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Start der GVO : Autohandel zwischen Hoffen und Bangen

  • -Aktualisiert am

Die neue europäische Gruppenfreistellungsverordnung (GVO) stellt für den Automobilhandel viele neue Regeln auf. Bis zum 1.Oktober müßten dieses in Vertragsform gegossen sein. Doch noch hapert es.

          Wenn in diesen Tagen in den Nachrichten von GVO die Rede ist, geht es meist um gentechnisch veränderte Organismen in Saatgut, Futter- und Lebensmitteln, und nicht um die neue Gruppenfreistellungsverordnung für den Automobilhandel. Doch die Ruhe täuscht, hinter den Kulissen wird fieberhaft gearbeitet, um zum Ende der Übergangsfrist (30.September) die erforderlichen neuen Verträge unter Dach und Fach zu haben.

          Dabei haben nach einer Umfrage der Fachzeitschrift "Autohaus" bisher nur ein Viertel der deutschen Autohändler unterschriebene und der neuen GVO angepaßte Verträge. Und ob die schon vorliegenden Verträge wirklich GVO-konform sind, ist aus Handelssicht noch nicht klar.

          Jürgen Creutzig, Präsident des europäischen Kraftfahrzeug-Gewerbeverbandes CECRA bezweifelt dies: "Derzeit befinden sich einige Verträge in der anwaltlichen Überprüfung." Im vergangenen Jahr hatte EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti mit der neuen GVO einigen Wirbel verursacht, weil er vollmundig ankündigte, die Autopreise in Europa würden dank mehr Wettbewerb sinken. Wichtigste Änderungen: Händler dürfen jetzt auch Konkurrenz-Marken verkaufen oder müssen keinen Service mehr bieten. Doch die günstigen Angebote, die es derzeit auf dem Automarkt gibt, haben andere Ursachen: Die Konjunktur lahmt, der Automarkt ist schwach, der Preis muß verkaufen helfen.

          Zur allgemeinen Durststrecke in der sich viele Händler befinden, kommt nun noch die Unsicherheit mit den neuen Verträgen. Mehrere Beschwerden über Vertragsklauseln sind bei der EU-Kommission anhängig. Prominenteste Beispiele sind die Marken Volkswagen/Audi und BMW.

          Zähneknirschen

          Dennoch hat der BMW-Händlerverband inzwischen zähneknirschend empfohlen, die neuen Verträge zu unterschreiben, trotz Beschwerde. Händlerverbands-Präsident Peter Enders: "Aus Sicht der Händler besteht die wirtschaftliche Notwendigkeit zu unterzeichnen." Und wenn die Beschwerde dann doch noch zu Veränderungen führt, gelten diese ja auch für unterschriebene Verträge, meint Verbandsanwalt Christian Genzow.

          Die VW- und Audi-Händler haben anläßlich einer Informationsveranstaltung ihres Händlerverbandes Ende Juli in Mainz in einer Resolution die präsentierten Verträge abgelehnt und ihren Verband beauftragt, nachzuverhandeln (siehe F.A.Z. vom 28.Juli). Die Stimmung in der Händlerschaft ist denkbar schlecht. Sorgen bereiten die neuen finanziellen Konditionen die fast immer mit den neuen Schriftwerken einhergehen.

          Vorsichtige Verbände

          Unterdessen hat der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeug-Gewerbe (ZDK) nochmals "Verträge der Vernunft" angemahnt. Bei der genauen Ausgestaltung will der ZDK aber nicht eingreifen. "Die Vertragsverhandlungen werden von den einzelnen Fabrikatsverbänden geführt," sagt ZDK-Präsident Rolf Leuchtenberger. Gleichwohl will der Verband aber darauf aufpassen, daß die Gesetze eingehalten werden. Auch der CECRA sammelt zweifelhafte vertragliche Vereinbarungen, will aber zunächst mit den Landes-Verbänden darüber sprechen.

          Wirtschaftliche Probleme

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