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Standardausstattung bei Škoda : Mirrorlink fährt in die Sackgasse

Mirrorlink-Apps: Viel ist das nicht Bild: Michael Spehr

Die Idee ist zunächst bestechend: Man verwendet ein Smartphone und baut statt des Navi-Systems nur einen Monitor ein. Doch die Anbindung für Android ist schon veraltet und funktioniert schlecht.

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          Die Idee ist zunächst bestechend: Statt das Auto mit teuren Bordsystemen für Navigation und Unterhaltung auszurüsten, verwende man die ohnehin vorhandene Technik der Passagiere, nämlich ihr modernes Smartphone. Fürs Auto reicht ein simpler Monitor. Die Intelligenz, die Sim-Karte und die Apps stecken in der Hosentasche des Fahrers und werden von einem Gerät aufs andere gespiegelt.

          Michael Spehr
          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Nicht nur die Fahrzeuglösungen von Google und Apple basieren auf dieser Idee. Viel älter ist Mirrorlink, das vor mehr als fünf Jahren von Nokia entwickelt wurde, damals noch unter dem Namen Terminal Mode. Nun ist Mirrorlink auf der Straße angekommen, und zwar in der Werksausstattung von Śkoda. Zuvor hatte es die Technik schon in einige Autoradios mit Touch-Display von Alpine, Sony, JVC und Pioneer geschafft. Bei Śkoda läuft Mirrorlink im neuen Fabia, wo es mit dem Infotainmentsystem Bolero zusammenspielt, das wiederum zwischen 220 und 650 Euro kostet. Mit im Paket sind stets Radio, MP3-Musikwiedergabe und ein Bluetooth-Freisprecher. Der kleine Monitor mit 6,5 Zoll (16,5 Zentimeter) in der Diagonale ist nur das Bedienterminal für Mirrorlink. Das erklärt den günstigen Preis. Aber die Tücke liegt im Detail.

          Standardausstattung im Skoda Fabia
          Standardausstattung im Skoda Fabia : Bild: Michael Spehr

          Zunächst benötigt man ein passendes Android-Smartphone, eine Kompatibilitätsliste findet sich unter https://cert.mirrorlink.com/ProductListing. Wir nahmen ein HTC One, das mit USB-Kabel angebunden sein muss. Kabellos funktioniert Mirrorlink nicht. Aber für die Wiedergabe von Musik und Navi-Anweisungen muss trotzdem eine Bluetooth-Anbindung erfolgen. Selbst der an sich simple Kabelanschluss bereitet Probleme. Wie viele Kollegen stellten auch wir im zweiwöchigen Testbetrieb immer wieder fest, dass Mirrorlink eine Diva ist.

          Häufig weist sie die Verbindung zum Smartphone-Partner ab, ebenso häufig gibt es während der Fahrt ein abruptes Ende des beiderseitigen Austausches. Ins Auto steigen und sofort losfahren: Das war früher. Hier fordert das Infotainment mehr Aufmerksamkeit denn je. Festzuhalten bleibt, dass nicht nur Mirrorlink zickt, sondern sich auch gelegentlich Bluetooth-Audio verabschiedet und bei dieser Gelegenheit alle 30 Sekunden eine Fehlermeldung einblendet.

          Wenn es funktioniert, wird im stehenden Fahrzeug nur ein Teil des Smartphone-Bildschirms auf den Bordmonitor gespiegelt. Damit hat sich die Mirror-Idee schon erledigt. Denn die hohe Display-Auflösung neuerer Smartphones (etwa QHD mit 2560 × 1440 Pixel) passt nicht zur geringen Auflösung typischer Bordsysteme, die zum Beispiel mit 800 × 600 oder hochauflösend mit 1280 × 960 Pixel laufen. Mit den Android-Symbolen und Bedienelementen kann man dann am Bordmonitor einzelne Funktionen aufrufen, Apps starten und beispielsweise seine E-Mail abrufen. Nur ist das Ganze ziemlich sinnfrei: Am Smartphone kommt man schneller zurecht und sieht mehr.

          Sygic-Navi: Das sieht vertraut aus
          Sygic-Navi: Das sieht vertraut aus : Bild: Michael Spehr

          Für den Betrieb im fahrenden Auto benötigt man mit Mirrorlink kompatible Apps. Auch das ist eine Enttäuschung, weil der Charme der ursprünglichen Idee darin bestand, dass jede App zur Fahrzeug-App werden könne. Das Infotainment im Auto sollte auf Augenhöhe mit den schnelllebigen Smartphone-Entwicklungen fahren. Davon ist jetzt nicht mehr die Rede. Es gibt ein Dutzend Mirrorlink-Apps, einige waren von Śkoda in unserem Fahrzeug bereits aufgespielt, etwa zur Auswertung des Fahrverhaltens.

          Aber sie funktionierten leider nicht. Parkopedia zur Parkplatzsuche probierten wir aus - und erhielten gleich die Fehlermeldung, in diesem Fahrzeug müsse man ein Premium-Nutzer sein und möge bitte zunächst die App updaten. Auch die Routenführung mit Sygic Car stand zunächst unter einem etwas unglücklichen Stern: Als wir den Kopiloten wirklich dringend benötigten und gerade die Zieleingabe abgeschlossen hatten, kam die Meldung, man solle sich anmelden und ein Konto erstellen. In Hessisch-Sibirien ohne Mobilfunkabdeckung.

          Zum Glück leitete Sygic Car trotzdem zum Ziel. Die Navi-App erlaubt es, das Kartenmaterial im Smartphone vorzuhalten, so dass man während der Routenführung nicht auf eine Internetverbindung angewiesen ist. Sygic Car lässt sich gratis ausprobieren, kostet aber anschließend um die 80 Euro, und für Verkehrsinformationen bezahlt man noch einmal extra. Soll jedes Familienmitglied für Fahrten im Fabia die App kaufen? Oder kauft man für den Fabia ein eigenes Smartphone?

          Die Software arbeitet ordentlich, indes wird bei allen Ansagen der erste Halbsatz verschluckt. Die Liste der Sonderziele im Kartenmaterial ist verblüffend groß, und es gibt eine ganze Reihe von pfiffigen Funktionen. Etwa nicht nur Hinweise auf ein Tempolimit, sondern auch auf dessen nächste Änderung. Man sieht, dass sich der Spurt nicht lohnt, weil schon 800 Meter weiter die nächste Beschränkung kommt.

          Weitere Android-Apps sind derzeit von Śkoda nicht für die Mirrorlink-Navigation freigegeben. Mit Google Maps und anderen wird nach dem Anfahren der Bildschirm schwarz geschaltet. Aber mit Sygic Car lässt es sich durchaus leben. Nur lohnt sich Mirrorlink insgesamt nicht. Vom Spiegeln des Bildschirms kann keine Rede sein. Die unzuverlässige Ankopplung, die Beschränkung auf ausgesuchte Android-Geräte und eine Handvoll Apps konterkarieren das ursprüngliche Konzept. Der neue Fabia wird gewiss länger fahren, als die alten Androiden navigieren.

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