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Streit um E-Bike-Test : Hersteller wehren sich gegen Stiftung Warentest

  • -Aktualisiert am

Beim Flyer wehrt sich der Hersteller dagegen, dass der Rahmen bruchgefährdert sei. Bild: Hersteller

Bosch und mehrere Fahrradhersteller werfen der Stiftung Warentest praxisferne Prüfmethoden vor. Sie habe Verbraucher verunsichert und vom Kauf abgehalten. Nun werden Umsatzeinbußen in Millionenhöhe beklagt.

          Neun von sechszehn E-Bikes waren im Sommer bei einem Test der Stiftung Warentest durchgefallen - jetzt formiert sich Widerstand gegen diese Ergebnisse. Die Hersteller der Räder kritisieren die „praxisfernen Tests“ und eine „negativ aufgebauschte Berichterstattung“. Durch die desaströsen Testberichte sei es zu Umsatzausfällen in Millionenhöhe gekommen.

          Von europäischen Normen abweichende Testverfahren hätten zu Ergebnissen geführt, die ein falsches Bild ergeben hätten, beklagten die Unternehmen Bosch eBike Systems, Cloppenburger Derby Cycle AG und die Schweizerische Biketec AG zusammen mit dem Zweirrad-Industrie-Verband (ZIV) am Montag in Berlin. Im Juni hatte die Stiftung in ihrer Zeitschrift „Test“ von Rahmen- und Lenkerbrüchen, Bremsversagen und Funkstörungen bei sogenannten Pedelecs (zulassungsfreie Fahrräder, die mit einem Elektromotor den Radfahrer bis 25 km/h unterstützen) berichtet.

          „Praxisferne Tests“: Die Hersteller von E-Bikes kritisierten die Stiftung Warentest auf einer Pressekonferenz in Berlin scharf

          Die Hersteller kritisierten, dass etwa das Testergebnis zur elektromagnetischen Verträglichkeit für das Rad von Kalkhoff zufällig sei. Die von der Stiftung Warentest und dem ADAC behaupteten Störungen von Funkdiensten oder des Radio- und Fernsehempfangs seien mit keiner Nachmessung nachzuweisen.

          Claus Fleischer von Bosch erläuterte, dass sich die behaupteten Funkstörungen zum einen nicht reproduzieren ließen und außerdem die Interpretationen falsch und irreführend seien. So sei nicht mit 75 % der Motorleistung (etwa 18 km/h) auf die Störstrahlung getestet worden, sondern durch Betätigung der Schiebehilfe. Dies führe zu einer völlig veränderten Antennensituation. Seidler warf die Frage auf, ob die Stiftung aus Kostengründen den Test in Schiebemodus habe vornehmen lassen: „Ein Test im Schiebemodus ist in etwa so relevant wie die Ermittlung des Kraftstoffverbrauchs bei einem Auto im Rückwärtsgang.“ Die von der Stiftung gefundene einzelne Grenzwertüberschreitung liege zudem überhaupt nicht im Bereich der Funkdienste von Polizei und Feuerwehr.

          Protest gegen Versuchsanordnung und Interpretation

          Der Geschäftsführer von Biketec Kurt Schär wandte sich gegen die Testanordnung der Betriebsfestigkeitsprüfung, bei der laut Stiftung Warentest ein Rahmenteil am Hinterrad gebrochen sei. Die Testanordnung und die daraus abgeleiteten Aussagen seien sachlich unhaltbar. Schär kündigte an, dass sein Unternehmen eine Schadensersatzklage erwäge. Die Umsatzeinbrüche seien für Biketec existenzgefährdend gewesen.

          Die angebliche Störstrahlung beim Rad von Kalkhoff konnte nicht reproduziert werden. Die Stiftung Warentest nahm den Vorwurf zurück

          Offenbar spielt es eine Rolle, dass die Schweizer im Gegensatz zu Derby Cycle nicht versucht haben, Testobjekte von der Stiftung Warentest zurückzukaufen. Wie Mathias Seidler, ehemaliger Geschäftsführer von Derby Cycle, ausführte, wurde von der Stiftung der Rückkauf an die Bedingung geknüpft, dass die Unternehmen auf das Einlegen jeglicher Rechtsmittel im Vorhinein verzichteten.

          Siegfried Neuberger, Geschäftsführer des ZIV, erklärte, die Mitgliedsunternehmen seines Verbandes hätten ein großes Interesse daran, zusammen mit der Stiftung an detaillierten Prüfprogrammen zu arbeiten, in denen alle Testkriterien transparent und reproduzierbar seien. Außerdem müssten betroffene Anbieter genauer über Testergebnisse informiert werden, und zwar vor Veröffentlichung der Ergebnisse. Nur auf diese Weise könnten offensichtliche Fehler bei der Versuchsdurchführung und der Interpretation vermieden werden. Im Falle des Pedelec-Tests habe es im Vorfeld der Veröffentlichung genauso wie danach erhebliche Kommunikationsschwierigkeiten mit der Stiftung gegeben.

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