echten 54 000 Kilometern 1200 Euro mehr ein. Der Erlös für einen Mercedes-Benz E 300 CDI, Baujahr 2011, mit tatsächlich 114 000 Kilometern steigt bei einer vorgetäuschten Laufleistung von 48 000 Kilometern um 5400 Euro.

          Das für derartige Tricksereien benötigte Werkzeug bekommen kriminelle Verkäufer billig im Internet, wie der TÜV Rheinland berichtet: „Handheld-Rechner mit passender Software gibt es schon für etwa 250 Euro. In den meisten Fahrzeugmodellen lässt sich damit über die OBD-Schnittstelle in nur einer Minute jeder gewünschte Kilometerstand einstellen.“

          Neben dem wirtschaftlichen Schaden erhöht sich auch das technische Risiko. „Wenn ein Auto in Wirklichkeit 100 000 Kilometer mehr gelaufen ist, sind natürlich alle Aggregate entsprechend stärker verschlissen“, sagt Jürgen Brauckmann vom TÜV Rheinland. „Fährt der Käufer nichtsahnend zu spät zur längst überfälligen Inspektion, können schwerwiegende Defekte unentdeckt bleiben.“

          Verhindern oder zumindest stark eindämmen ließen sich Tachobetrügereien durch kontinuierliche Einspeisung der jeweiligen Kilometerstände, beispielsweise bei Hauptuntersuchungen oder Werkstattaufenthalten, in eine Datenbank. „Erfahrungen aus anderen europäischen Ländern zeigen, dass sich damit Tachomanipulation wirksam verhindern lässt“, teilt der Finanzdienstleister Arvato mit. In Belgien sei nach Einführung des Car-Pass-Systems die Zahl solcher Fälschungen von rund 60 000 im Jahr auf 1239 im vergangenen Jahr gesunken. In Deutschland gibt es nichts Entsprechendes.

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