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Jaguar F-Type : Mutig sind die Engländer

Britisches Auto, britisches Wetter: Jaguar F-Type Cabriolet. Bild: Schmidt

Den Jaguar F-Type gibt es nur noch als Vier- oder Achtzylinder. Doch den Preissprung um 28.300 Euro vom F-Type mit 300 PS aus vier Zylindern auf 450 PS aus acht Zylindern muss man dem Kunden erst mal vermitteln.

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          Man muss sie mögen, diese schrulligen Briten. Ihr wollt raus aus der EU? Bitte schön. Das Geländewagen-Urgestein Defender kommt jetzt ohne Leiterrahmen und ist ein rollender Computer? Wohl kaum zu vermeiden. Und den Sportwagen Jaguar F-Type gibt es jetzt nur noch als Vier- oder Achtzylinder? Auch gut.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Doch den Preissprung um 28.300 Euro vom F-Type mit 300 PS aus vier Zylindern auf 450 PS aus doppelt so vielen Töpfen muss man dem Kunden erst mal vermitteln. Dabei ist schon der Basispreis für das Cabrio P300 von 69.405 Euro mit der reduzierten Mehrwertsteuer mehr als selbstbewusst. Turbogestärkte vier Zylinder, zwei Liter Hubraum und 300 PS gibt es auch aus Zuffenhausen, nennt sich 718 Boxster, ist rund 13.000 Euro billiger und bietet für Sportfahrer auch noch ein manuelles Schaltgetriebe. Selbst ein BMW Z4 als M40i mit sechs Zylindern, drei Liter Hubraum und 340 PS ist gut 10.000 Euro günstiger. Da muss die Liebe zu England schon ziemlich groß sein.

          Im F-Type wurde das Schaltgetriebe im Rahmen des unlängst erfolgten Facelifts gestrichen, wie auch die V6-Zylinder mit 340 oder 380 PS. Gut gefallen die neuen, schmalen Scheinwerfer sowie die anderen Feinarbeiten an der Karosserie. Nach nun auch schon wieder sieben Jahren auf dem Markt war eine Überarbeitung des F-Type überfällig. Innen gibt es jetzt virtuelle Instrumente, der Navi-Monitor ist zwei Zoll größer, aber bei Sonneneinstrahlung so schlecht abzulesen wie zuvor. Dass der F-Type schon sieben Lenze zählt, merkt man an Details wie dem fehlenden adaptiven Tempomaten, andere Assistenzsysteme wie Totwinkelwarner, Spurhalteassistent oder Verkehrszeichenerkennung gibt es sehr wohl. Fehlanzeige ist wiederum in puncto Head-up-Display. Aber wer sich für einen F-Type interessiert, muss ohnehin anglophil sein und wahrscheinlich auf der Suche nach einem britischen Roadster alten Schlages. Die Farbe dazu – British Racing Green – kostet 1096 Euro Aufpreis, das knappe Verdeck, allerdings vollelektrisch, und den mit 207 Litern winzigen Kofferraum gibt es gratis. Der F-Type ist jedoch in der Tradition des legendären E-Type zu sehen, schon der war für einen klassischen Roadster zu groß und schwer. Der F-Type hat mit 4,48 Meter Länge und einem Gewicht von 1,5 Tonnen das Format des von 1961 bis 1974 gebauten E-Type. Der bot als Sechszylinder mit 3,8 Liter Hubraum 280 PS und war 240 km/h schnell.

          Macht auch in Weiß und vor allem bei besserem Wetter eine gute Figur.
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          Die 300 PS, die von der Achtgang-Automatik des F-Type relativ sanft an die Hinterräder geschickt werden, genügen auch 59 Jahre später zu adäquater Fortbewegung. In knapp sechs Sekunden kann der Spurt von 0 auf 100 km/h gelingen, die Spitze liegt bei 250 km/h. Klar, mehr braucht niemand, nur wirkt die Kraftentfaltung nicht sehr beeindruckend, der Turbomotor klingt brummig bis fauchig, aber laut ist er nicht. Mit dem Standardantrieb gehört der F-Type vor allem bei nasser Straße in die schon fast vergessene Kategorie der Heckschleudern. Trotz der elektronischen Helfer wischt das Heck beim Beschleunigen nach dem Abbiegen oder aus Kurven schnell weg. Abhilfe schafft Allradantrieb, der für die V8-Modelle – eine zweite Variante hat 550 PS – ab 102.840 Euro zu haben ist.

          Für den finanzbewussten Flaneur ist der Vierzylinder-F-Type gewiss die erste Wahl, offen fahren macht schließlich fast in jedem Auto Spaß. Supersparsam ist der Vierzylinder aber nicht. Angegeben ist er mit einem Bedarf von 8,1 Litern auf 100 Kilometer, im Durchschnitt kamen wir auf 10,8, die einzelnen Tanketappen brachten Maxima von 11,8 und Minima von 7,3 Litern bei der Sparfahrt auf flacher Autobahn mit nicht mehr als 120 km/h.

          Kaum zu glauben, aber wir erwischten Tage, die fast immer zum geschlossenen Verdeck zwangen. Es öffnet und schließt in 12 Sekunden, leider nicht von außen per Fernbedienung. Außer Schwarz sind gegen Aufpreis auch Rot oder Beige im Angebot. Doch Jaguar-Fans empfehlen wir das Coupé mit der großen Heckklappe und 400-Liter-Kofferraum. Es sieht nach wie vor unverschämt gut aus, besser und harmonischer als das Cabriolet. Das praktischere und schönere Coupé kostet zudem 7000 Euro weniger.

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