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Spracherkennung im 7er BMW : Vom Fahren spricht man nicht

Was man vorgesprochen hat, wird als Text ins Auto geschickt Bild: Spehr

Das Auto versteht jetzt E-Mail und SMS. Der aktuelle 7er BMW fährt vor, andere folgen. Die Spracherkennung kommt von Nuance. Noch funktioniert jedoch nicht alles.

          Morgens auf dem Weg ins Büro. Nur langsam kommen die Pendler voran. Man könnte ja mal mit dem Smartphone nach neuer E-Mail gucken. Natürlich ist das verboten. Aber man macht es trotzdem. Und man ist ja auch nicht allein, wie ein Blick auf die Nachbarautos und ihre Fahrer zeigt. Wir sind jedoch mit dem im Sommer modernisierten 7er BMW unterwegs, und hier bleibt die Fahrerablenkung minimal. Mit dem Betreten des Fahrzeugs wird das Smartphone identifiziert und angekoppelt, und schon sind im Office-Menü des iDrive-Systems unsere drei E-Mail-Konten sowie der SMS-Nachrichteneingang auf dem Bordmonitor sichtbar.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          E-Mail lesen während der Fahrt? Darum geht es nicht. Vielmehr sind nur Absender und Betreff im fahrenden Auto angezeigt, nicht jedoch der Nachrichtentext. Den wiederum kann man sich von einer synthetischen Stimme vorlesen lassen. Das funktioniert erstaunlich gut, man kann eine Pause einlegen lassen, und wenn die (in der Regel vollkommen überflüssige) Signatur oder Fußzeile der E-Mail erreicht ist, stoppt man. Ferner gibt es Filter, um beispielsweise nur die ungelesenen oder nach Fahrtbeginn neu eingetroffenen E-Mails anzeigen und vorlesen zu lassen.

          Der sprachbegabte 7er von BMW

          Diesen schönen Luxus gibt es schon länger bei BMW und anderen Fahrzeugherstellern. Nur war der Datenfluss vom eigenen E-Mail-Konto oder vom Smartphone hin zum Bordmonitor bislang eine komplizierte Angelegenheit. Bei BMW musste man in iDrive und Connected Drive das entsprechende E-Mail-Konto mitsamt allen zugehörigen Parametern einrichten, eine ziemliche Fummelei mit dem Controller. Nun sind die Inhalte der elektronischen Post automatisch da - und die Vorlesefunktion hält einen unterwegs auf dem Laufenden.

          Eine Weltpremiere bietet der aktuelle 7er BMW jedoch beim Beantworten von E-Mail oder Schreiben von SMS: Erstmals kommt eine Spracherkennung zum Einsatz, die jenseits der Erfassung von Navigationszielen, Telefonkommandos oder der Musikauswahl alle nur denkbaren Texte in Schriftform umwandelt. Die Technik stammt vom amerikanischen Marktführer Nuance, der die Windows-Software Dragon Naturally Speaking sowie Apples kluge Assistentin Siri entwickelt. Voraussetzung sind das Professional-Navigationssystem und Connected Drive.

          Es gibt Korrekturoptionen, aber leider keine Sprachauswahl für den Adressaten

          Im 7er BMW lehnt sich das Verfahren eher an Siri als an das PC-System an. Es arbeitet also ohne vorheriges Sprechertraining, verzichtet auf ein persönliches Sprachmodell und ist nicht lernfähig. Es wird also nur ein Alltagsvokabular unterstützt, das sich nicht um individuelle Sprechweisen oder Eigennamen ergänzen lässt. Wer Fachtexte diktieren will, bleibt demnach außen vor. Aber die schnelle Antwort auf eine E-Mail oder SMS lässt sich mit wenig Aufwand und geringer Ablenkung sinnvoll erfassen.

          Mit Dragon Drive Messaging im BMW diktiert man ein paar Sätze, und wie auf dem iPhone wird die Audiodatei via Mobilfunk zu den Nuance-Rechnern nach Amerika übertragen, dort transkribiert und als Text zurück ins Fahrzeug geschickt. Man beachte also, dass der Inhalt auf fremden Servern landet. Was auf dem Smartphone prima funktioniert, erhält in der Oberklasse-Limousine weitere raffinierte Zutaten. So sei das akustische Sprachmodell auf die Nebengeräusche des Fahrzeugs abgestimmt, diese würden automatisch ausgeblendet, heißt es bei BMW.

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