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Probefahrt Jeep Wrangler JL : Der letzte Mohikaner

Der Jeep Wrangler ist noch echter Geländewagen. Bild: Hersteller

Noch ein echter Geländewagen: Auch der Jeep Wrangler JL kommt nach wie vor mit Starrachsen und Leiterrahmen. 2020 soll ein Plug-in-Hybrid folgen.

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          Wer einen echten Geländewagen will, hat zurzeit nur noch eine Wahl: den Jeep Wrangler. Der Land Rover Defender pausiert, der neue G von Mercedes-Benz und der Land Cruiser von Toyota haben zumindest vorn Einzelradaufhängung, und den winzigen Suzuki Jimny, der bald wieder aufgelegt wird, den lassen wir mal außen vor.

          Boris Schmidt
          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Der Jeep Wrangler, der direkte Nachfahre des Ur-Jeep von 1941, bleibt sich auch in seiner jüngsten Generation mit dem Werkskürzel JL treu: Die Räder hängen vorn wie hinten an starren Achsen, die an einem Leiterrahmen fixiert sind. Mehr noch: Vor allem in der Version Rubicon ist der Wrangler so fit für die Welt jenseits der Straßen wie noch nie. Gebaut wird er weiterhin in Toledo nahe Detroit, allerdings in einem neuen Werk mit größerer Kapazität, der Marktstart für Deutschland ist am 7. September.

          Die Preise beginnen mit 46 500 Euro für den Zweitürer, der längere Viertürer kostet mindestens 49 500 Euro. Unter der Haube steckt dann entweder ein 2,0-Liter-Turbobenziner mit 270 PS oder ein neuentwickelter 2,2-Liter-Turbodiesel mit 200 PS. Beide sind Vierzylinder und mit einer Achtgang-Automatik verheiratet. Sie erfüllen schon jetzt die Abgasnorm Euro 6d, die noch schärfer ist als Euro 6d-Temp. Der Benziner ist mit einem Partikelfilter ausgerüstet, der Diesel reinigt seine Abgase mit Hilfe von Adblue. Beim maximalen Drehmoment in Newtonmeter schlägt der Selbstzünder den Benziner 450 zu 400. Ein potenter 3,6-Liter-V6 bleibt dem amerikanischen Markt vorbehalten, für das Jahr 2020 wird aber ein Wrangler mit Plug-in-Hybrid-Technologie versprochen.

          Vor allem in der Version Rubicon ist der Wrangler so fit für die Welt jenseits der Straßen wie noch nie. Bilderstrecke
          Probefahrt Jeep Wrangler JL : Probefahrt Jeep Wrangler JL

          Wie erste Probefahrten zeigen, ist der neue Wrangler tatsächlich immer noch der gleiche alte Haudegen, der er schon immer war. Man sitzt aufrecht hinter dem Lenkrad, schaut auf die Motorhaube und erfreut sich der Rustikalität des Innenraums. Als Zugeständnis an die Moderne gibt es unter anderem ABS, ESP, eine Servolenkung, eine Rückfahrkamera, vier Airbags und einen Totwinkelassistenten. Das Audiosystem kooperiert mit Apple Carplay und Android Auto. Vor allem in den Versionen mit Softtop ist der Dieselmotor gut zu hören, und die (Gelände-)Reifen singen ein schönes Lied. Leiser ist es mit Hardtop und Straßenreifen.

          Beide Jeep, ob Vier- oder Zweitürer, kommen mit Soft- und Hardtop, nur die Basisversion nicht. Auch der Viertürer lässt sich komplett strippen, das mehrteilige Dach und die Türen kommen raus, die Windschutzscheibe fällt nach vorn auf die Motorhaube. Für den Viertürer braucht man knapp 17 Minuten, um eine Art Cabrio-Limousine zu kreieren, hat Jeep gestoppt, es bleibt jeweils ein mächtiger Überrollbügel stehen. Ob man auch ohne Türen fahren darf, sei eine Grauzone. Wir finden, auch mit Türen ist es schon luftig genug. Neu ist ein Hardtop mit Rolldach.

          „Never change a winning team“, nach diesem Grundsatz wurde der Jeep erneuert, es bleibt auch bei der nach rechts öffnenden Hecktür und der Heckscheibe, die separat hochgeklappt werden muss. Auf die Reihenfolge muss streng geachtet werden, sonst hakt die Scheibe am außen hängenden Reserverad. Im 4,43 Meter kurzen Zweitürer ist der Kofferraum mit seinen 192 Litern eher klein, der 4,88 Meter lange Viertürer bietet 533 Liter. Nach dem Umlegen der Rückbank steigen die Volumina auf 587 oder 1044 Liter. Ziehen darf der kurze Jeep 1,5, der lange 2,5 Tonnen.

          Der Jeep-Käufer, danach gern Jeeper genannt, hat die Wahl zwischen den drei Ausstattungslinien Sport, Sahara und Rubicon. Nur als Rubicon trägt er die höchsten Off-Road-Weihen. Neben dem Untersetzungsgetriebe und dem Allradantrieb, beides ist für alle Wrangler selbstverständlich, bietet er zusätzlich Sperrdifferentiale vorn und hinten sowie einen entkoppelbaren Querstabilisator an der Vorderachse. Außerdem arbeitet die Untersetzung im Verhältnis 4:1 und nicht nur 2,72:1. Zum Paket gehören auch Geländereifen, dickere Achsen, Unterfahrschutz, Abschlepphaken und diverse andere Annehmlichkeiten, die mit Offroad nichts zu tun haben, wie ein Soundsystem von Alpine oder LED-Scheinwerfer. Als Modell Rubicon kostet der Wrangler 53 000 oder 56 000 Euro.

          Auch äußerlich bleibt der Jeep der Alte: Eckige Karosse, Kühlergrill mit sieben Stäben, runde Scheinwerfer, Türscharniere und Heckleuchten, die auf der Karosserie sitzen. Das ist alles schön rustikal, eben so, wie es Jeeper schon seit jeher mögen.

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